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  • Clubs auf Sparflamme

    Die Clubs sind leer und dadurch auch ihre Kassen. Über den Sommer haben sie sich durch Festivals retten können. Wie es weitergehen soll, wissen sie nicht.

    Sich in kollektiver Intimität ergreifenden Sounds hingeben, tanztrunken dem Alltag entfliehen. Das und alles andere, was das Clubleben so mit sich bringt, fand mit dem Ausbruch der Pandemie ein jähes Ende.

    Bis heute kann von Normalbetrieb nicht die Rede sein, Clubs und ihre Kassen sind leer. Antje Hamel, Sprecherin des Werk 2 und der Interessengemeinschaft LiveKommbinat warnt: Die Lage sei sehr ernst. Seit März haben die Clubs keine Einnahmen verzeichnet, ständig müssen sie auf Rücklagen zurückgreifen.

    Vor der Sächsischen Corona- Schutzverordnung sind Clubs nicht gleich Clubs. Sogenannte Livespielstätten, bei denen verschiedene, individuell eingeplante Künstler*innen auftre­ten und die somit als „kulturelle Einrichtung“ gelten, dürfen seit Juli wieder öffnen – im Gegensatz zu Diskotheken, die häufig umgangssprachlich als „Clubs“ bezeichnet werden. Diese fallen unter den Begriff „Vergnügungsstätten“ und müssen somit ihre Türen komplett ge­schlossen halten.

    Finanziell helfen die Lockerungen den Spielstätten jedoch nur bedingt. Durch die strengen Auflagen könne maximal ein Viertel der Kapazität ausgeschöpft werden, wodurch auch die stattfindenden Indoor-Veranstaltungen nicht rentabel seien, erzählt Hamel.

    Steffen Kache von der Distillery schätzt, dass Rücklagen bis Ende des Jahres aufgebraucht sein werden. Ähnliches prognostiziert auch Antje Hamel. Dann sei selbst das Werk 2, einer der größeren und wirtschaftlich stärkeren Clubs, pleite.

    Hoffnungen auf die baldige Erlaubnis von unbeschränkten Indoor-Clubveranstaltungen in Sachsen, wie einer großen Silvesterparty, hat Hamel nicht. Auch in Spielstätten sind solche größeren und somit ertragreichen Veranstaltungen nicht erlaubt. In Sachsen-Anhalt aber sollen Diskobesuche ab November schon wieder möglich sein – jedoch nur mit Abstand und Maske. Das hält Kache für realitätsfern. Sinnvoller sei eine Regelung, die zu einem Coro­na-Schnelltest vor jedem Club­besuch verpflichtet. Wie der Virologe Christian Drosten in seinem NDR-Podcast sagt, sind Schnelltests weniger zuverlässig als das Labor-Verfahren. Von infizierten 100 Personen, zeige er bei vier Menschen keine In­fektion an. Kache findet jedoch, bei einer Erkennungs­rate über 95 Prozent sei es unver­hält­nis­mäßig, Schnell­­tests nicht zu nutzen.

    Was dann also, wenn sich bis zum neuen Jahr tatsächlich nichts an den Regelungen ändert? „Darüber habe ich noch gar nicht wirklich nachgedacht. Ich bin noch nicht so weit“, sagt Antje Hamel mit einem bitteren Lachen. Jetzt schöpfe sie zunächst einmal viel Energie aus der enormen Solidarität, die sie un­ter den Clubs, von Seiten der Be­völkerung und der Stadt spüre.

    Ein Produkt dieser Solidarität war das Outside-Festival, das vom 21. August bis zum 27. September auf der Festwiese am Sportforum stattfand. Innerhalb eines Monats haben verschiedene Leipziger Initiativen ein vielfältiges Fünf-Wochen-Programm auf die Beine gestellt, bei dem von Technoabenden bis zum Kinderprogramm alle auf ihre Kosten kamen. All das wäre ohne die Unterstützung der Stadt nicht möglich gewesen, sagt Hamel. 200.000 Euro Kulturhilfe hat die Stadt zur Verfügung gestellt, was in Zeiten so leerer Töpfe nicht selbstverständlich sei.
    Dieser Gemeinschaftsgeist sei, was es in Zeiten von so viel Aggression in der Bevölkerung brauche, findet Hamel. Hier spiele Kultur eine große Rolle. „Mal zu einem Konzert zu gehen, einen Schnaps zu trinken, abzuzappeln“ – das schaffe einen Ausgleich, der sich auf die gesamte Gesellschaft auswirke.

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