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  • Mehr als eine verlorene Zweigstelle

    FSR beklagt Schließung der Archäologie-Bibliothek – trotzdem ziehen die Bücher im August um.

    Schwere Bildbände, nach Epochen sortiert. Lange Tische, die viel Platz bieten. Bekannte Gesichter, die man später im Seminar trifft. Die Zweigstelle der Uni-Bibliothek für Klassische Archäologie und Ur- und Frühgeschichte bietet seit vielen Jahren ein ruhiges Lernumfeld in der Ritterstraße 14. Nun soll sie geschlossen werden. Im August werden die Bestände in die Bibliotheca Albertina umziehen, wie Anne Lipp, Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL), bestätigt.

    Eine Entscheidung von Universitätsrektorat und UBL-Leitung, die bei Elisabeth, Amanda und Robin vom Fachschaftsrat (FSR) für Archäologie auf große Kritik stößt. „Wir haben hier alles zusammen: Bibliothek, Seminarräume, FSR-Büro“, sagt Amanda. „Ohne Bibliothek ist es ein anderes Gebäude.“ Doch den Studierenden geht es um mehr als Nostalgie. Auf mehreren Ebenen fürchten sie den Verlust der Qualität ihres Studiums. Sie vermuten, das nicht einmal klar ist, was mit den Räumen der Zweigstelle passiert.

    Carsten Heckmann, Pressesprecher der Universität Leipzig, antwortet auf Anfrage: „Die Räume werden zunächst dabei helfen, Engpässe anderer universitärer Nutzer*innen zu überwinden, unter anderem während Sanierungsmaßnahmen an anderen Standorten in der Ritterstraße. Wie die spätere dauerhafte Nutzung durch die Fakultät aussehen wird, lässt sich noch nicht sagen.“

    Teil der Zentralisierung

    Betritt man die Bibliothek, trifft man oft auf Studierende, die die Schließfächer beaufsichtigen und als Ansprechpartner*innen zur Stelle stehen. Ein Teil der Öffnungszeiten dieser Bibliothek ermöglichen diese so durch ehrenamtliches Engagement, wie Lipp bestätigt. Das Engagement der Studierenden beeindrucke sie, dennoch könne dies keine dauerhafte Lösung sein: „Wir können zukünftige Generationen nicht damit belasten, die Öffnungszeiten ermöglichen zu müssen.“

    Laut Lipp ist der Umzug der Zweigstelle Teil eines Zentralisierungsprozesses der UBL, der in den 2010er Jahren mit dem Bau der Standorte Medizin/Naturwissenschaften und Sport- und Erziehungswissenschaft begann. „Das ist eine ökonomische Frage und eine Frage, welchen Service wir anbieten können“, so die UBL-Direktorin. „Längere Öffnungszeiten, ein breiterer Zugang zur Literatur, Ausleihe und Rückgabe sowie der Bibliotheksservice können so kosteneffizient ermöglicht werden.“ Die Konsolidierung infolge des Finanzierungsdefizits im sächsischen Haushalt mache diese Kosteneffizienz umso relevanter.

    Stille statt Schritte

    Dennoch wünschen sich die Studierenden, dass ihr Verlust anerkannt wird. Angesichts des allgemein beklagten Platzmangels in der Albertina sticht der Verlust der 51 Sitzplätze in der Zweigstelle hervor. „Mit durchschnittlich 60 Menschen, die hier arbeiten, werden wir keinen Platz mehr finden“, fürchtet Elisabeth. „Leute, die Seminare haben, arbeiten oder Kinder haben, können nicht morgens um acht in die Albi rennen und einen Platz ergattern.“ Die Bibliotheksleitung möchte dem Platzmangel in den Prüfungsphasen mit Ausweichkooperationen begegnen – etwa soll es zukünftig temporär Sitzmöglichkeiten in der Galerie für zeitgenössische Kunst und anderen Bibliotheken geben.

    Der FSR weist außerdem darauf hin, dass viele Studierende des Instituts mit AD(H)S oder Autismus die Zweigstelle zum Lernen bevorzugen. „Die Räume hier sind für Personen mit Konzentrationsschwierigkeiten viel inklusiver. In der Albi ist ständig Gewusel, weil sie so voll ist“, begründet Robin.

