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    Bei einem Interview wird Kolumnistin Johanna mit ihrer schlechten Ernährung konfrontiert. Nun erkennt sie, was für sie wirklich wichtig sein muss.

    Jeder neigt dazu, seine eigene, kleine Sünde zu haben. Bei Manchen ist es das Rauchen, bei anderen der Alkohol. Bei mir ist es Zucker. Schon oft habe ich versucht, mir selbst dessen schlechte Auswirkungen vorzuzeigen und meinen Zuckerkonsum zu verringern. Nie hat es etwas genützt. Vor kurzem habe ich einen Artikel über ein Projekt zu gesunder Ernährung geschrieben. Karma. In diesem Projekt werden journalistische Beiträge über Nahrungsmittel, Diäten und Co. auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Hier stellt sich heraus, was wirklich gesund ist.

    Kolumnistin Johanna versucht, mit ihrer Zuckersucht umzugehen.

    Ich informierte mich, doch obwohl all diese Fakten interessant und verständlich waren, meine Sucht beeinflussten sie keineswegs – bis ich mit dem Projektleiter ins Gespräch kam. Über die Grundlagen seiner Forschung geriet er immer mehr ins Schwärmen. Dabei erzählte er nicht nur von seinem Projekt und dessen Effizienz. Er erinnerte sich an die vielen, schönen Momente, die ihm seine Forschung gebracht hatte, an seine Leidenschaft für gutes Essen und wie er sich selbst gefragt hat, was er wirklich darüber weiß, was uns am Leben erhält. Ohne Frage schmeckt uns das am besten, was klebt und süß ist. Nahrung soll man genießen, dem widerspricht keiner. Aber die Inhaltsstoffe, die danach in unserem Körper sind, sollten trotzdem wichtig sein. Seit dem Interview habe ich oft darüber, was mir der Projektleiter erklärt hat, nachgedacht. Wie sehr ich meinen Körper schädige, bemerke ich zwar gerade nicht, aber in 20 Jahren werde ich das. Oder in 30. Es ist nicht wichtig, wann ich es bereue, aber ich werde es. Denn immerhin ist falsche Ernährung der häufigste Auslöser von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Am beeindruckendsten an dem Gespräch mit ihm empfand ich allerdings seine Ambition für dieses Projekt. Seine Leidenschaft und Liebe, die er für so etwas entwickeln konnte. Er erzählte, auch er habe nicht immer gesund gegessen. Aber er hat es gelernt. Und er hat es, so habe ich es in seinen Worten deutlich gehört, lieben gelernt. Warum sollte ich das nicht auch können? Ein gesundes Leben ist mir in der Jugend noch geschenkt, doch später fällt all das Sitzen, die wenige Bewegung und vor allem der Zucker auf mich zurück. Letztendlich sollte ich mir aus Selbstliebe dieses Geschenk machen und das reduzieren, was mich mich selbst später weniger lieben lässt, da ich sehen werde, was ich mir selbst damit angetan habe. Vielleicht war dieses zufällige Gespräch das, was mich warnen sollte. Vielleicht war das Schicksal.

    Titelfoto: Pixabay

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