Die Wildkatze kehrt zurück
Auf Samtpfoten durch das Bärlauchmeer: Die Stadt Leipzig kürt die Europäische Wildkatze zur Auwaldart des Jahres 2026. Doch wie ist es um den seltenen Waldbewohner bestellt?
Mopsfledermaus, Märzenbecher, Wildkatze? Was vereint diese drei Arten? Ein gemeinsamer Vorfahre? Sicher! Vor Millionen von Jahren allerdings. Heute sind sie allzu verschieden und teilen sich doch einen gemeinsamen Lebensraum, den Leipziger Auwald. Genau wie Mopsfledermaus (2024) und Märzenbecher (2025) ist die Europäische Wildkatze nun auch eine „Auwaldart des Jahres“. Jedes Jahr seit 1955 kürt die Stadt Leipzig am 16. April eine ausgewählte Tier-, Pflanzen- oder Pilzart und rückt sie damit in das allgemeine Bewusstsein der Bürger*innen. Das ermöglicht nicht nur einen Einblick in die Vielfalt und den Artenreichtum des Leipziger Auwalds, sondern lenkt die Aufmerksamkeit auch auf den Stadtwald selbst. Während die Bärlauchdecke dort alljährlich im Frühling zum Pflücken einlädt und die dichten Waldstücke im Sommer als kühle Entspannungsorte für Jung und Alt dienen, gibt es notwendigerweise auch Bestrebungen, diese grüne Oase und all ihre Bewohner*innen aktiv zu schützen.
Die diesjährige Auwaldart, die Europäische Wildkatze (Felis silvestris), kommt seit 2011 wieder in Sachsen vor und wurde 2015 zum offiziellen Auwaldbewohner, so der Verein Bund Sachsen. Während sich der Bestand bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts noch über weite Teile Deutschlands und Europas ausbreitete, führten gezielte Verfolgungen, Abschussprämien und die Zerstörung ihres Lebensraums zu einem enormen Rückgang der Population, wie es auf Leipziger-Auwald.de heißt. Dies ging so weit, dass sie für die letzten 150 Jahre als ausgestorben galt. Durch eine erste einjährige Schonzeit im Jahr 1934 konnte sich die Population wieder etwas erholen und auf etwa 8.000 Tiere im Jahr 2020 deutschlandweit anwachsen.

Die Ausstellung zur Wildkatze kann täglich von 9 bis 19 Uhr kostenfrei im Ausstellungsraum des Wildparks besucht werden. Foto: Lena Voß
Stand 2024 zählt Bund Sachsen 15 Wildkatzen im Stadtwald. Aber das ist leider kein Grund, sich zurückzulehnen, denn laut dem Bund für Naturschutz gilt die Europäische Wildkatze auf der Roten Liste der Arten in Sachsen als „vom Aussterben bedroht“. Die geringe Reproduktionsrate, die bei zwei bis vier Jungen pro jährlichem Wurf liegt, sowie die zahlreichen Gefahren, die im Straßenverkehr lauern, erschweren eine vollständige Regeneration und Ausbreitung der Population.
Hinzu kommt die weitgehende Zerstörung ihres Habitats: Die Tiere sind vorwiegend in strukturreichen Misch- und Laubwäldern zu finden und stellen damit auch einen guten Indikator für störungsarme, waldreiche und wenig zerschnittene Gebiete dar. Sie sind somit nicht nur eine der „streng zu schützenden Tier- und Pflanzenarten“, sondern auch „von gemeinschaftlichem Interesse“, wie es in der Einteilung nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinien der EU heißt, so der Bund NRW. Die Europäische Wildkatze unterliegt besonderen Schutzmaßnahmen. Beispielsweise besteht ein Verbot, jegliche Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen, sowie ein Fang- und Tötungsverbot der Wildkatzen.
Ein für eine verwilderte Hauskatzen gehaltenes Tier (sie sehen sich zum Verwechseln ähnlich) vom Spaziergang im Auwald mitzunehmen, ist also keine gute Idee. Normalerweise sind die Raubtiere aber sehr scheu und nachtaktiv, weshalb es eher selten vorkommt, einem der Vierbeiner über den Weg zu laufen. In der Zwischenzeit können Interessierte aber auch einfach die Wildkatzenausstellung des Bund Sachsen im Leipziger Wildpark besuchen.
Titelbild: pixabay
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