Makan, mon amour!
Warum jeder Kiosk eine Bindestrich-Erweiterung braucht – eine Valentinstagskolumne
Valentinstag. Während die Stadt in einem Meer aus Tankstellenrosen und hastig reservierten Zweier-Tischen versinkt, sitze ich dort, wo die wahre Liebe wohnt. Sie riecht nicht nach Parfum, sondern nach kaltem Bier und der Freiheit, den Döner mit Extra-Zwiebeln nicht verstecken zu müssen. Ich spreche von Makan.
Strenggenommen ist Makan eine „Späti-Bar“. Ein Zusatz, der eine kleine Revolution einläutet. Wenn es nach mir ginge, sollte jeder Kiosk ein „-Bar“ hinter seinen Namen hängen – vorausgesetzt, er wird dann ein bisschen mehr wie Makan. Es ist die diplomatische Lösung im Konflikt zwischen dem Wunsch nach Bar-Atmosphäre und einem Kontostand, der eigentlich nur Sterni-Konsum zulässt.
Wer Makan betritt, lässt die klinische Ordnung der Außenwelt draußen. Das Interieur folgt keinem Design-Guide, sondern dem Prinzip der geplanten Anarchie. Kein Stuhl gleicht dem anderen; jeder hat seine eigene, oft löchrige Biografie. Die Möbel stehen nie so, wie man sie am Vorabend verlassen hat – fast so, als würden sie nachts heimlich die Plätze tauschen. Die Flecken auf den Polstern? Keine Mängel, sondern Patina. Es ist die Befreiung von der Angst vor dem Kleckern. Ein Ort, der sagt: „Schau her, andere vor dir hatten hier auch schon eine gute Zeit – und keine besonderen distinguierten Tischmanieren.“
Die Dekoration ist unvorhersehbar: Ein mit Lichterketten behangener Regenschirm schwebt über den Köpfen, während eine Stehlampe im Raum steht wie ein Statist aus einem 70er-Jahre-Krimi. Kistenstapel bilden Nischen, die genau den Sichtschutz bieten, den man braucht, um in trauter Fünfsamkeit verboten viele Runden Wizard zu spielen.
Und dann ist da die Akustik. Makan ist kein Ort für Playlists von der Stange. Wer wegen einer Mate kommt, geht vielleicht mit einer neu entfachten Leidenschaft für französische Chansons oder Italo-Disco nach Hause. Es ist Horizonterweiterung im Vorbeigehen, kuratiert von Verkäufer*innen, deren Freundlichkeit selbst dann nicht wankt, wenn man mit besagtem Döner die Raumluft herausfordert.
Mein Highlight: Makan hat zwei Toiletten. In der Welt der Spätis ist das der Fünf-Sterne-Wellnessbereich.
Makan ist das Wohnzimmer, das wir uns in unseren WGs nicht leisten können, und die Bar, die uns nicht in den Ruin treibt. Es gibt sogar Tee – echtes Gold für den frühen Mittwochabend, wenn Glühwein noch wie eine Drohung wirkt.
Am Ende ist Makan genau das, was der Bindestrich verspricht: Ein Ort zwischen Gehweg und WG-Couch, zwischen „schnell was holen“ und „doch bis zum Ladenschluss bleiben“. Es braucht keine Rosen und keine steifen Reservierungen. Es reicht ein wackeliges Sofa, eine sorgsam kuratierte Playlist und das Gefühl, auch mit dem letzten Rest Kleingeld willkommen zu sein.
Makan ist die Rettung vor dem Valentinstags-Kitsch: Das unaufgeräumte Zuhause, in dem das Bier kalt, der Döner willkommen und die Welt für einen Moment ziemlich in Ordnung ist.
Titelbild: Paula Fischer
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