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    Die Leipziger Sportroute bietet die Möglichkeit, an der frischen Luft wichtige Eckpfeiler der sportlichen Historie Leipzigs zu entdecken. Sie soll im kommenden Jahr noch verlängert werden.

    Wer aus Richtung des Universitätsklinikums zum Haupt­campus am Augustusplatz unterwegs ist, passiert unter Umständen auch die da­zwischenliegende Leplaystra­ße. Zwi­schen beschaulichen Altbau­ten ragt hier die vor rund zehn Jahren sanierte, nach der Straße benannte Turnhalle empor. Auf dem Gelände der heute mehr als 5000 Quadratmeter großen Halle wurde im Jahr 1847 das erste Leipziger Turnhaus erbaut. Zuvor befand sich dort der erste Turnplatz des damaligen Stadt­gebietes. Die geschichtsträch­tige Halle bildet die erste von insgesamt 22 Stationen der Leipziger Sportroute, die man seit Ende Juni vergangenen Jahres begehen kann.

    „Bei dieser Sportstätte findet man eine sehr schön historisch gewachsene Situation vor“, schildert Wolfgang Metz vom Leipziger Sportmuseum. Die Sportroute soll besonders prägnante Orte der hiesigen Sportgeschichte markieren. „Auf dem Areal, das vom 1845 gegründeten Allgemeinen Turnverein zu Leipzig (ATV) genutzt wurde, hatte der organisierte Sport der Stadt seinen Ursprung“, begründet er die Wahl des Objekts in der Leplaystraße für die Einweihung der Route. Außerdem soll die Sportroute auch historische Institutionen, Persönlichkeiten oder Ereignisse des Leipziger Sports würdigen.

    Mit zunächst 30 verschiedenen Routenstationen hat das Sportmuseum das Projekt 2003 erstmals an die Stadt Leipzig herangetragen und im vier Jahre später vom Stadtrat beschlossenen Museumskonzept verankert. Nach langjährigem Stillstand wurde die Planung 2017 wieder aufgenommen. Für die bauliche Umsetzung ist das Kulturamt Leipzigs verantwortlich. „Es ist ein kontinuierlicher Prozess, wobei na­türlich viele Umstände und Zwänge eine Rolle spielen“, sagt Metz und verweist auf den Denkmalschutz oder die emsige Suche nach Sponsor*innengeldern, die für die kostenintensive Errichtung und Instandhaltung der Stationen vonnöten sind. Neben dem klassischen Turnsport und dem ATV Leipzig, welcher auch Jahrzehnte nach seiner Gründung noch zu einem der bedeutendsten Vereine des Deutschen Reiches zählte, prägten weitere Impulse die städtische Bewegungskultur. „Das, was wir aus heutiger Sicht unter dem modernen Sport verstehen, darunter auch Radsport, Fußball oder Leichtathletik, kam jedoch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts nach Deutschland.“ Diese und weitere Sportarten sollen künftig ebenso quer über die Stadt verteilt auf den Tafeln und Fahnenstelen der Route verwirklicht werden.
    Auf dem heutigen Zoogelände begann 1882 beispielsweise die Historie des Leip­ziger Radsports, indem Pro­menadenwege des Zoologi­schen Gartens die erste Rad­rennbahn Mitteldeutschlands bildeten. Die ehemaligen Bauernwiesen in Connewitz wurden ein Jahr später von der „Spielvereinigung“ des ATV Leipzig erstmals für Fußballspiele genutzt. In den Folgejahren entstanden zahlreiche Lokalclubs, darunter der VfB Leipzig, ehe 1900 der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hier gegründet wurde. Der heutige Routenstandort am Fockeberg wurde zeitgleich mit der Halle Leplaystraße eingeweiht. Für die Gestaltung der siebten Sta­tion, wie auch für die Optik der übrigen Anlaufstellen, wur­de ein Wettbewerb ausgeschrieben. Als Gewinner ging dabei 2018 das Stuttgarter Büro Uebele hervor, welches zuvor auch das Corporate Design des Deutschen Bundestages umgesetzt hatte. „Verwen­dete Farben, Geometrien, Zif­fern oder Schriften sind na­tür­lich stark angelehnt an die Symbolsprache des Sports“, erklärt Metz und verdeutlicht den Wiedererkennungswert des Konzeptes. Nächstes Jahr sollen vor Beginn des 44. Deutschen Turnfestes im Mai und im Rahmen des Themenjahres „Soziale Bewegungen“ zwei weitere Stationen folgen. Auch geführte Touren entlang der Sportroute sind momen­tan in Planung.

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