„Wuthering Heights“: Eine Adaption passend zum Valentinstag – oder doch zu Freitag, dem 13.?
Love Bound oder Trauma Bonding? Emerald Fennell bindet Brontës tragische Beziehung mit roter Schleife zusammen und verschenkt sie zum Valentinstag.
Dieses Jahr folgen Valentinstag und Freitag der 13. direkt aufeinander – pünktlich dazu bringt Emerald Fennell ihre Adaption von Emily Brontës Wuthering Heights auf die Leinwand. Das Marketing verkauft den Film passend zum Valentinstag als eine „Epic Romance“, mit einem „Friends to Lovers“ Arc. Nur zeichnet Brontës Roman ein deutlich düstereres Bild einer Liebe, geprägt von Obsession, emotionaler Abhängigkeit und generationenübergreifendem Trauma. Betrachtet man die Vorlage, hätte sich daher auch Freitag der 13. als symbolischer Starttermin und Marketingmasche angeboten.
Visuell ist Fennells Adaption beeindruckend. Es gibt kaum eine Szene, die sich nicht anhalten, wie ein Gemälde betrachten und auf versteckte Symboliken analysieren ließe. Die Landschaft Nordenglands ist vom Nebel umhüllt und vom Regen durchnässt. Hohe Klippen, steinerne Ruinen, raue Moorlandschaft. Dem verfallenden Anwesen der Earnshaws wird der prunkhafte, farbenfrohe Palast der Lintons gegenübergestellt, ein Kontrast wie Himmel und Hölle.
Gleichzeitig setzt der Film stark auf Körperlichkeit. Nahaufnahmen zeigen Haut, Haare und Schweiß. Essen wird beinahe sinnlich ausgestellt: Brotteig wird mit einer Hingabe geknetet, die ins Unangenehme kippt, ein Schwein wird in einer Szene geschlachtet, die zugleich verstörend und auffällig ästhetisiert wirkt. Alles ist glitschig, schleimig und nass. Der Soundtrack von Charli xcx unterstreicht dieses Unbehagen, insbesondere mit „House“ featuring John Cale, dessen beklemmend klingende Töne einem in Mark und Bein gehen. Ästhetisch ist dieses „Wuthering Heights“ im Hinblick auf Bühnenbild, Kostüm und Soundtrack ohne Frage.
Auf Instagram wird nach dem Kinobesuch ein „romantic afterglow“ versprochen. Nach dem Abspann drängen sich jedoch andere Fragen auf: Warum wird Heathcliff, eine Figur, deren racial ambiguity im Roman zentral ist, in einer Weise besetzt, die diesen komplexen Charakter weitgehend entpolitisiert? Warum wird eine toxische Beziehung als leidenschaftliche Liebe dargestellt? Warum wurde nur ein Teil der Erzählung verfilmt und genügt es, zwei attraktive Schauspieler in intensiv intimen Nahaufnahmen zu zeigen, um aus einer Geschichte von Obsession und Gewalt eine große Romanze zu konstruieren?
Brontë schrieb in Wuthering Heights, als eine der wenigen Frauen im Literaturkanon und für das 18. Jahrhundert bemerkenswert explizit über Themen wie class, gender und race. Warum also verzichtet Fennell auf eine postkoloniale Perspektive, die diese Themen ernsthaft behandelt? Stattdessen verschiebt der Film den Fokus auf Sex: sexy Szenen, sexy Schauspieler, sexy Kostüme.
Was diese Fokussetzung für Konsequenzen hat, zeigt sich am Charakter Isabella Linton, die in dieser Adaption weniger tragisch gequälte Figur als dramaturgisches Opfer ist. An der sadomasochistischen Beziehung mit Heathcliff, der Isabella in Brontës Roman heiratet und misshandelt, findet sie im Film gefallen. Dadurch wird nicht nur Heathcliffs Charakter verharmlost, sondern auch die von Brontë beschriebene häusliche Gewalt zu einer einvernehmlichen BDSM-Beziehung umgedeutet. Es ist bizarr, Isabella Linton wie einen Hund auf allen Vieren bellen zu sehen und man fragt man sich unweigerlich, ob es Fennells Absicht war, einige Szenen wie eine Fanfiction à la Fifty Shades of Grey erscheinen zu lassen.
Dabei liegt die eigentliche Tragik von Wuthering Heights nicht im erotischen Exzess, sondern im verweigerten Glück. Das „yearning“, von dem der Cast in Interviews auf dem „Wuthering Heights“ Instagram Account spricht, entsteht im Roman aus unerfülltem Begehren, aus dem, was nicht sein darf und aufgrund von gesellschaftlichen Vorschriften nicht eingelöst wird. Diese Adaption verliert etwas von der von Emily Brontë beschriebenen Tragik, da Emerald Fennels Version die Sehnsucht Catherines und Heathcliffs immer wieder körperlich erfüllt – eine Entscheidung, die dem Unterhaltungswert der Verfilmung allerdings stark entgegenkommt.
Die Anführungszeichen im Titel tragen dieses Projekt auf ihren Schultern, denn mit Emily Brontës Roman hat es nur bedingt zu tun. Wer sich für starke Musik und beeindruckende Bildgestaltung begeistert, wird hier dennoch einen sehenswerten Film finden. Es ist unterhaltsam, Margot Robbie und Jacob Elordi als Catherine und Heathcliff zuzusehen und die Bildgestaltung ist wunderschön. Man sollte sich nur bewusst sein, dass es sich weniger um eine werkgetreue Adaption handelt als um eine sexuell aufgeladene Neuinterpretation des Stoffes, anders als Brontës gesellschaftskritisches, gotisches Zeitstück.
Kinostart: 12. Februar 2026
Titelbild: Pixabay
Hochschuljournalismus wie dieser ist teuer. Dementsprechend schwierig ist es, eine unabhängige, ehrenamtlich betriebene Zeitung am Leben zu halten. Wir brauchen also eure Unterstützung: Schon für den Preis eines veganen Gerichts in der Mensa könnt ihr unabhängigen, jungen Journalismus für Studierende, Hochschulangehörige und alle anderen Leipziger*innen auf Steady unterstützen. Wir freuen uns über jeden Euro, der dazu beiträgt, luhze erscheinen zu lassen.
