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    Seit einem Jahr befindet sich der sächsische Vereinssport im Ausnahmezustand: Planungsunsicherheit, Restriktionen und Trainings- wie Wettkampfabsagen. Nun blickt er in eine ungewisse Zukunft.

    Als Annegret Müller, Zuständige für Öffentlichkeitsarbeit beim Landes­sportbund Sachsen (LSB), am 24. Februar die Pressemitteilung veröffentlicht, liegt die Tagestemperatur im Freistaat bei sonnigen 18 Grad Celsius. Doch für den LSB und sächsischen Vereinssport ist die Lage alles andere als strahlend. Hinter ihnen liegt beinahe ein Jahr mit Planungsunsicherheit, Restriktionen und Trainings- wie Wettkampfabsagen. Kein Regelbetrieb, keine Zuschauer*innen und keine Per­spektive: Es brodelt.

    Der Sport „benötigt klare Bekenntnisse der Politik“, heißt es im offenen Brief, mit dem sich der LSB an diesem Februartag an die sächsische Landespolitik wendet. „Wir pflegen mit der Stabsstelle Sport im Staatsministerium einen sehr guten, kontinuierlichen Austausch“, schil­dert Christian Dahms, Gene­ralsekretär des LSB, und ergänzt: „Doch die ist nicht für die geltende Corona-Verordnung zuständig, weshalb es uns wichtig war, auch die übrigen Teile des Kabinetts aufzurütteln.“

    Das Dokument weist neben pandemiebedingten Auswir­kungen und Maßnahmen zur Wiederaufnahme des Sports auch den deutlichen Rückgang an Vereinsmitgliedern aus. Allein bis Ende 2020 waren im Vorjahresvergleich 2,9 Prozent Rückgang in Sachsen zu verzeichnen, also rund 20.000 Austritte. „Besonders bei den Unter-Sieben­jährigen in Leipzig und im Gesundheits­sportsektor sind Ein­schnitte erkennbar, was die Abmeldung und fehlende Neueintritte betrifft“, führt Sven Heinze, Koordinator der Sportjugend, aus. „Mitgliedsbeiträge sind nicht an die Erbringung einer konkreten Gegenleistung gekoppelt. Und natürlich treten dann auch Leute aus, wenn kein Sport angeboten werden kann“, ergänzt er. „Wir haben die Befürchtung, dass sich die Zahl bis jetzt sogar noch verdoppelt hat“, sagt Dahms und deutet auf die erst kürzlich im Bund beschlossene Notbremse hin. „Das ist eine fast unüberwindliche Hürde und Bankrotterklärung für den Breitensport in Sachsen.“

    Denn abseits des Mitgliederschwundes belasten auch laufende Kosten und fehlende Einnahmen durch Kurse oder Veranstaltungen die Geldbeutel der Vereine. Der Freistaat versucht ihrer teils existenziell bedrohten Lage mit Überbrückungshilfen zu begegnen. „Die Anträge zu unserer Soforthilfe halten sich bisher zwar im niedrigen zweistelligen Prozentbereich“, so Dahms, „sind aber auch ein mögliches Indiz dafür, dass die Vereine nun auf ihre gut erwirtschafteten Rücklagen zurückgreifen.“ Für Alexander Schlen­zig, Generalsekretär des mitglie­der­stärksten Leipziger Vereins, der SC DHfK, ist dabei jedoch ein anderer Aspekt entscheidender. „Unser Verein muss nach der Pandemie noch seinem Zweck entsprechen können, also Sport anzubieten und zu fördern“, sagt er und fährt fort: „Natürlich müssten wir jetzt nahezu alle unsere Rück­lagen auf­brauchen, aber wie werden dann zum Beispiel künftige Trainingslager bezahlt?“

    Im Gegensatz zum Handel, der anhand von Termin- und Abholmodellen aktiv bleibt, beschränkt die Notbremse den organisierten Sport auf ein Minimum. „Die Mitglieder haben bisher sehr viel mitgetragen und Verständnis gezeigt, aber zunehmend ist der fehlende Ausblick spürbar“, sagt Schlenzig und kritisiert: „Es ist nicht zu erkennen, dass der Vereinssport in der Öffnungsdiskussion eine Rolle spielt.“ Für Dahms wäre dabei eines unerlässlich: „Wir benötigen den Zugang zu Sportstätten, in denen wir kontrol­liert auf Hygiene- und Nachverfolgungskonzepte zurückgreifen kön­nen.“ Koordinator Heinze berichtet neben vielen Bedenken der oft ehrenamtlichen Vereine, wie die Organisation von Tests der Trainer­*innen, auch von Gutem. „Durch Corona sind digitale Wege für Austausch und Teilhabe in und um die Vereine herum durchaus forciert wor­den. Auch unser Onlineangebot an Kursen wird extrem nachgefragt“, sagt er und ergänzt: „Wir bleiben positiv.“

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