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  • Das Leipziger Bibliotop – eine Insel der Bücher im Leipziger Zentrum

    Siegfried Lokatis hat mit dem Bibliotop eine große Büchersammlung geschaffen. Auch eine Umstrukturierung der Buchwissenschaft hat der Ort überdauert.

    In der Goethestraße 3 bis 5, im ehemaligen Tresorraum einer Bank, lässt sich das Bibliotop finden. Unzählige Bücher säumen die Regale dieses Ortes. Hier haben Erinnerungsstücke vieler Autoren, historische Börsenblätter des deutschen Buchhandels sowie eine Reihe von Statuen ihren Platz gefunden. Das Wort „Bibliotop“ bedeutet in etwa „Ort des Buches“ und steht für die Besonderheit des Ortes, denn er ist eine Mischung aus Archiv, Bibliothek und Museum. Geleitet wird das Bibliotop von Siegfried Lokatis, welcher von 2006 bis 2022 Professor für Buchwissenschaft an der Universität Leipzig war.

    Die Reclam-Sammlung. Foto: Gabriel Corredor

    Als im Jahr 2007 die im Osten angesiedelten Verlage, wie der Reclam Verlag, nach und nach schlossen, war Siegfried Lokatis klar, dass er sich zumindest darum kümmern muss, die Archive jener Verlage zurückzuholen und ihnen einen Platz zu geben. So erklärt er sein Projekt. Deshalb fanden unter anderem Teiles des Brockhaus-Archivs sowie das Reclam-Archiv ihren Platz in Leipzig. Es existierten jedoch nicht die Kapazitäten für solche Sammlungen, deshalb sorgte Professor Lokatis mit dem Bibliotop für einen Raum, in dem die Bücher untergebracht werden konnten. Seitdem ist die Sammlung stetig gewachsen und beherbergt immer mehr Schätze, darunter die gesamte Insel-Bücherei, das kleinste Buch der Welt oder auch besondere Ausgaben des Brockhaus, in deren Cover Relikte berühmter Persönlichkeiten, vom Schläger Boris Beckers, einem Hemd Reinhold Messmers oder dem Sessel Winston Churchills, eingearbeitet sind. Aber auch ungewöhnliche Funde wie der Langenscheidt-Toaster oder Inselbücher, die im Rahmen eines Projekts mit Studenten, auf verschiedenste Weise zerstört wurden, haben hier ihren Platz gefunden.

    Doch seit 2022 feststand, dass es die Institution der Buchwissenschaft an der Universität Leipzig in ihrer bisherigen Form nicht mehr geben sollte, obwohl Leipzig einmal als Buchstadt galt, war eine Zeit lang unklar, wie es mit dem Bibliotop weitergehen sollte. Denn Siegfried Lokatis ging 2022 in den Ruhestand. Dennoch entschied er sich, das Bibliotop weiterzuführen und setzt sich bis heute dafür ein, dass es erhalten wird. Und das mit Erfolg. Inzwischen wurde das Bibliotop dem neuen „Zentrum für Immaterielles und Materielles Kulturgut“ der Uni angegliedert. Dort soll das Bibliotop in seiner Kernform zusammen mit beispielsweise archäologischen Sammlungen und dem ägyptischen Museum einen strukturellen Platz finden. In Zukunft soll das Bibliotop für die Forschung von Studierenden geöffnet werden. Wann genau das passieren soll, ist noch unklar. Doch dann jeder Student die Möglichkeit, diesen Ort und die Bücher darin nutzen, um eigene Forschung zu betreiben.

     

    Titelbild: Gabriel Corredor

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