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  • „Nicht alle Probleme liegen an der Konsolidierung“

    Prorektorin Brigitte Latzko im Gespräch mit luhze über die Folgen des Sparkurses an der Universität Leipzig.

    Die Universität Leipzig steht vor tiefgreifenden Sparmaßnahmen und viele Studierende fragen sich, welche Folgen die Konsolidierung konkret für Studium und Lehre haben wird. Größere Seminare, unsichere Stellen und Diskussionen über mögliche Streichung von Studienangeboten sorgen seit Monaten für Verunsicherung. Im luhze-Interview mit Vlada Kostohlodova und Hannah Kattanek spricht Prorektorin für Studium, Lehre und Talententwicklung Brigitte Latzko über die Herausforderungen der Konsolidierung, die Perspektive der Universitätsleitung und darüber, warum sie trotz Sparkurs weiterhin Spielraum für neue Ideen in der Lehre sieht.

     

    luhze: Was bedeutet die Konsolidierung konkret für Studium und Lehre?

    Latzko: Für meinen Bereich Studium und Lehre bedeutet die Konsolidierung vor allem, dass ich die Lehrqualität und die Lernbedingungen im Blick behalten muss. Meine Aufgabe ist es, dafür Sorge zu tragen, dass die Lehre weiterhin in hoher Qualität angeboten wird und Studierende ihr Studium regulär abschließen können. Worauf ich gerne nochmal hinweise: Es gibt einen sogenannten Vertrauensschutz. Das heißt: Die Studierenden, die immatrikuliert sind, können ihr Studium immer entsprechend ihres Studienverlaufsplanes zu Ende studieren. Gleichzeitig stehen wir gemeinsam vor der Aufgabe der Konsolidierung.
    Viele Sorgen entstehen dabei durch Kommunikationslücken. Die Universität hat sehr komplexe Strukturen: Fachschaften, Studiendekaninnen und -dekane, Fakultäten und Rektorat. Es ist schlicht nicht möglich, mit allen Studierenden direkt im Austausch zu stehen und jede Entscheidung im Detail zu erklären. Deshalb ist der Austausch mit den Fachschaftsräten wichtig. Nicht alle Probleme in der Lehre oder im Studium liegen allein an der Konsolidierung, sondern an mehreren gleichzeitig auftretenden Faktoren: etwa an personellen Veränderungen oder auslaufenden Stellen. Für Studierende ist oft schwer zu erkennen, woher Probleme tatsächlich kommen. Deshalb ist es wichtig, dass sie sich frühzeitig an Fachschaften, Studiendekaninnen und -dekane oder direkt an mich wenden.
    Darüber hinaus gibt es diverse Austauschformate. Wir haben im vergangenen Jahr mit Town Hall Meetings begonnen, werden das weiterführen. Die Rektorin hat in diesem Jahr die Reihe „Auf einen Kaffee mit der Rektorin“ gestartet. Die klare Botschaft ist: Das ist unsere Universität, wir sollten uns so oft es geht austauschen und dann, nach vielleicht einer kontroversen Diskussion, einen Konsens finden und an einem Strang ziehen in dieselbe Richtung.

     

    Was bedeutet die Konsolidierung für Studierende?

    Unser Anspruch bleibt – und darin sind sich Rektorat und Fakultätsleitungen einig: Die Qualität unseres Angebots und konkret des Studiums sollen möglichst erhalten bleiben. Das heißt aber nicht, dass alles so bleibt, wie es ist. Kurzfristig können Studierende Veränderungen durchaus merken: Hier und da gibt es größere Seminare oder ein kleineres Angebot in Wahlbereichen. Auch wird manche Lehrveranstaltung nicht mehr oder aufgrund verzögerter Nachbesetzung noch nicht von einer Professorin oder einem Professor angeboten – wobei die Lehre durch Lehrbeauftragte ja auch sehr bereichernd ist.
    Zum Lehrangebot ist zu sagen: Natürlich diskutieren die Fakultäten darüber ob man Angebote stärker bündeln könnte, ohne dass Studierende dadurch echte Einschränkungen erleben. Dabei geht es nicht darum, plötzlich ganze Bereiche zu streichen, sondern darum, Studiengänge klug weiterzuentwickeln – was wir ohnehin kontinuierlich tun –, über integrierte Studiengänge nachzudenken und für einen effizienten Ressourceneinsatz im Bereich der Lehre zu sorgen. Das ist im Grunde auch ohne Konsolidierungsnotwendigkeit stets unsere Aufgabe. Die erste Phase der Konsolidierung war stark von Unsicherheit geprägt. Mittlerweile haben wir diese erste „Schockphase“ aber aus meiner Sicht hinter uns.

