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    Den außergewöhnlichen Start des diesjährigen Sommersemesters haben Angehörige der Universität Leipzig auf sehr verschiedene Weise erlebt und wahrgenommen. Wir haben drei Blickwinkel zusammengetragen.

    Am vorvergangenen Montag begann an der Universität Leipzig planmäßig das Sommersemester. Dieser Satz mag für den Termin stimmen, nicht aber für die meisten Veranstaltungen.  Hier wollen wir drei Perspektiven auf den Start dieses besonderen Semesters legen: den einer Dozentin, den von Studierenden und den des Prorektors für Bildung und Internationales der Universität Leipzig.

    Die Dozentin

    Lehrende waren zu diesem Semesterstart gefordert wie selten. Der Vielzahl von Emails in den Postfächern der Studierenden konnte man entnehmen, wie unterschiedlich Dozierende die fehlenden Präsenzveranstaltungen kompensieren. Naomi Truan, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik, ließ es langsam angehen. Generell nahm sie ihre Kolleg*innen in Schutz: „Die meisten sind nicht schon eine Woche vor Semesterbeginn mit der Vorbereitung der Kurse fertig“, sagt sie. Sie selbst informierte zwar schon frühzeitig, ihre offene Sprechstunde über eine digitale Plattform startete dennoch „so richtig“ erst in der zweiten Woche. „Wir brauchen alle erstmal eine Woche zum Eingewöhnen, bevor wir tatsächlich über Seminarinhalte diskutieren können“, sagt die Dozentin. Über die Lernplattform Moodle nahm sie sofort Kontakt zu ihren Studierenden auf, jedoch nicht nur um ihnen Texte aufzugeben, sondern um vor allem zu fragen, wie es ihnen unter diesen Umständen geht. „Ich weiß, dass der Semesteranfang mit großer Unsicherheit verbunden ist“, schrieb sie ihren Kursteilnehmer*innen. Viele meldeten sich zurück, obwohl sie noch nie persönlichen Kontakt zu Truan hatten. „Es ging in den Nachrichten viel um Überforderung“, erzählt sie. Manche fühlen sich allein gelassen. Viele dankten Truan dafür, dass sie ihre Ängste und Befürchtungen ihr gegenüber frei ausdrücken konnten. „Es kann im Moment nicht nur um Inhalte gehen“, schreibt Truan auch auf Twitter. Es gehe vor allem darum, „gemeinsam durch diese turbulente Zeit zu kommen“.

    Die Studierenden

    Der diesjährige Semesterstart war für viele Studierende mit Ungewissheit verbunden. Wer die Modulbelegung überstanden hatte, musste sich durch diverse Instituts- und Fakultätsseiten klicken, in der Hoffnung auf Informationen zum Ablauf und technischem Aufbau ihrer Kurse. Emails über die Unimailadresse zu verschicken war zu bestimmten Zeiten wegen überlasteter Server nicht mehr möglich, Studienbüros und Helpdesks arbeiteten auf Hochdruck. Vieles wurde, weil es nicht anders ging, trotz offiziellem Semesterstart auf die hoffentlich bald beginnende Präsenzzeit verschoben, beispielsweise Labore oder Praktika. Am Wochenende vor dem 6. April hat luhze über die sozialen Medien gefragt, wie die Studierenden sich auf das Semester vorbereitet fühlen. Die meisten gaben an, keine oder nur wenige Informationen zu haben, wie es losgeht. Eine Studentin äußerte Unverständnis darüber, dass die Infos so kurzfristig gekommen seien. Einige Studierende gaben jedoch auch positive Rückmeldungen, einzelne Institute stellten ausführliche Informationen bereit. Besonders schwer sei es gewesen, sich in der ersten Woche zu motivieren. „Extrem stressig“, fasst eine der Rückmeldungen den Semesterstart zusammen. Trotz all des Trubels ist einer Studentin allerdings auch eines wichtig: „Solidarität mit Dozis und Studis“.

    Der Prorektor

    „Grundlegend ist: Das Semester ist hervorragend angelaufen“ – so lautet die Bilanz von Thomas Hofsäss, Prorektor für Bildung und Internationales der Universität Leipzig. Gut sei, dass die Zahlen bei der Moduleinschreibung dieselben seien wie vergangenes Semester. „Es geht los, wenn auch anders“, fasst Hofsäss die Stimmung zusammen. Natürlich gebe es eine große Menge an Einzelfragen, die noch gelöst werden müssen. Dennoch bemühe man sich, spontane Lösungen zu finden, so etwa auch bei Prüfungen. Am Ende ziehen aber nach Ansicht des Prorektors alle gut mit – von Studierenden bis zum Staatlichen Prüfungsamt. Den Hauptgrund für den erfolgreichen Start sieht Hofsäss in der Vorbereitung, dem „digitalen Vorlauf“. Lehrende hätten sich mit großem Engagement auf die neuen Formate eingelassen. Am Anfang gab es zwar Probleme mit der Serverkapazität der Universität, die Uni habe aber zusätzliches Geld in die Hand genommen, auch etwa für Lizenzerweiterungen, die Studierenden ermöglicht, auf mehr wissenschaftliche Texte zugreifen zu können. „Wir haben dadurch einen erheblichen finanziellen Mehraufwand“, sagt Hofsäss. Die Universität erhoffe sich allerdings die Kompensation dieses Geldes durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.

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