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  • Der Zeitgeist unserer Tage

    Weshalb die Proteste gegen G20 nichts Außergewöhnliches sind

    Globalisierungskritische Proteste gegen das Zusammenkommen von Regierenden haben inzwischen Tradition. Die ersten großen Demonstrationen blieben als der sogenannte „Battle of Seattle“ in Erinnerung. Ende des Jahres 1999 tagten die Minister der Welthandelsorganisation in Seattle, wurden dabei aber erheblich durch die Protestaktionen und die folgenden Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften und Globalisierungskritikern eingeschränkt. Seitdem fand kaum ein Gipfel statt, der nicht von (globalisierten) Protesten begleitet war.

    So außergewöhnlich, polarisiert und aufgeladen einem die Kontroversen um den G20 Gipfel in Hamburg vorkommen mögen, können sie im Kontext einer allgemeinen Entwicklung gesehen werden.

    Der Leipziger Professor Christer S. Garrett, dessen Fachgebiet die American Studies sind, weist auf eine Besonderheit der anstehenden Proteste rund um den Gipfel am kommenden Wochenende in Hamburg hin. Demnach spiele der Zeitgeist unserer Tage eine wichtige Rolle, der schließlich nahezu weltweit geprägt sei von grundlegender Skepsis gegenüber der Globalisierung. Das Thema Sicherheit und deren Gestaltung werde für den Gipfel von zentraler Bedeutung sein, da die Menschen mehr denn je verunsichert seien. Die Gegner des Gipfels protestieren laut Garrett aus den unterschiedlichsten Gründen. Es gibt demnach Demonstrierende, die das „System“ Kapitalismus insgesamt ablehnen, sie fordern einen radikalen Bruch. Andere fühlen sich abgehängt und nicht wahrgenommen, wieder andere demonstrieren für den Umweltschutz oder die Menschenrechte. Alle vereint, über die Landesgrenzen hinweg, die Kritik an der Globalisierung, deren Wahrnehmung sich aber von Land zu Land unterscheidet.

    Die Proteste sind international angelegt, Demonstrierende aus aller Welt werden anreisen – während die G20 schließlich auch globale Institutionen sind. In jedem Fall wird, so Garrett, ein globales Bewusstsein gefördert, was begrüßenswert sei, sofern Gewalt nicht andere zum Verstummen bringt.

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    Foto: Casa Rosada

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    Artikelfoto: Tim Wagner