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  • Generation Spaßgetränk

    Wassermelone, Drachenfrucht, Kirsch-Limette: Wir trinken längst nicht mehr nur gegen den Durst.

    Wir haben ein Problem. Es kommt in bunten Dosen und Halbliterflaschen.

    Im Supermarkt stehen mittlerweile zwei lange Regalreihen voller Flüssigkeit gewordener Lebensfreude. Neonpink, giftgrün, babyblau. Es blubbert, prickelt, zischt und verspricht meistens irgendetwas mit Beeren, Tropen oder Energie. Jede Woche ist ein anderer Energy-Drink im Angebot. Red Bull, Monster, Rockstar. Die heilige Dreifaltigkeit des Farbstoff-Gesöffs.

    Und wenn gerade kein Energy-Drink im Angebot ist, muss man sich eben anderweitig beschäftigen. Spezi kommt im neuen Design. Fanta gibt es jetzt mit Traubengeschmack. Jeden Tag scheint im Regal ein neues, spaßig buntes Getränk darauf zu warten, ausprobiert zu werden.

    Und man gönnt sich ja sonst nichts.

    Wir haben aus dem kleinen Luxus für zwischendurch eine ganze Konsumkategorie gemacht. Ein Getränk für den Weg zur Uni. Eins fürs Lernen. Eins für nach der Arbeit. Eins, weil heute Montag ist. Oder Mittwoch. Oder einfach, weil die Dose so schön aussieht. Bis man am Monatsende feststellt, dass aus den vielen kleinen „Gönnungen“ stattliche 100 Euro geworden sind. Und der Magen vom Süßstoff grummelt.

    Kolumnistin Greta gönnt sich lieber ein Spaßgetränk als schlechte Laune.

    Warum reicht das gute alte Wasser nicht mehr? Warum muss es prickeln, nach Mango-Maracuja schmecken und aussehen, als hätte jemand einen Center-Shok aufgelöst? Vielleicht hat es mit dem sinkenden Alkoholkonsum zu tun. In Afghanistan, wo Alkohol verboten ist, soll Energy-Drink-Konsum besonders verbreitet sein – meine Quelle ist allerdings eine ARD-Doku mit dem Titel „Ferien bei den Taliban“. Ganz so einfach ist die Gleichung „weniger Alkohol, mehr Energy“ vermutlich ohnehin nicht. Aber vielleicht zeigt sie trotzdem etwas: Wir scheinen ungern auf stimulierende Getränke zu verzichten. Wenn das eine verschwindet, findet sich eben etwas anderes. Vielleicht sind wir also gar nicht nüchterner geworden. Wir haben nur die Flaschen ausgetauscht.

    Vielleicht ist aber auch Social Media schuld. TikTok hat uns beigebracht, dass selbst das Frühstück Content sein kann und ein Getränk erst dann richtig schmeckt, wenn es eine Limited Edition ist. Wir verlangen nach Neuem, nach Krasserem, nach „Das muss ich probieren“. Ein gewöhnliches Wasser hat dagegen ungefähr die Erlebnisqualität einer Segway-Tour. Und dann wäre da noch die Weltlage. Krieg, Klimakrise, Inflation, Wohnungsnot. Bei diesen Zukunftsaussichten darf man sich schon mal für zwei Euro eine Dose mit Kirsch-Limetten-Geschmack kaufen. Sie löst kein einziges Problem. Aber sie bringt Freude.

    Wer kann, geht zur Massage, fährt an die Ostsee oder verbringt einen Tag in der Sachsen-Therme. Wer dafür weder Zeit noch Geld hat, kauft sich ein Spaßgetränk. Gesund ist das natürlich nicht unbedingt. Nachhaltig schon gar nicht. Hinter den meisten dieser Getränke stehen große Konzerne, die uns ihre Dosen als kleine Abenteuer verkaufen. Zu viel Koffein ist keine gute Idee, Zucker auch nicht. Und Süßstoff ist offenbar ebenfalls nicht die Antwort auf alle Fragen der Menschheit. Wir wissen das alles längst. Und trotzdem entwickelt die Dose im Kühlregal, so von Angesicht zu Angesicht, plötzlich eine erstaunliche Anziehungskraft.

    Und so stehen wir beinahe täglich vor dem Regal und überlegen, ob uns heute eher nach Wassermelone oder Drachenfrucht ist. Und reden uns ein, mit dieser kleinen Investition könnten wir uns die Welt ein kleines bisschen schöner machen. Ein bisschen pinker. Ein bisschen spritziger. Ein bisschen weniger langweilig. Klar ist das Quatsch – aber seien wir ehrlich: Wenn der einzige Lichtblick des Tages eine eisgekühlte Dose mit völlig übertriebener Geschmacksrichtung ist, dann kann man uns das auch nicht ganz verübeln.

    Besser als der Griff zur Bierflasche ist es allemal.

     

    Titelbild: Greta Eising

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