    „Teile der Lesesäle der Albertina sind sehr unruhig“, räumt Lipp ein. Sie empfiehlt, in den Zwischenetagen, dem historischen Lesesaal und den Rundgängen um den historischen Lesesaal nach ruhigeren Plätzen zu suchen. Durch eine Kommunikationszone habe man in der Bibliothek Medizin/Naturwissenschaften versucht, die Unruhe aus den anderen Räumen herauszuholen. „Man muss hier unterschiedliche Bedürfnisse beachten“, ergänzt Lipp. „Manche mögen die Möglichkeit des leisen Austausches, andere benötigen totale Stille.“

    Friederike Scholz vom Verein AD(H)S und Autismus im Landkreis Sachsen schätzt es so ein: „Inklusive Lernplätze sind – wie neurodivergente Menschen – vielfältig. Es gibt Personen, die brauchen ein „Hintergrundrauschen“ beim Lernen. Andere bevorzugen Stühle, die wackeln oder ein Laufband. In bestimmten Phasen sind Reize jedoch kontraproduktiv. Da braucht es Lernorte, die sehr ruhig, mit wenigen Störungen und vielleicht sogar gegen eine Wand gerichtet sind.“

    Einmal quer durch die Stadt

    Ein drittes zentrales Problem ist für Studierende anderer Fakultäten nicht so einfach nachzuvollziehen. Im Archäologie-Studium arbeitet man viel mit schweren und großen Bildbänden, oft braucht man mehrere am Platz für einen Vergleich. „Wir leihen selten Bücher aus, sondern sind darauf angewiesen, am Platz damit arbeiten zu können“, erklärt Elisabeth vom FSR. In der Albertina seien die Tische oft nicht groß genug und der Zugang zu Büchern sowie die Sitzplätze nicht günstig zentriert.

    „Viele Dozierende profitieren von der örtlichen Nähe und leihen sich schnell Bücher für Seminare aus“, erzählt Robin. „Nach dem Umzug muss man einmal quer durch die Stadt, um sich ein Buch auszuleihen“, so Elisabeth. „Für Bestimmungsseminare ist das nicht tragbar.“

    Die Bücher wandern im August vom Institut in der Ritterstraße ins Offene Magazin im Musikviertel. Um den Zugang übersichtlicher zu gestalten, will die UBL mit der Logik der Sortierung im Offenen Magazin brechen und den Büchern einen eigenen Bereich mit systematischer Sortierung einrichten. Mittelfristig ist ein eigener Freihandbereich für die Bestände geplant, so Lipp.

    Doch zuerst wird es vorrübergehend gar keinen Zugang zu den Büchern geben. „Daran gibt es nichts schön zu reden“, sagt Lipp. „Mit dem Umzug geht einher, dass die Bücher für maximal zwei Wochen nicht verfügbar sind.“ Danach seien sie zunächst auf Bestellung im Katalog verfügbar und werden für die Ausleihe am Regal vorbereitet. Nach drei Monaten werden sie in die Regale des offenen Magazins eingepflegt und dort ausleihbar sein. 8.000 der 28.000 Werke sind schon als Dupletten, also doppeltes Exemplar, in der Albertina vorhanden.

    Eine Frage der Initiative

    Das größte Problem sieht der FSR aber in der Kommunikation mit UBL und Rektorat: „Es wird nicht klar kommuniziert und über unsere Köpfe hinweg entschieden“, findet Elisabeth. Aller Austausch sei auf Initiative des FSRs hin entstanden, weil Gerüchte über eine mögliche Schließung laut wurden.
    So sei im Januar durch Anfrage des FSRs ein Gespräch zustande gekommen, was auch die UBL bestätigt. Das zweite Gespräch im März ist laut dem FSR auch von Studierenden initiiert worden, laut UBL-Direktorin Lipp kam die Initative beidseitig. Die Kommunikation über die endgültige Entscheidung erfolgte am 30. März über die Website und den Instagram-Kanal der UBL. Zusätzlich informierte die Bibliotheksleitung den FSR mit einer E-Mail. „Unsere Dozierenden wurden gar nicht vorher informiert“, kritisiert Amanda.

    „Da ist etwas in der Kommunikation schiefgelaufen“, räumt Lipp ein. Den Vorwurf der Intransparenz kann sie dennoch nicht bestätigen: „Wir sind auf den Gesprächsbedarf der Studierenden eingegangen und wären sonst zu einem späteren Zeitpunkt mit einer stabileren Entscheidungsgrundlage auf sie zugekommen.“ Außerdem habe man dem FSR nach dem Entschluss ein Gespräch angeboten. Auf Kritik an praktischen Fragen wie dem Zeitpunkt des Umzugs habe man reagiert und zum Beispiel den Termin für den Umzug von Ende Juni auf Anfang September verschoben. Weiterhin sei man für konstruktive Anregungen offen.

    Titelbild: ac

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