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    Spoilerfreie Rezension: Zum dritten Mal endet eine Star Wars-Trilogie. Zum dritten Mal muss ein Film verschiedene Handlungsstränge zusammenfassen und Mysterien auflösen. Zum zweiten Mal gelingt es.

    „Star Wars“ zieht sich durch mein Leben wie sonst nur wenige Geschichten. Bevor ich je einen der Filme gesehen hatte, kannte ich die Handlung schon längst aus den Lego-Videospielen. Ich habe Druiden und Droiden verwechselt – Asterix war mir bekannter als Luke – und auf dem Schulhof einen Admiral der Rebellion gespielt. Zu Hause warteten dann Lego-Sets auf mich, die prompt in ein intergalaktisches Schlachtfeld verwandelt wurden, ob sie nun aus der „Star Wars“-Reihe stammten oder friedliche Vorstadtoasen darstellen sollten. Dementsprechend groß war meine Aufregung, als Disney 2012 ankündigte, 2015 die seit zehn Jahren ruhende Reihe wiederzubeleben. Ich habe fieberhaft auf jeden neuen Trailer gewartet. Das erste Mal im Kino die riesige gelbe Schrift und die unverwechselbare Einstiegsmelodie zu erleben, war fantastisch. Dann, zwei Jahre später, habe ich Episode 8 geliebt, gerade weil sie so anders als die vorherigen Filme war. Es sollte also keine Überraschung sein, dass ich diesen letzten Teil „Der Aufstieg von Skywalker“ sehr mag. Nicht, weil er wie Episode 8 ist. Sondern, weil Disney mir so ziemlich alles auftischen könnte; so lang „Star Wars“ darauf steht, wird es mir schwerfallen, es nicht zu mögen.

    Nichtsdestotrotz ist „Der Aufstieg von Skywalker“ ein in großen Teilen außerordentlich befriedigender Abschluss der Saga. Er erzählt wieder vom Kampf zwischen Gut und Böse und – wie die anderen Filme dieser dritten Trilogie – davon, wie wir jenen Kampf in unserem Innern austragen. Es geht darum, dass wir nicht dadurch definiert werden, was wir denken und fürchten. Wir definieren uns durch unsere Handlungen und die Entscheidungen, die wir jedes Mal aufs Neue treffen.

    Filmfigur Kylo Ren, gespielt von Adam Driver, legt einen Gegner mit seinem rot leuchtenden Lichtschwert um.

    Adam Driver darf endlich eine interessante Figur spielen.

    Im Zentrum stehen Jedi Rey (Daisy Ridley) und Sith Kylo Ren (Adam Driver), ambivalente Charaktere, die immer wieder mit sich selbst und einander ringen. Zum ersten Mal in der Trilogie ist sogar Ren interessant. Er ist nicht mehr der anstrengende, von Selbsthass zerfressene Weinerling, dessen Aufgabe es zu sein scheint, die Leben seiner Familie, Freund*innen und Feind*innen zu zerstören. Er macht eine interessante Entwicklung durch, wie immer eng verwoben mit der Reys.

    Diese Verwobenheit, die sich ebenfalls durch die Trilogie zieht, wird nur in Umrissen erklärt. Endlich ist die Macht wieder unergründlich, unerklärbar und wundervoll im wahrsten Sinne des Wortes. Man mag sich über ihre möglicherweise übertriebenen Kräfte aufregen, oder einfach akzeptieren, dass ein „Star Wars“-Film nicht realistisch sein muss. „Star Wars“ war und ist dazu da, uns in Staunen zu versetzen.

    Das schafft „Der Aufstieg von Skywalker“, wenn auch nicht mit so grandiosen Bildern wie in den zwei vorangegangenen Filmen. Es fehlt dieser eine Moment, in dem die unglaubliche Größe der Raumschiffe und -schlachten so gut zur Geltung kommt wie beim Durchklettern eines abgestürzten Sternenzerstörers in Episode 7. Es mangelt aber nicht an den typischen Weltraumschlachten, Lichtschwertduellen und leicht erzwungen wirkenden Liebeskonstellationen.

    Denn es ist natürlich kein perfekter Film. Einige Dialoge wirken leicht gestelzt, als gäbe es Sätze, die Regisseur J.J. Abrams unbedingt einbringen wollte. Ab und an rutscht er zu sehr in die Nostalgie hinein, ohne dadurch die Handlung weiterzubringen. Abrams erfüllt mit großer Freude die alten Klischees. Allen voran, dass ein Film der Reihe nicht ohne sehr große Kanone auskommen kann, was er sich wirklich hätte sparen können. Dennoch überwiegen die genussvollen Momente. Carrie Fisher wird dank Computertechnologie wieder zum Leben erweckt und ihre Leia Organa erhält den Abschied, den sie verdient. Immer wieder haben mich Personen und Sätze zu Tränen gerührt. Einerseits aus Nostalgie, andererseits weil die Botschaften des Films – Freundschaft, Hoffnung, der menschliche Wille zur Verbesserung der Welt – einfach rührend und wichtig sind, besonders heute, wo all das dringend notwendig ist.

    Die Filmfiguren Finn, gespielt von John Boyega, und Poe, gespielt von Oscar Isaac, mit C3PO auf einem Gefährt.

    Finn (John Boyega) und Poe (Oscar Isaac) werden von Abrams etwas vernachlässigt.

    „Der Aufstieg von Skywalker“ schließt zum dritten Mal eine „Star Wars“-Trilogie ab. Er bündelt fast alle Handlungsstränge, klärt offene Fragen und lässt Zuschauer*innen leicht verheult, aber glücklich aus dem Kino gehen. Es wird nicht der letzte Abschluss sein, denn Disney wird nicht aufhören, diesen Goldesel zu melken. Aber vielleicht ist es das letzte Mal, dass mich diese urkindliche Begeisterung packt, wenn die gelbe Schrift über den Sternenhimmel flimmert, und ich mit Charakteren mitwachse, statt sie nur wachsen zu sehen.

    Ab 18. Dezember im Kino

    Fotos: Lucasfilm

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