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    Lehramtsstudierende der Universität müssen wegen Corona ausgefallene Praktika beklagen. Für viele bedeutet das der Ausfall einer wichtigen Lernerfahrung vor dem Referendariat.

    Das Sammeln praktischer Erfahrungen im Schulalltag verlief für Lehramtsstudierende nicht gerade reibungslos in Zeiten der Pandemie. Blockpraktika, die für den März vorgesehen waren, mussten nach zwei Wochen abgebrochen werden. Und studienbegleitende Praktika, bei denen die Studierenden einen Vormittag in der Woche in einer Schule verbringen, fanden im Sommersemester überhaupt nicht statt.
    Die Universität Leipzig mus­s­te deshalb verschiedene Maßnahmen finden, um den Studierenden dennoch einen reibungslosen Studienverlauf zu ermöglichen. Zum Beispiel gab das Rektorat bereits etwa eine Woche nach den Schulschließungen im Frühjahr bekannt, dass die Blockpraktika dennoch als Studienleistung anerkannt würden. Statt des studienbegleitenden Tagesprak­­ti­­­kums bot die Uni während des Sommersemesters ein Begleitseminar an, in dem die Studierenden eine Lehrstunde vorbereiteten und ein digitales Lernangebot für Schüler*innen entwickelten.
    „Das Begleitseminar konnte einem richtigen Praktikum definitiv nicht gerecht werden, aber immerhin wurde eine Alternative entwickelt“, sagt Georg Biegholdt, Studien­ko­­­­or­dinator des Instituts für Pädagogik und Didaktik im Elementar- und Primärbereich der Universität Leipzig. Kirsten Nestler studiert Grundschullehramt und musste in diesem Sommersemester auf ihre Praxiserfahrung verzichten. „Ich bedauere, dass das Tagespraktikum nicht stattfinden konnte, aber bin sehr froh, dass ich durch die Entwicklung eines digitalen Lernangebots immerhin etwas Neu­es lernen konnte“, erzählt sie.
    Seit September können Block­­­praktika wieder vor Ort statt­fin­den – unter der Voraussetzung, dass die Schulen einen Hygieneplan erstellen. Das besagt eine Allgemeinverfügung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt vom August 2020. Für manche Studierende kam ein Praktikum aber gar nicht in Frage, zum Beispiel wenn sie einer Risikogruppe angehören. Für Schwang­ere gilt momentan sogar ein betriebliches Beschäftigungsverbot, sodass ein Prak­tikum ohnehin nicht möglich ist. „Studierende können ihr Praktikum unkompliziert verschieben“, versichert Biegholdt. „Zudem berät die Studienkoordination Studierende, die keine Zeit verlieren wollen, über Alternativen.“
    Die Hygienepläne sahen von Schule zu Schule verschieden aus. Eine Studentin berichtet von ihrer Praktikumszeit im September, dass die angestellten Lehrer*innen alle drei Wochen einen Coronatest machen mussten. „Die Anfrage der Direktion, dass ich auch getestet werde, lehnte die Stadt aus Kostengründen ab“, erzählt sie. Dennoch habe sie sich sicher gefühlt, da sie wusste, dass ihre Kolleg*innen das Virus nicht haben. Andere Studierende erlebten an ihren Schulen keine solchen Maßnahmen. Und auch innerhalb der Schulen herrschte nicht immer Einigkeit. „Die Schüler*innen mussten bei manchen Lehrer*innen Masken tragen, wenn sie durch den Klassenraum liefen und bei anderen nicht“, erzählt eine Studentin von ihrem Praktikum an einem Gymnasium.
    Den Schulalltag und auch die universitären Anforderungen an die Praktikumszeit empfanden die meisten Studierenden kaum anders im Vergleich zu einem Praktikum im Normalbetrieb. Viele Studierende beschäftigt aktuell vor allem die Sorge vor einem wiederholten Abbruch der Praktika. Grundschullehramtsstudentin Lisa bezeichnet das als „Worst Case Szenario“. Ihr Praktikum im September endete abrupt, weil sich eine Lehrerin mit dem Virus infiziert hatte. Sie hofft nun, dass sie es noch bis zu den Herbstferien abschließen kann, um nicht auf Praxiserfahrung verzichten zu müssen. „Ich habe sonst das Gefühl, unvorbereiteter als die anderen in das Referendariat zu gehen.“

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