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    Im Thema-Ressort widmen wir uns im Juni der Thematik „Koloniale Spuren in Leipzig“. Im Glossar geht es darum, welche Begriffe den Kolonialismus widerspiegeln – und was wir alternativ sagen können.

    Kolonialismus

    Der Verein Leipzig postkolonial definiert auf seiner Internetseite Kolonialismus als „Herrschaftsbeziehung zwischen Kollektiven“, bei der eine „kaum anpassungswillige Minderheit der Kolonialherren über die Lebensführung der Kolonisierten“ bestimmt. Dies wurde oft durch pseudowissenschaftliche Doktrinen verschiedener menschlicher „Rassen“ oder Kulturen legitimiert, wobei die „Rasse“ der Kolonialherr*innen inhärent höherwertiger sei als die anderen. Die historische Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus dauerte in etwa vom Ende des 15. Jahrhunderts (seit Christoph Kolumbus‘ Amerikareisen) bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Die meisten Kolonien erreichten ihre Unabhängigkeit bis Ende der 1960er Jahre, die übrigen folgten bis zum Ende des Jahrtausends. Trotzdem existiert kolonialistisches Gedankengut weiterhin in vielen Teilen der Gesellschaft.

    Orient, Orientalismus

    „Orient“ hat keine echte geografische Bedeutung, sondern bezeichnete in seiner Begriffsgeschichte verschiedenste enger oder weiter gefasste Weltregionen. Der von Edward Said geprägte Begriff des Orientalismus bezeichnet den abwertenden Diskurs des „Okzidents“ (Gegenbegriff zum „Orient“, der „Westen“) über den „Orient“ als „das Andere“. Dadurch will „der ‚Okzident‘ sowohl seine eigene Identität schärfen und sich selbst privilegieren als auch seine hegemonialen Machtansprüche rechtfertigen“, erklärt Ellen Grünkemeier vom Institut für Anglistik der Universität Leipzig. Dem „Orient“ werden dabei verschiedene Stereotypen zugeschrieben, wie zum Beispiel korrupt, brutal, irrational, aber auch sinnlich, emotional und feminin sowie zeitlos. Über diese Stereotype wurde er zur Projektionsfläche für die Vorstellungen der Europäer*innen, so produzierten zum Beispiel viele Künstler*innen Bilder, Romane, etc. über den „Orient“, ohne ihn zu kennen oder sich dafür zu interessieren, wie er in Wirklichkeit ist.

    Naher Osten

    Wird zwar oft als Alternativbegriff für „Orient“ verwendet, enthält aber genauso eine koloniale, eurozentristische Perspektive (also eine Perspektive, die rein nach europäischen Vorstellungen und Werten beurteilt). „Nah wozu? Der Nahe Osten wäre damit auch wieder ‚nah‘ an Europa, ‚nah‘ an den dominanten, ehemaligen Kolonialmächten der Welt“, sagt Grünkemeier. Stattdessen sollte man konkret von den Gruppen sprechen, auf die man sich im Einzelfall bezieht.

    Dritte Welt

    Synonym für „Entwicklungsländer“. In dieser veralteten Hierarchie stellen die Industriestaaten die „Erste Welt“ und die Schwellenländer die „Zweite Welt“ dar. Dies verschleiert jedoch die historischen Verantwortlichkeiten der Ungleichheit. Besser geeignet sind die Begriffe „Globaler Süden“ und „Globaler Norden“. Diese beschreiben dabei keine tatsächliche geographische Lage, sondern „eine benachteiligte oder privilegierte Stellung in einer globalisierten Welt“, erklärt der Verein Neue Deutsche Medienmacher*innen in seinem Glossar.

    exotisch

    Ist oberflächlich positiv konnotiert, enthält aber pauschale rassistische Zuschreibungen wie etwa, dass die Bewohner*innen des Globalen Südens generell „naturverbundener“, aber damit auch „primitiver“ seien als die Einwohner*innen der westlichen Industriestaaten. Seit der Kolonialzeit ist der Begriff eng verbunden mit dem idealisierten, oft auch sexualisierten Bild der sogenannten „edlen Wilden“.

    fair

    Wird zwar heute meist als Synonym für „gerecht“ verwendet, die ursprüngliche Bedeutung des Wortes im Englischen ist aber „hellhäutig“. Somit geht die Verbindung von „Fairness“ mit „Gleichberechtigung“ direkt zurück auf die koloniale Ideologie, in der „hell“ automatisch mit „gut“ und „dunkel“ mit „schlecht“ oder „gefährlich“ gleichgesetzt wurde. Damit wurde die Eroberung der kolonisierten Gebiete und die Gewalt gegen die dort lebenden Menschen gerechtfertigt. Stattdessen können kontextabhängige Synonyme wie zum Beispiel „gerecht“ verwendet werden.

     

    Quellen: Leipzig postkolonial, Der Braune Mob, Der Schwarze Blog, Neue Deutsche Medienmacher*innen, Institut für Anglistik der Universität Leipzig

    Alle Artikel mit dieser Grafik gehören zur Online-Thema-Seite Juni. Damit wir keine rassistischen und klischeehaften Objekte grafisch reproduzieren, zeigt die Thema-Grafik dieses Mal Leipzig und den Kolonialstein. Der Findling in der Nähe des Völkerschlachtdenkmals diente seit den 1920er Jahren als Erinnerung an den „Verlust“ der deutschen Kolonien nach dem Ersten Weltkrieg. Die Inschrift „Deutsche, Gedenkt Eurer Kolonien“ wurde in der DDR entfernt. /pb

    Grafik: Marie Nowicki

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