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  • Machtverhältnisse sichtbar machen

    Wie gelingt Forschung, die nicht über, sondern mit Betroffenen entsteht? Saskia Schuppener über Partizipation und Macht.

    Man stellt sich dauerhaft in Frage, aber das ist auch das Spannende.“ Saskia Schuppener leitet das Institut für Förderpädagogik der Universität Leipzig und ist Professorin für Inklusive Bildung und Partizipation im Kontext geistiger Behinderung. Eine Arbeit, die, wie Schuppener betont, viel Selbstkritik und Reflexion benötige. Im Gespräch erzählt sie mit großer Zugewandtheit ausführlich von ihrem Arbeitsalltag, in dem sie zu und mit Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung lehrt und forscht.

    Sie ist Teil eines zwanzigköpfigen Teams, das seit 2019 im Kontext des Freiraums für inklusive Lehre, Forschung und Transfer auch aus Menschen, die als geistig behindert gelten, besteht. Schuppener erzählt: „Wir kämpfen dadurch auch mit dem Verwaltungssystem der Hochschulen, da diese nicht darauf ausgelegt sind, dass alle Menschen Zugang haben und mitmachen können. Hochschule ist nach wie vor auf vielen Ebenen exklusiv.“ Schuppener arbeitet gerne in ihrem Team, denn es trägt sie durch die Herausforderungen eines oft zehnstündigen Arbeitstags. Dieser ist gefüllt von Lehrveranstaltungen, Verwaltung, Gremienarbeit und Team-Meetings. Zeit für die eigene Forschung komme dabei oft zu kurz. Die Durchführung der Projekte gibt sie an wissenschaftliche Mitarbeiter*innen weiter, obwohl sie das rein inhaltliche Arbeiten auch vermisse.

    Nach dem Schulabschluss studierte Schuppener Pädagogik mit dem Schwerpunkt Heil- und Sonderpädagogik sowie Psychologie in Gießen. Währenddessen arbeitete sie in einer Werkstatt für Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung, sammelte aber auch Arbeitserfahrungen in einer psychotherapeutischen Tagesklinik. Eine Schnittstelle zwischen Schule und therapeutischem Arbeiten fand sie dann bei der Einzelbetreuung von Jugendlichen, die zu stark selbstverletzendem Verhalten neigen. Schnell begegnete sie den institutionellen und konzeptionellen Grenzen, denen die Menschen in Schule, Werkstatt oder Wohnheim tagtäglich ausgesetzt sind. Die strukturelle Unsichtbarmachung berühre und fordere sie heraus und konfrontiere sie auch mit Ohnmacht.

    Ihre wissenschaftliche Karriere war zunächst nicht geplant und ergab sich zufällig über ein Stellenangebot als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Eigentlich hatte sie vorgehabt, an einer Schule zu arbeiten, aber Lehre, Forschung, Transfer und der Austausch mit Studierenden habe sie stets sehr erfüllt. Dabei habe partizipative Forschung, also die aktive Zusammenarbeit mit Betroffenen, einen hohen Stellenwert für Schuppener. Sie betrachte es als wichtig, sich für Menschen einzusetzen, die von bestehenden Strukturen an den Rand unserer Gesellschaft gedrängt werden. Gleichzeitig sei partizipative Forschung und gemeinsames Lehren sehr herausfordernd und berge viele Risiken der Bevormundung. Es erfordere sehr viel Sensibilität und Selbstkritik, um die entsprechenden Machtverhältnisse nicht zu reproduzieren.

    Schuppener wünscht sich gesamtgesellschaftlich mehr Diskriminierungssensibilität, mehr Begegnung und Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderungserfahrungen sowie Möglichkeiten für ein gemeinsames Arbeits- und Alltagsleben, wie es in inklusiven Schulen gelebt werde. Nur so könne eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem entsprechenden Personenkreis entstehen. Dabei betont sie, dass „jedes Leben durch Vulnerabilität, durch Zuwendung, Solidarität und Unterstützung getragen ist und nicht nur das von Menschen, die als behindert gelten“.

     

    Titelbild: Antje Kröger

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