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  • Auftakt für Kinder- und Jugendrechte

    Die Leipziger Kinder- und Jugendrechtecharta soll zunehmend umgesetzt werden: Unter anderem Netzwerkveranstaltungen und eine Rallye durch den Zoo stehen auf dem Programm.

    Im Mai 2026 wird die Leipziger Kinder- und Jugendcharta ein Jahr alt, nachdem der Stadtrat die finale Festschreibung einer Reihe von Kinder- und Jugendrechten im letzten Jahr beschlossen hat. Das Anliegen ist, sowohl Erwachsene als auch Minderjährige für Kinderrechte zu sensibilisieren. Inhaltlich regelt die Charta fünf Kinder- und Jugendrechte: das Recht auf Chancengleichheit, Bildung, gutes Aufwachsen, Teilhabe sowie auf Mitsprache und Mitwirkung. 

    Bereits im Jahr 2020 hat die Leipziger Linksfraktion das Thema auf die Agenda gesetzt. „Zwar gilt die UN-Kinderrechtscharta in Deutschland, aber dies bleibt ein Papiertiger, wenn die Rechte nicht konkret ausgeregelt und auch auf allen Ebenen verbindlich berücksichtigt werden“, erklärt Juliane Nagel. Darum kämpfe die Linke für die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz und die verbindliche Umsetzung auf kommunaler Ebene. Dazu gehöre, dass die Betroffenen selbst über ihre Rechte informiert sind, so Nagel. 

    „Seit dem Beschluss im zweiten Quartal 2025 wird das Papier als zusätzliche Grundlage für das Handeln im Sinne der Kinderrechte in Facharbeitskreisen, auf Netzwerkveranstaltungen und innerhalb der Stadtverwaltung kommuniziert“, erklärt Cordula Rosch, Referentin aus dem Dezernat Jugend, Schule und Demokratie der Stadt. Gleichzeitig sei begonnen worden, die Kinder- und Jugendcharta der Stadt Leipzig an Schulen sowie in Freizeit- und Familientreffs zu verbreiten. 

    Im Jahr 2026 liege der Schwerpunkt des Handelns der Stadtverwaltung auf dem Prozess „Platz der Kinderrechte“, führt Rosch weiter aus. „Hierbei sind verschiedene Beteiligungsformate für unterschiedliche Altersgruppen geplant. Für Kinder und Jugendliche ist beispielsweise ein Aktionstag im Leipziger Zoo am Internationalen Kindertag geplant.“ Diese seien dann bei kostenfreiem Eintritt eingeladen, die Kinderrechte auf einer Rallye kennenzulernen und Erwartungen an einen Platz der Kinderrechte zu formulieren. 

    Was nun vorliegt, sei lediglich ein Auftakt, meint Nagel, Sprecherin für Kinder und Jugend der Linken: „Die Charta muss mit Leben erfüllt werden – durch die Ansprache von gesellschaftlichen Akteuren, von Unternehmen, öffentlichen Institutionen, die sich aktiv und praktisch für die Erfüllung der Kindergrundrechte in Leipzig einsetzen.“ Zudem gebe es in der Förderrichtlinie Demokratie einen Schwerpunkt auf dieses Thema. Dass in diesem Jahr bereits erste Projekte auf dieser Grundlage unterstützt werden, bestätigt Rosch aus der Stadtverwaltung. 

    Alsbald wolle die Linksfraktion einen Antrag zur Verbesserung des Kinderschutzes in der Stadt verhandeln: „Wir wollen erreichen, dass das Wohl von Kindern und Jugendlichen und der Schutz unter anderem vor sexualisierter Gewalt in allen Verwaltungsprozessen absolute Priorität hat. Außerdem sehen wir das Problem des Wohnraummangels für junge Menschen immer dringlicher werden.“ 

    Der Spielraum bleibt begrenzt: „Die Stadt Leipzig allein wird das Problem der Kinderarmut in absehbarer Zeit nicht vollständig lösen können, da viele Entscheidungen auf Bundes- und Landesebene getroffen werden, die als Ursachen angesehen werden“, meint Rosch. Dennoch könne Leipzig viel dazu beitragen, die Situation zu verbessern und Kinderarmut deutlich zu reduzieren. Besonders wichtig sei dabei der Ansatz, „Ungleiches ungleich zu behandeln“, also gezielt mehr Ressourcen in belastete Stadtteile zu geben. Diesem Ansatz stimmt auch Nagel zu. Sowohl sie als auch Rosch nennen beispielhaft die Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Kindertageseinrichtungen mit besonderen sozialen Belastungen.

    Titelbild: ac

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