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  • Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Primatenforschung

    Das Projekt Many Primates verspricht vielversprechende Erkenntnisse in der Erforschung von Menschenaffen.

    Leipziger Primatenforscher*innen haben gemeinsam mit zehn weiteren Forschungsstationen mit dem Projekt Many Primates den Versuch einer weltweiten Zusammenarbeit in der vergleichenden Psychologie und Primatenforschung gestartet. 2019 erschien ein erstes gemeinsames Paper, wofür eine Studie zum Kurzzeitgedächtnis von Primaten durchgeführt wurde. Diese hat vor allem eins gezeigt: Eine internationale Zusammenarbeit ist möglich.

    Um Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen verschieden Primaten zu erkennen, müssen die kognitiven Fähigkeiten von möglichst vielen Spezies untersucht werden. Die vergleichende Psychologie kann durch die Erforschung der Kognition (Denk- und Wahrnehmungsvorgänge) auch Rückschlüsse auf den Menschen ziehen, der ebenfalls zur Gruppe der Primaten gehört. „Es ist ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die sich für Primatenkognition interessieren und die auf der ganzen Welt verteilt sitzen. Was uns eint, ist evolutionäre Fragestellungen von Primaten beantworten zu wollen“, erklärt Manuel Bohn, der als Postdoc am Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung (IFE) das Projekt gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und dem Leipziger Zoo initiiert hat.

    Im Verlauf der ersten Beobachtungsstudie mussten sich die Primaten in unterschiedlichen Zeitabständen merken, unter welcher von drei Tassen Futter liegt, deren Platzierung immer wieder vertauscht wurde. Die Forscher*innen verglichen, welche Primatenart bei dem Test besser oder schlechter abschneidet und inwiefern dies auf die Verwandtschaftsverhältnisse untereinander zurückzuführen ist.

    Für die Erforschung von evolutionären Fragestellungen ist eine große Anzahl von Stichproben verschiedener Spezies notwendig. Das Problem ist laut Bohn, dass keine Institution Zugang zu ausreichend großen Stichproben besitzt. „Es gibt einfach keine Institution auf der Welt, die mehr als zehn verschiedene Affenarten beherbergt“, sagt der Wissenschaftler. Die einzige Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, ist für ihn die Kollaboration mit verschiedenen Einrichtungen.

    Vorbild von Many Primates ist eine aktuelle Bewegung in der Psychologie, die vermehrt auf Zusammenarbeit und weltweite Netzwerke setzt.  Die meisten Wissenschaftler*innen, die sich bei diesem Projekt engagieren, sind Postdocs und Doktorand*innen. „Es war eine Bewegung von unten heraus, bei der ich auf sehr viel Enthusiasmus gestoßen bin“, erzählt Bohn.

    Eine der Mitstreiter*innen ist Sarah DeTroy, Doktorandin am IFE. „Das ist eine Bewegungvon jungen Forschern, vieles in der Wissenschaft besser machen zu wollen“, sagt sie. „Großartig ist, dass jeder mitmachen kann. Ich habe keine Daten erhoben, aber dafür dann zum Beispiel das erste Paper korrekturgelesen. Für viele junge Forscher ist das auch eine Möglichkeit, verschiedene Wissenschaftler kennenzulernen.“

    Für Many Primates wollten die Forscher*innen einen neuen Weg gehen, um eine langlebige Zusammenarbeit auf die Beine zu stellen. Im ersten Schritt wurde ein Netzwerk interessierter Forscher*innen aufgebaut, die bereit waren, Zeit und Arbeit zu investieren. Mit dem ersten Paper wollten sie laut Bohn vor allem beweisen, dass ein solches Projekt überhaupt möglich ist. „Wir wollten zeigen, dass wir zusammenarbeiten und auch auf diese Art eine Infrastruktur aufbauen können, die eine solche großangelegte Forschung ermöglicht“, erklärt er. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit sind vielversprechend. Es bestehen bereits Kooperationen mit Institutionen in Deutschland, den USA, Schottland und Kenia. Die erste Studie konnte durch das Netzwerk von Many Primates mit einer größeren Stichprobe als gewöhnlich durchgeführt werden. Die Forscher*innen hoffen nun, dass das Projekt auch weiter erfolgreich läuft und wollen es solider etablieren, da die Arbeit bisher von besonders engagierten Einzelpersonen getragen wird. Durch die aktuelle Pandemie ist die Datenerhebung zum Erliegen gekommen. „Wir hoffen, dass das Projekt weitergeht. Die erste Studie ist noch nicht abgeschlossen und es wird sich zeigen, ob wir dieses Momentum in die Zukunft retten können“, sagt Bohn.

    Auch DeTroy wünscht sich, dass es weitergeht. Sie will mehr über Primaten und uns Menschen erfahren: „Was mich interessiert ist nicht, was uns unterscheidet, sondern was uns verbindet.“

     

    Titelfoto: Institut für Bildungswissenschaften / Leipziger Forschungszentrum für frühkindliche Entwicklung

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