Ein kontroverser Gast
Till Lindemann plant ein Festival auf dem Open-Air-Gelände am Leipziger Völkerschlachtdenkmal.
Ein Denkmal, welches an die einst größte Schlacht der Menschheit, deren Gefallenen und den Sieg gegen Napoleon erinnert, soll anlässlich des „Till Fests“ vom 3. bis 4. Juli die Bühne für Namensgeber Till Lindemann werden. Gegen den Frontsänger der Band Rammstein wurden 2023 schwere Vorwürfe sexualisierter Gewalt von mehreren Frauen geäußert. Sie hatten von einem mutmaßlichen „Casting System“ berichtet, bei dem weibliche Fans auf Konzerten gezielt ausgewählt worden seien, um in der sogenannten Row Zero (Reihe Null) oder bei Aftershow-Partys mit dem Sänger zusammenzukommen. Sie berichteten, dass sie dabei unter Alkoholeinfluss sexuell bedrängt oder ihnen K.O.-Tropfen verabreicht worden seien. Daraufhin ermittelte die Staatsanwaltschaft Berlin, musste aber wegen mangelnder Beweise die Ermittlungen noch im selben Jahr einstellen.
„Hohe Nachfrage“ bei Eventim
Drei Jahre später scheint sein Image poliert und einem Solo-Festival nichts mehr im Weg zu stehen. Die Geschichten der Frauen wurden von Vielen kollektiv verdrängt.
Auf der Eventwebseite Eventim wird das zweitägige Festival mit der Exklusivität des „einzigen“ Konzerts Till Lindemanns 2026, sogar mit „Sehr beliebt“ und „Hohe Nachfrage für dieses Event!“, beworben. Zwei Tage voll Till kosten hier 201,50 Euro und laufen unter dem Motto „One Festival. Two Shows. Two Worlds“.
Noch keine Genehmigung der Stadt
Auf Anfrage, warum ihm trotz der schweren Vorwürfe das Festival genehmigt wurde, teilt die Stadt Leipzig Ende Mai mit, dass diese bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Genehmigung erteilt hat. Jedoch wurde die Fläche am Völkerschlachtdenkmal terminlich reserviert, woraufhin sich die Veranstalter bei der Stadt auf das Konzert bewarben.
Wie die Stadt darauf jetzt reagiert und welche Verantwortung sie sich zuschreibt, bleibt unklar. Stattdessen wird betont, dass ausführende Instanzen neutral agieren würden. Aber was genau „neutral“ in diesem Kontext bedeutet, wird ebenfalls offengelassen.
Kritik von Stiftung Völkerschlachtdenkmal
Eine Instanz, die sich klar vom Auftritt des Sängers distanziert, ist die Völkerschlachtdenkmal-Stiftung. Unter einem Instagram Info-Post der LVZ, welcher das Festival ankündigt, schreibt die Stiftung folgendes: „Zu der für Juli 2026 vor dem #Völkerschlachtdenkmal angekündigten Konzertveranstaltung von Lindemann stellen wir als Stiftung Völkerschlachtdenkmal in aller Form fest: Diese Darbietung wurde ohne jede organisatorische oder finanzielle Beteiligung der Stiftung angesetzt und sie wird von uns weder unterstützt noch verantwortet. Eingedenk des hunderttausendfachen Leides der Völkerschlacht von Leipzig sowie der massiven Instrumentalisierung des Denkmals in den Kriegen und Diktaturen des 20. Jahrhunderts distanzieren wir uns zudem entschieden von jeder Form der Gewaltverherrlichung, Diskriminierung und Frauenfeindlichkeit.“
Wie das Rolling Stone schreibt, gab es im Oktober 2025 anlässlich eines Rammstein-Konzerts in der Quarterback Immobilien Arena Proteste. Auch beim Leipziger Opernball 2025, bei dem Till Lindemann als Ehrengast geladen war, versammelten sich zivilgesellschaftliche Akteure, um „moralische Verantwortung und Sensibilität“ einzufordern. Die vergangenen Reaktionen zeigen, dass Till Lindemann kein gern gesehener Gast in Leipzig ist – es bleibt offen, wie das „Till Fest“ im Juli verlaufen wird und ob es Gegenwind in Form von Protesten geben wird.
Titelbild: Pixabay
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