Offener Sparprozess, ungewisse Zukunft
Der Konsolidierungsprozess der Universität Leipzig ist in vollem Gange. Während kleine Institute wie Amerikanistik um ihren Fortbestand fürchten, verweist die Hochschulleitung auf laufende Gespräche.
Der von der Universitätsleitung angekündigte Sparkurs prägt derzeit zahlreiche hochschulpolitische Diskussionen an der Universität Leipzig. Hintergrund ist ein strukturelles Finanzierungsdefizit von rund 16 Millionen Euro im aktuellen Doppelhaushalt des Freistaats Sachsen. Um auf die angespannte Haushaltslage zu reagieren, hat die Universität Konsolidierungsmaßnahmen angestoßen.
Welche Folgen diese haben könnten, wird derzeit auch an der Philologischen Fakultät diskutiert. Das Institut für Amerikanistik steht dabei exemplarisch für die Herausforderungen, vor denen kleinere, spezialisierte Einrichtungen stehen.
Sorgen um Lehre und Forschung
Gabriele Pisarz-Ramírez, Direktorin des Instituts für Amerikanistik, sieht die Situation mit großer Sorge: „Als kleines, aber sehr leistungsfähiges Institut drohen uns erhebliche Einschnitte, die erfolgreiche und attraktive Studiengänge sowie langfristig auch die Forschungsleistung und Drittmitteleinwerbung stark beeinträchtigen werden.“ Besonders problematisch seien lineare Kürzungen bei Instituten mit geringer Grundausstattung und hoher Abhängigkeit von Qualifikationsstellen.
Der Fachschaftsrat Anglistik/Amerikanistik konkretisiert die Auswirkungen in einem Instagram-Post vom 25. Januar. Demnach verliert das Institut für Amerikanistik eine Professur; zudem werde der Vertrag eines wissenschaftlichen Mitarbeiters nicht verlängert. Aufgrund einer Einstellungssperre könnten auslaufende Verträge weiterer Lehrender nicht nachbesetzt werden. Diese Personalverluste seien nicht kompensierbar und führten zu Funktionsverlusten in Lehre, Studium und Studienorganisation.
Die Konsequenzen für den Studienalltag könnten bereits kurzfristig spürbar werden: Schon im kommenden Sommersemester muss die Lehre in der Amerikanistik um zwei Wochenstunden reduziert werden, im darauffolgenden Wintersemester werden weitere sechs Wochenstunden gestrichen, so der FSR. „Die gegenwärtige und für ganzen zwei Jahre geplante Haushaltssperre wird erhebliche Folgekosten haben, wie zum Beispiel Lehrnotstände, Studienverzögerungen und Betreuungsabbrüche“, erklärt Pisarz-Ramírez. Sollten Stellen dauerhaft gestrichen werden, könnten nicht mehr alle Lehrformate regelmäßig angeboten werden.
Institutsleitung sieht interdisziplinäre Expertise in Gefahr
Aus fachlicher Sicht steht nach Einschätzung der Institutsdirektorin mehr auf dem Spiel als nur einzelne Stellen. Die Philologische Fakultät sei aufgrund ihrer Fächervielfalt immer wieder Ziel von Strukturdebatten, bei denen durch Zusammenlegungen nach Synergien gesucht werde. „Die Vergangenheit hat aber auch gezeigt, dass gerade die Heterogenität der Fakultät ihre Stärke ist“, betont Pisarz-Ramírez.
Für die Amerikanistik gelte dies in besonderem Maße: „Es gibt in Deutschland nur wenige Standorte, die auf diese Weise interdisziplinäre transatlantische Expertise bündeln. Das macht das Leipziger Institut für Amerikanistik zu einem echten Standortfaktor für die Universität, einem Leuchtturm, wie auch zahlreiche externe Evaluationen immer wieder zeigen.“ Mit Blick auf die aktuelle weltpolitische Lage fügt sie hinzu: „Und gerade jetzt ist dezidierte Amerika-Expertise – leider – dringender notwendig denn je.“
Universitätsleitung: Offener Prozess ohne festgelegte Maßnahmen
Brigitte Latzko, Prorektorin für Talentenentwicklung: Studium und Lehre, betonte im Gespräch mit luhze im Dezember 2025, dass konkrete Entscheidungen, etwa zu einer Zusammenlegung von Instituten, derzeit nicht Gegenstand laufender Planungen seien. „Wir befinden uns in einem offenen Prüf- und Diskussionsprozess“, erklärt Latzko.
Entscheidungen zu Struktur- oder Sparmaßnahmen würden mehrstufig und unter Einbindung verschiedener Akteure erfolgen. Die Hochschulleitung binde dabei die Fakultäten und Institute als Ansprechpartner in die laufenden Beratungen ein. Im Zentrum stehe derzeit das Prüfen bestehender Strukturen hinsichtlich ihrer Funktionalität und Stabilität. Mittelfristig sei auch eine Anpassung des Gesamtlehrangebots notwendig. Entsprechende Analysen würden im Zusammenwirken von Fakultäten und Rektorat fortgesetzt – mit dem Ziel, effiziente Strukturen im Bereich Studium und Lehre zu entwickeln, ohne die Qualität der Lehre zu gefährden.
Kommunikation als Herausforderung
Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Kommunikation zwischen Hochschulleitung, Fakultäten und Studierenden. Latzko betont, dass Studierende als Vertrauenspartner wahrgenommen werden sollten und Zugang zu relevanten Informationen erhalten. Zugleich verweist sie darauf, dass sich die Hochschulleitung universitätsweit in unterschiedlichen Formaten im Austausch befinde – über die obligatorische Gremienbeteiligung hinaus. Gleichzeitig räumt die Prorektorin ein, dass die institutionelle Struktur der Universität mit ihren verschiedenen Verwaltungsebenen und Gremien die Kommunikation zwischen Rektorat und Studierenden erschwere.
Der Fachschaftsrat Anglistik/Amerikanistik geht mittlerweile mit den konkreten Auswirkungen der Kürzungen an die Öffentlichkeit und rief im Vorfeld zur Teilnahme am Hochschulaktionstag am 28. Januar auf. „Wir positionieren uns klar gegen diese Kürzungen, die unsere Lehre gefährden und den Lehr- und Fachkräftemangel verschlimmern! Macht mit, damit wir gehört werden!“, schreibt der FSR in dem Instagram-Beitrag.
Wie geht es weiter?
Die zentrale Botschaft der Universitätsleitung im Dezember: Es habe noch keine Einzelentscheidungen oder bereits festgelegte Maßnahmen gegeben. Die Universitätsleitung sei offen für unterschiedliche Lösungsansätze und weitere Gespräche.
Latzko appelliert an die Studierenden, sich aktiv in den Prozess einzubringen: „Wenn es Sorgen und Nöte gibt, sollten diese adressiert werden.“ Möglichkeiten dafür sind unter anderem der Fachschaftsrat, die Studierendenvertretungen im Fakultätsrat und im Senat sowie Rückmeldungen im Rahmen von Evaluationen. Gemeinsam mit allen Beteiligten wolle man im Dialog Lösungen finden, die die Qualität der Lehre langfristig sichern.
Für die betroffenen Institute bleibt die Situation dennoch angespannt. In kommender Zeit wird sich zeigen, wie sich der Konsolidierungsprozess konkret auf Lehre, Forschung und Studienalltag auswirkt – und wann aus dem angekündigten offenen Prozess verbindliche Entscheidungen und Planungssicherheit für alle Beteiligten entstehen.
Titelbild: vk
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