Studieren mit KI: Ist das noch zu kontrollieren?
Künstliche Intelligenz verändert das Studieren: Wie nutzen Studierende KI-Tools und welche Angebote gibt es, um die Zusammenarbeit mit KI langfristig produktiv und verantwortungsvoll zu gestalten?
In den letzten zwei Jahren ist künstliche Intelligenz zu einem festen Bestandteil der Lebensrealität vieler Menschen geworden. Für nahezu jeden Lebensbereich bietet sie passende Antworten: im Studium, für alltägliche Fragen, aber auch in persönlichen und emotionalen Anliegen. Doch wie vertragen sich Studium und wissenschaftliches Arbeiten eigentlich mit künstlicher Intelligenz? Können sich Universität, Lehrende und Studierende so schnell an eine so fundamentale Innovation anpassen?
Anwendungsbereiche von KI im Studiums
Seit Sommer 2025 ist es seitens der Universität Leipzig offiziell erlaubt, KI bei akademischen Prüfungsleistungen zu nutzen. Für die meisten Studierenden ist KI inzwischen ein fester Bestandteil ihres Studiums. Das zeigen die Daten vom Centrum für Hochschulentwicklung, demnach nutzen 65 Prozent der 23.000 befragten Studierenden regelmäßig KI-Tools – vor allem zum Brainstorming, allgemeine Recherche, als Lernpartner oder für Übersetzungen. Gleichzeitig zeigen sich deutliche fachspezifische Unterschiede: Technikfächer wie Mechatronik, sowie Elektro- und Informationstechnik setzen KI besonders für Programmieraufgaben und Textgenerierung ein, während Studierende aus Geistes- und Sozialwissenschaften diese Nutzungsformen kaum verwenden. Stattdessen greifen Fächer wie Romanistik KI vor allem für Übersetzungen auf.
Jasper (23) aus den Digital Humanities berichtet: „Bei einer Hausarbeit hat mir die KI beim Zusammenfassen von Texten sehr geholfen, da meine Zeit zum Schreiben knapp war. Sie liefert Zusammenfassungen und kann Fragen über ein Dokument mit den jewailigen Seitenzahlen belegt, beantworten. Außerdem benutze ich ChatGPT, um mir komplexe Sachverhalte in einfacher Sprache erklären zu lassen, zum Beispiel philosophische oder soziologische Begriffe. Auch in der Informatik ist ChatGPT hilfreich, da es sehr schnell Code korrigieren oder erklären kann.“
Richtlinien und Veranstaltungen zum Thema KI
Während Studierende wie Jasper KI für wissenschaftliche Arbeiten nutzen, existieren an der Universität Leipzig noch keine einheitlichen, fakultätsübergreifenden Regeln. Dabei wünschen sich Studierende laut CHE-Daten klare Richtlinien zu Datenschutz und ethischem Umgang. Auch das Academic Lab der Universität Leipzig bestätigt die Unsicherheiten der Studierenden darüber, was erlaubt ist und was nicht. Erst an einzelnen Fakultäten entstehen konkrete Richtlinien und Handlungsleitfäden. Die Richtlinien zum Einsatz generativer Künstlicher Intelligenz der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät geben z.B vor, dass die Nutzung von KI in Qualifizierungsarbeiten erlaubt ist, solange sie transparent offengelegt, kritisch reflektiert und nicht für das eigenständige Verfassen von Texten oder das Erfinden oder Verändern von Daten eingesetzt wird. Außerdem muss jede Nutzung in einer Selbstständigkeitserklärung dokumentiert werden. Für Jasper wirken Regeln und Angebote zum Umgang mit KI noch unübersichtlich, denn er merkt an: „Ich habe noch von keiner Veranstaltung, die mich bei der Arbeit mit KI unterstützen soll, gehört. Das wäre auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, den Umgang mit KI zu reflektieren oder eine größere Akzeptanz zu fördern, da sie sowieso in allen Bereichen genutzt wird.“
Seit dem vergangenen Wintersemester bietet das Academic Lab fächerübergreifend Kurse zum Thema KI und wissenschaftliches Arbeiten an, darunter die KI-Werkstatt und seit Kurzem auch die KI-Tutorien, in denen Tutor*innen für das Thema geschult werden. Im März 2026 laufen diese Angebote jedoch aus. Bislang ist unklar wie die Projekte danach weitergeführt werden. Unabhängig davon gibt es alle zwei Monate hybride KI-Netzwerktreffen, die das Ziel haben, die KI-Aktivitäten der Universität Leipzig zu bündeln. Darüber hinaus existieren weitere fakultätsinterne Angebote.
Das Academic Lab betont, dass ein gewisses Maß an Fachkenntnis und Umgangskompetenz für die Verwendung von KI-Tools notwendig sind. Die Gefahr bestehe, sich zu sehr auf das Wissen der KI zu verlassen, die im wissenschaftlichen Bereich oft nicht auf dem neuesten Stand ist. Es sei wichtig, die eigenständige Wissensaneignung nicht zu verlernen. Nicht selten sind Studierende mit Falschinformationen konfrontiert. Jule (21) aus der Soziologie berichtet: „Ich versuche eigentlich, alles noch einmal zu kontrollieren und mit ‚richtiger‘ Literatur abzugleichen. Oft ist ChatGPT aber wirklich überzeugend und ich übersehe Fehler oder zweifle mein eigenes Wissen an.“
Darum rät das Academic Lab, bei der Verwendung von Chatbots nicht passiv zu werden und Aufgaben nicht vollständig an die KI abzugeben. Stattdessen sollten Studierende sich weiterhin eigenständig und reflektiert mit den Studieninhalten auseinandersetzen.
Es besteht die Möglichkeit, z.B die KI-Werkstatt zu besuchen, die am 26.01 ein Workshop zum Thema „KI-Fails: Halluzinationen und andere Irrtümer“ anbietet. Das hängt jedoch stark vom individuellen Interesse und Engagement ab, denn bislang ist es noch kein integraler Bestandteil des Studiums, einen verantwortungsvollen Umgang mit KI-Tools zu erlernen.
Titelbild: rb
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