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  • You can’t wake up if you don’t fall asleep

    Asteroid City ist der neue Streifen von Wes Anderson. Spätestens mit Grand Budapest Hotel (2014) und The French Dispatch (2021) hat Anderson der Filmlandschaft seinen Stempel aufgedrückt.

    Gruselig wirkende Aliens sind nicht selten Gegenstand von Filmen. Independence Day, Guardians of the Galaxy, Men in Black – die Liste könnte unendlich weitergeführt werden. In Asteroid City spielt Jeff Goldblum, konträr zur gängigen Darstellung von Aliens, das wahrscheinlich süßeste außerirdische Wesen der Filmgeschichte (nach E. T.). Außerdem setzt Regisseur Wes Anderson mit Willem Dafoe, Adrien Brody, Luke Wilson, Edward Norton und vielen weiteren Schauspieler*innen auf altbekannte Gesichter aus seinem vorherigen Streifen Grand Budapest Hotel. Mit Jason Schwartzman, Scarlett Johansson und Tom Hanks sind weitere Filmgrößen zu sehen. Die Musik ist ebenfalls wie bei Grand Budapest Hotel von Alexandre Desplat.

    Der komplette Film spielt in einem verschlafenen Städtchen namens Asteroid City, das inmitten einer Wüste von gerade einmal 89 Einwohner*innen bewohnt wird. Außer einem Diner mit zwölf Hockern, einer Durchgangsstraße sowie Bahngleisen, auf denen allerlei Absurditäten, von Pekannüssen bis Atomsprengköpfen, transportiert werden, hat die Wüstenstadt nicht wirklich etwas zu bieten. So viel zum Ort, kommen wir nun zur Story.

    Midge Campbell (Scarlett Johansson) im Diner.

    Einmal im Jahr findet ein Kongress statt, bei dem junge Wissenschaftler*innen mit den besten High-School-Projekten geehrt werden. Die Ehrung der Schüler*innen erfolgt in dem Krater, in dem vor 5000 Jahren ein Asteroid eingeschlagen ist und aufgrund dessen die Stadt ihren Namen erhielt. Die Kinder werden von ihren Eltern in die Stadt begleitet und wohnen in bungalowähnlichen Häusern auf engem Raum beieinander. Nebenschauplatz des Films ist dabei die Familiengeschichte der unterschiedlichen Protagonist*innen.
    Als es zur Ehrung der unterschiedlichen Projekte im Krater kommt, taucht plötzlich ein Alien auf, das mithilfe einer Leiter sein Raumschiff verlässt, einen Meteoriten stiehlt und schließlich die Erde wieder verlässt. Asteroid City wird daraufhin von der Regierung unter Quarantäne gestellt. Ein für den Zuschauenden nicht-nachvollziehbarer Notfallplan wird angewandt und die Telefonleitungen werden gekappt, um das Städtchen von der Außenwelt abzukapseln. So viel zur Handlung.

    Die Regierung setzt die Stadt unter Quarantäne.

    Der Film strahlt, wie alle Filme von Wes Anderson, eine Retro-Optik aus. Stimmungsvolle Farbgestaltung und symmetrische Kameraeinstellung sorgen für eine einzigartige Kulisse. Konträr zu der starken Farbgestaltung, gibt es im Film eine weitere Ebene, die ausschließlich in Schwarz-Weiß zu sehen ist. Dort wird ein Blick hinter die Kulissen des „eigentlichen“ Film geworfen. In einer TV-Adaption sprechen Autor und Regisseur über den Film. Weiterhin kommen Darsteller*innen, die für den Film gecastet wurden, im „eigentlichen“ Film aber keine Rolle erhielten zu Wort und berichten melancholisch von ihrem Schauspieler*innen-Dasein. Durch diese weitere Ebene schafft Wes Anderson einen Bruch mit der Illusion und verdeutlicht, dass alles Fiktion ist.
    Anderson bringt das Publikum immer wieder zum Lachen. Dialoge haben ihren eigenen Rhythmus, eigenen Tonfall und erzeugen in Wechselwirkung mit dem kuriosen Ort eine komische Stimmung. Die nicht immer nachvollziehbaren Handlungen der Schauspieler*innen sind das einzige Defizit des Films. Bieten jedoch Raum für Spekulationen sowie Diskussionen nach dem Film und sind vielleicht auch das, was einen Wes Anderson-Film ausmacht. Passend zum fehlenden Plot, läuft im Outro der Song You can’t wake up if you don’t fall asleep von Alexandre Desplat und gleichzeitig frage ich mich, ob ich den Film verstanden habe.

    Filmempfehlung für alle, die Lust auf Mainstream-Kino haben, aber trotzdem mit schönen Aufnahmen und heiteren Dialogen etwas erfrischend anderes sehen möchten. Asteroid City feierte am 23. Mai 2023 seine Premiere bei den Filmfestspielen von Cannes und wurde im Wettbewerb um die Goldene Palme gezeigt. Kinostart in Deutschland war der 15. Juni 2023.

     

    Fotos: ©2022 Pop. 87 Productions LLC

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