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    Aufgrund der Coronapandemie findet das Semester an der HMT vorerst online statt. Eine große Herausforderung bei den vorrangig praktischen Lehrinhalten.

    Wo sonst gesungen, musiziert und Theater gespielt wird, steht jetzt alles still. Die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ (HMT) bleibt aufgrund der Coronapandemie noch mindestens bis zum 3. Mai geschlossen. Für viele der gelehrten praktischen Inhalte müssen jetzt individuelle Lösungen gefunden werden. Auch das studentische Leben kann nicht mehr in gewohnter Form stattfinden.

    Rebecca studiert im zweiten Bachelorsemester Klassischen Gesang und hat über die Verschiebung des Semesterstarts per Mail erfahren. Zunächst war sie überrascht, lange schien ihr die Krise sehr fern. „Und dann passierte alles innerhalb von einer halben Woche: Jetzt machen die Schulen zu, dann die Geschäfte und dann gab es unter den Studierenden auch Spekulationen, dass jetzt auch die Hochschule zugemacht wird“, erzählt Rebecca.

    Ein Porträtbild von Floriane

    Floriane ist froh über den Online-Unterricht. Foto: Privat

    Mittlerweile finden einige der Lehrveranstaltungen online statt. „Gerade ist es gefühlt für alle Studierenden anders“, sagt Rebecca, die ihren Klavier- und Sprechunterricht jetzt über Skype hat. „Meine Gesangslehrerin hat sich erstmal geweigert, weil das kein Ersatz für Gesangsunterricht ist, aber dann hat sie gemeint das es vielleicht besser ist als nichts“, erzählt die Studentin.

    Auch Floriane, die an der HMT Schulmusik und Deutsch auf Lehramt an der Uni Leipzig studiert, kann ihren Klavierunterricht mithilfe von Videokursen fortsetzten. Da sie in diesem Jahr eine Klavierprüfung hat, freut sie sich, dass sie nun von zu Hause aus üben kann. Trotzdem sind sich beide Studentinnen einig, dass diese Lösung nicht ideal ist. „Es ist kein Ersatz für das Praktische im Unterricht, aber es bringt einen schon weiter“, sagt Floriane. Für die Studierenden ist es wichtig, dass sie weiterhin die Möglichkeit haben, unter Betreuung zu üben. „Operngesang ist für die Stimme wie ein Hochleistungssport und wenn man lange ohne Ziel übt und sich dann nicht mehr sicher ist, ob die Technik stimmt, kann man sich was falsch angewöhnen und auch kaputt machen“, erklärt Rebecca.

    Ein Porträtbild von Nils

    Eigentlich ist Schauspielstudent Nils in seinem letzten Semester. Foto: Privat

    Mancher Unterricht kann aber unmöglich online stattfinden. Nils studiert Schauspiel im 4. Mastersemester, eigentlich sein letztes Semester an der HMT. „Prinzipiell kann man Schauspiel nicht online unterrichten, das Herzstück des Studiums ist der Schauspielunterricht. Ich wünsche mir, dass es so schnell wie möglich weitergeht, weil das meiste im Schauspielstudium nur live und echt mit anderen Menschen in einem Raum passieren kann, aber ich bin da nicht so optimistisch“, sagt Nils.

    Neben den Lehrveranstaltungen ist es besonders schwer, das studentische Leben zu ersetzten. „Ich finde, es wird schnell ziemlich einsam“, sagt Rebecca. „Ich würde gerne meine Freunde sehen und gemeinsam musizieren, das geht zwar irgendwie über Skype, aber das kann dann nicht so spontan sein. Jammen mit Freunden ist auch schwieriger, ich bin sonst eine Person, die das regelmäßig macht.“

    Auch wenn das Semester im Mai richtig starten sollte, werden viele Projekte nicht stattfinden können. Die geplante Hochschulproduktion der Oper „La Bohéeme“ wird auf nächstes Jahr verschoben, Rebecca sollte im Opernchor singen. „Das heißt, auch wenn das Semester wieder losgeht, fehlt da irgendwas.“, erzählt sie. Mit der Arbeit der HMT sind die Studierenden zufrieden und fühlen sich gut informiert. Sie hoffen, dass der Hochschulbetrieb so bald wie möglich wieder starten kann. Rebecca wünscht sich, dass „es insgesamt den Menschen gut geht, wenn das vorbei ist, es ist ja nicht einfach, so lange zu Hause zu bleiben.“

    Titelfoto: privat

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