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    Können wir bald wieder in Leipzigs Kanälen baden?

    Zwischen Fahrrädern, Betonbrücken und vorbeifahrenden Paddelbooten wirkt die Vorstellung erstmal absurd: Baden mitten in Leipzigs mittlerweile verschmutzten Kanälen. Dabei war genau das früher Alltag. „In meiner Jugend waren wir immer in Leipzigs Kanälen baden“, erzählt der gebürtige Leipziger Frank. Er kann sich noch gut an die 80er-Jahre erinnern, als das urbane Baden zumindest bei den Jugendlichen üblich war. Beliebt war besonders der Elster-Saale-Kanal. „Wir sind dann alle rauf auf das Fahrrad und los gings. Hinter Böhlitz-Ehrenberg haben wir dann irgendwann angehalten und sind ins Wasser gesprungen“, schwärmt er. Auch mangels Badealternativen im Sommer: Es gab zwar Freibäder, allerdings fehlte da das natürliche Freiheitsgefühl. Die bekannten Leipziger Seen wie Cospudener oder Zwenkauer See entstanden erst um das Jahr 2000 durch Flutung ehemaliger Tagebaubetriebe.

    Schon im 18. Jahrhundert war das Baden in Leipzigs Flüssen beliebt. Um das Ganze geordnet und sicher ablaufen zu lassen, erließ die Stadt 1784 eine Badeordnung. Darin wurden ausgewiesene Badestellen an bestimmten Punkten der Stadt festgelegt, wie beispielsweise am Elstermühlgraben am Rosental oder das Flussbad an der Pleiße in Connewitz. Im Laufe der Zeit kamen immer neue Plätze dazu, die mehr Komfort boten: Es gab Sprungtürme, überdachte Umkleidemöglichkeiten und schwimmende Balken, die den Bereich zum Schiffsverkehr abgrenzten. Doch mit der zunehmenden Industrialisierung und der damit verbundenen Verschmutzung der Gewässer verschwanden die Leipziger Flussbäder bis 1930 – zumindest offiziell.

    Das Connewitzer Flussbad

    Hört man sich heute auf dem Unicampus um, ist das Stimmungsbild gemischt. Einige finden die Idee vom urbanen Baden – aus der Vorlesung raus und direkt ins Wasser springen – super. Doch einigen Studierenden fehlt da die Sinnhaftigkeit. „Wir haben doch eine Vielzahl von Seen, die schnell erreicht werden können“, meint Jurastudent Simon. „Wenn ich wirklich baden will, gibt es genug Möglichkeiten.“ Seine Favoriten seien eh die alten Steinbrüche im Leipziger Umland.

    „Die Wasserqualität in Leipzigs Kanälen wird insgesamt als belastet und hygienisch nicht dauerhaft stabil eingeschätzt“, erklärt Julia Zimmerhäkel, Fachleiterin des Umweltinformationszentrums der Stadt Leipzig. Doch nicht nur die Wasserqualität steht der Vorstellung des urbanen Badens im Weg. Für künstliche Gewässer wie dem Lindenauer Hafen, dem Karl-Heine-Kanal oder auch dem Cospudener See gilt kein Gemeingebrauch, das Baden ist dort grundsätzlich nicht gestattet. Bei den Bergbaufolgeseen wurde es jedoch per Allgemeinverfügung zugelassen. In natürlichen Gewässern wäre es rechtlich möglich. Allerdings werde „dringend davon abgeraten.“

    Begründet wird dies einerseits mit dem erheblichen Betrieb auf dem Wasser wie dem Bootsverkehr. Andererseits spielen nicht zu unterschätzende Strömungen und Untiefen sowie Gegenstände im Wasser eine Rolle. Nicht zuletzt gibt es noch Rückstände der industriellen Vergangenheit im Sediment. In Bezug darauf gibt es regelmäßige Messungen durch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. „Allerdings steht dabei nicht die Gesundheit des Menschen, sondern die des Gewässers im Vordergrund“, erklärt Zimmerhäkel. Die erfassten Werte können online eingesehen werden. Nur an ausgewiesenen Badestellen wie am Cospudener See finden Überprüfungen zur Badequalität statt.

    Um zur wichtigen Frage für diesen Sommer zurückzukommen: Können wir bald wieder in Leipzigs Kanälen baden?„In absehbarer Zeit nicht“, bestätigt das Amt für Umweltschutz. „Es wird jedoch dauerhaft an der Verbesserung der Wasserbeschaffenheit gearbeitet“, so Zimmerhäkel weiter. Eine bessere Wasserqualität sei Voraussetzung, um überhaupt über die rechtlichen Folgeschritte nachzudenken, bestimme Gewässer freizugeben. Bis das der Fall ist, wird zum Baden weiterhin auf die offiziellen Seen, Schwimmhallen oder Freibäder verwiesen. Somit bleibt das urbane Baden vor allem eine nostalgische Erinnerung. Oder eine spontane Mutprobe an besonders heißen Sommertagen.

    Titelbild, rechts: hu

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