     

    Viele Studierende haben den Eindruck, dass die Schockphase der Konsolidierung jetzt erst sichtbar wird. Können Sie das nachvollziehen?

    Ich kann deren Sorgen nachvollziehen. Man muss allerdings unterscheiden zwischen kurzfristigen und mittel- bis langfristigen Maßnahmen. Kurzfristig gibt es beispielsweise Besetzungssperren. Gleichzeitig entwickeln die Fakultäten derzeit Konzepte dafür, welche befristete Stellen langfristig möglicherweise nicht wiederbesetzt werden. Das führt natürlich zu Unsicherheit.
    Fakultäten, Fachschaften und Rektorat haben dabei oft unterschiedliche Perspektiven. Fachschaften schauen verständlicherweise vor allem auf ihren eigenen Studiengang. Fakultäten müssen dagegen die gesamte Lehre im Blick behalten, und das Rektorat wiederum die gesamte Universität. Wir haben uns bewusst für einen offenen und beteiligungsorientierten Prozess entschieden. Das verlängert auch die Phase der Unsicherheit. Wenn Entscheidungen einfach von oben getroffen würden, gäbe es zwar schneller Klarheit, aber weniger Mitsprache.
    Und natürlich werden solche Entscheidungen emotional erlebt. Besonders dort, wo langfristig Ressourcen abgegeben werden müssen. Gleichzeitig müssen wir realistisch bleiben: Das Grundbudget reicht nicht aus, um alles dauerhaft in gleicher Form weiterzuführen. Wir werden nicht mehr alle zusätzlichen Leistungen anbieten können. Eine Aufgaben- und Prozesskritik ist daher ein wichtiger Baustein unserer Konsolidierung.

     

    Seit dem Sommersemester 2026 bietet die Universität Leipzig neue Ergänzungsstudien für Gemeinschaftsschulen an. Wie entstehen solche neuen Angebote trotz Sparkurs?

    Das Lehramt stellt eine Besonderheit dar, weil es staatlichen Vorgaben unterliegt. Neue Anforderungen müssen umgesetzt werden. Mit den Modulen mit fächer- und fachübergreifenden Inhalten wollten wir deshalb möglichst schnell ein Angebot unter besonderer Berücksichtigung spezifischer Aspekte der Gemeinschaftsschule schaffen, ohne zusätzliches Personal aufzubauen. Dafür nutzen wir bestehende Kompetenzen in den Fakultäten und entwickeln Inhalte weiter. Es entstehen also nicht einfach zusätzliche Seminare, sondern vorhandene Angebote werden angepasst. Gerade im Lehramt sprechen wir ständig über fächerübergreifenden Unterricht, dann müssen wir das auch selbst vorleben.

     

    Führt das nicht zu einer zusätzlichen Belastung für Lehrende?

    Das wird unterschiedlich wahrgenommen. Manche empfinden Veränderungen als zusätzliche Belastung, andere freuen sich darüber, neue Ideen umsetzen zu können. Viele Lehrveranstaltungen werden ohnehin regelmäßig weiterentwickelt. Das liegt in der Natur der Sache, das ist Aufgabe von Universität und von dort Lehrenden. Gesellschaftliche Entwicklungen müssen sich beispielsweise auch in der Lehre widerspiegeln.

     

    Wie soll sich die Universität Leipzig künftig weiterentwickeln?

    Ich glaube, dass Kooperationen mit anderen Universitäten künftig noch wichtiger werden. Dabei geht es nicht nur um Austauschprogramme, sondern auch um gemeinsame Lehrangebote. Innerhalb des Unibundes sowie mit der Universität Graz nutzen wir schon länger diese Synergieeffekte und können dadurch ein breiteres Studienangebot ermöglichen. Seit dem Wintersemester 2025/26 besteht dabei beispielsweise für Studierende der Universität Leipzig die Möglichkeit, gebührenfrei am zweisemestrigen Lehrangebot „Micro-Degree, Künstliche Intelligenz und Gesellschaft‘“ der Universität Graz teilzunehmen.
    So werden auch Studiengänge gestärkt, ohne zusätzliches Personal aufzubauen. Gleichzeitig beschäftigen uns gesellschaftliche Themen wie Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit oder Demokratiebildung. Diese Themen müssen stärker in bestehende Studiengänge integriert werden. Trotz der Konsolidierung erlebe ich das Prorektorat weiterhin als kreative Insel, auf der viele Universitätsangehörige mitwirken. Lehrende und Studierende bringen Ideen ein und überlegen gemeinsam, wie Studium und Lehre weiterentwickelt werden können.

     

    Titelbild: Christian Hüller / Universität Leipzig

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