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    Pop und Literatur mit einer Portion Gedränge: Das spannende Programm der LitPop zog am Freitag so viel Publikum an, dass es während der Veranstaltung auch mal eng werden konnte.

    Das Personal surrt konzentriert durch die Kongresshalle am Zoo, die sich riesig anfühlt, bis sie sich schlagartig füllt. Obwohl das Veranstaltungsplakat den Eindruck erweckt, für eine gruselige KI-Messe zu werben, bei der die Gäste zu Robotern verwandelt werden, ist die Location voll. Der erste Weg vieler Literaturparty-Gäste führt sie an die Bar. Snacks und Getränke gibt es dort nach Theater-Façon. Wie auf den meisten Veranstaltungen sind alkoholfreie Spirituosen und Weine hier leider noch nicht auf die Karte vorgedrungen. 

    Tatsächlich handelt es sich bei der Veranstaltung um eine harmlose Kollaboration von MDR Sputnik, MDR Kultur, ARD Kultur, dem ZDF und 3sat passend zum Leipziger Buchmesse-Wochenende. Dabei soll ein kompaktes Bühnenprogramm mit 24 Autor*innen verschiedener Genres und verschiedene Musikacts ein umfassendes Erleben von Literatur und Popkultur ermöglichen. 

    Autorin Edith Löhle im Interview mit Moderatorin Cassandra Nwosu (v.l.)

    Etwa zehn Minuten verspätet beginnt das Programm der zwölften LitPop mit der Juristin, Social-Media-Ikone und nun Debutautorin Toxische Pommes. Sie springt aus dem Auto direkt auf die Bühne und gewinnt binnen Sekunden den gesamten Saal für sich. Die meisten hier im Publikum würde man kaum der „Generation Tiktok“ zuordnen, aber der Humor kommt an. Umso besser, dass diese Begegnung im Bachsaal der Kongresshalle stattfindet. 

    Kaleb Erdmann im Bachsaal

    Sitzkissen im Zuschauerraum, das Bühnenbild und wirklich gekonnte Moderation von Cassandra Nwosu erzeugen dort gemütliche Wohnzimmerstimmung. Weiter geht es mit Autor und Poetry-Slammer Kaleb Erdmann. Lebendig liest er aus seinem Roman und erntet Lacher wie Applaus. Ernsthaft wird es danach mit Sara Schurmann, Autorin von „Klartext Klima“. Die drohende Klimakrise wirft kurz einen Schatten über den Freitagabend. In der Anmoderation dieses Auftritts hatte Moderatorin Nwosu davon gesprochen, ins Handeln zu kommen. Man merkt dieser LitPop an: Sie will Avantgarde machen. 

    In drei Räumen finden Lesungen parallel statt. Darüber hinaus gibt es einen Pop-Up-Store, in dem die Bücher des Abends erworben werden können. Dort sind auch die Autor*innen zum Signieren zugegen. Der Weg von einem Raum in den nächsten macht den Irrfahrten des Odysseus ernste Konkurrenz. Es ist voll, und im Gang kommt es vor allem zwischen den Lesungen zu zähen Staus. Genau im Zentrum des Gewusels ist eigentlich eine Silent-Disco-Station aufgebaut, die leider beinahe komplett vom Menschenstrom geschluckt wird. Der Architekt hatte die LitPop so scheinbar nicht auf dem Plan und die erfolgversprechendste Strategie ist es, sich einen Platz zu suchen und diesem treu zu bleiben. 

    Mine und Band

    Nachdem der aus den sozialen Medien bekannte Autor Ole Liebl auf der Main Stage die Revolution in unseren engsten menschlichen Beziehungen zum Thema macht, treten Mine und ihre vierköpfige Band auf die Bühne. „Litpop ist ziemlich lit“, sagt sie und bringt deswegen Loop-Station, E-Harfe, einige Weltpremieren und neue Arrangements mit. Auf dem Klang der Streicher*innen, mit alten und neuen Texten trägt Mine innere Konflikte in den Großen Saal. Groß ist das emotionale Spektrum, das die Musiker*innen auf der Bühne durchturnen. Klein ist die Anzahl der Smartphones, die während des Konzerts das Sichtfeld stören. 

    Um Mitternacht endet die letzte Lesung im Telemann-Saal. Martina Caluori und Marcel Gschwend treten gemeinsam auf und präsentieren mit „Ich weine am liebsten im Klo“ lyrische Texte, die viel um das Thema Abschied kreisen. Danach gibt es bis vier Uhr morgens noch DJ-Sets auf die Ohren. Auch im Foyer wird noch getanzt. Auf einem hohen Podest thronen die DJs an diesem Abend über der Menge und addieren das „Party“ in die „Literaturparty“. 

     

    Fotos: Caroline Tennert

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