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  • Wissenschaft ist nicht nur für Neards

    Zehn Minuten pro Kandidat*in, fünf wissenschaftlich komplexe Themen und ein Publikum das entscheidet.

    Der zweite Leipziger Science Slam verspricht neben Poesie mit seiner Alliteration einen ofenfrischen Einblick in neue wissenschaftliche Erkenntnisse und nimmt das Publikum mit in Labore, Forschungseinrichtungen und Badezimmer. Eben genau die Orte, an denen Menschen der Realität einen Funken mehr Wahrheit abringen. Forschung, die in Verruf steht, von verschrobenen Wissenschaftlern in den dunkelsten Ecken der Unifakultäten ausgetüftelt zu werden, schafft es nun endlich auf die große Bühne. Am sechsten Mai, im Herzen Connewitz, im Werk 2.

    Moderiert von Rainer Holl wurden die Zuschauer*innen durch die Universen der Kommunikation, Sportwissenschaft, Informatik, Chemie und Psychologie geführt.

    Den Anfang wagte dabei Laura Wällnitz, eine studierte Psychologin und Sprachwissenschaftlerin. Mit einem selbstsicheren Präsentationsstil als Aushängeschild für den Erfolg ihrer Methode sprach sie über Strategien für einen souveränen Bühnenauftritt. Wobei es zuerst darum ginge, die Angst radikal zu akzeptieren – schließlich ständen wir nicht mehr dem hungrigen Säbelzahntiger aus der Steinzeit gegenüber, der eine reale Gefahr darstellte, sondern einem harmlosen Publikum. Kein Anlass also, sich zu fürchten; eventuell nur vor kritischen luhze-Schreiberinnen, die sich nach Fließdiagrammen wie „Stell dir vor, du bist selbstbewusst -> sei selbstbewusst“ und einem werbenden Einschub für Wällnitzes Coaching, bei der Frage ertappen, ob das ganze Satire ist. Also noch Luft nach oben.

    „Beats, Buzz, Blumen und Bonus-Booster im Sportunterricht“ ist der Titel des zweiten Slams. Dahinter verbirgt sich kein gerappter Vortrag einer Sportpsychologin, sondern vielmehr eine Stellungnahme zum aktuellen Stand der Bildungsfinanzen, der Marginalisierung der Sportlehrer*innen und der Wahrnehmung des Sportunterrichts durch die Schüler*innen. Franziska Lautenbach betont die Wichtigkeit, Schüler*innen Freude am Sport zu vermitteln, um damit die Grundlage für eine allgemein gesündere Lebensweise zu schaffen. Dabei sieht sie einen Wirkfaktor in der Niedrigschätzung der Lehrkräfte, eine Rolle, mit der sie sich auch selbst identifizieren kann. Trotz Eintrittspreis von 18 Euro bekäme sie keinen Cent, weswegen sie sich mit diesem Auftritt aus der Welt der Slammer*innen verabschiede.

    Spaß im Sportunterricht für alle, Angst radikal akzeptieren – zum Glück gibt es bei all diesen Entwicklungen auch immer noch Konstanten, auf die wir uns zurückbesinnen können. Das Klischee des nerdigen Informatik-Studenten zum Beispiel. In diese Rolle hüllt sich der dritte Slammer des Abends, Alec Matysiok. Während seine beiden Vorgängerinnen die Welt oder uns verbessern wollten, schildert er seine Eskapaden auf dem Weg, seine elektronische Zahnbürste zu hacken. Nischig, aber sein authentischer Charme springt über, und als er in Echtzeit seine Zahnbürste zum Aufleuchten bringt, lässt sich der Applaus als wahre Anteilnahme deuten.

    Ähnlich begeistern konnte Allissa Wieberneit mit ihrem Projekt, die bisher aufwendige PCR-Technik auch bei Schnelltests einsetzen zu können. Im Kittel inklusive Schutzbrille findet man sie nicht nur im Fraunhofer-Institut in Regensburg, sondern zwischenzeitlich auch auf der Bühne in Connewitz. In schnellem Wechsel mit ihrem Alter Ego Diagnostica Girl, Teil der fibre fighters, kämpft sie gegen Langweile und für neue Techniken in der Materialwissenschaft.

    Akt 5: Kathrin Rothmaler, Entwicklungspsychologin. Hier werden die Probleme mit Freundlichkeit besiegt. Aber ist Hilfsbereitschaft vielleicht genetisch vorprogrammiert oder sind allein schlechte elterliche Erziehungsmaßnahmen die Ursache für alles egoistische Handeln auf der Welt? Eine Frage, die sich auch die dreifache Mutter stellt. In ihrer Forschung untersucht sie den Zusammenhang von Herzfrequenz und Schuldgefühlen und kann eine positive Korrelation erkennen. So stellt sich die Gewinnerin des Abends die Frage, ob diese Erkenntnisse auch im großen Maßstab genutzt werden können, um die Welt von Krieg und Krisen zu befreien und zu einem besseren Ort zu machen?

    Wissenschaftliche Erkenntnisse ohne umständlichen Fachjargon, Poetry Slam ohne inhaltslose Themen: Das Konzept des Science Slams verspricht das Beste zu vereinen. Während diese Symbiose sich gegenseitig beflügeln könnte, fällt im Werk 2 eher eine gewisse Inkompatibilität ins Auge. Die übliche studentische Beobachtung, dass selbst die Besten in ihrem Gebiet ihr Wissen nicht zwangsläufig gut vermitteln können, wird erneut bestätigt. Und so bewegt sich die Veranstaltung im Mittelfeld zwischen Informationen und Lachern. Schlussendlich hält der Science Slam, was er verspricht: Wir verlassen den Saal mit mehr Wissen als zuvor. Aber leider ohne die erwarteten alltagstauglichen Anekdoten.

    Titelbild: Greta Lentz

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