Die Nouvelle Vague
Die französische Kinolandschaft ist eine heiß brodelnde Suppe an spannenden
Themen. Das ist nicht nur Trend, sondern eine langjährige Entwicklung, die ihren Ursprung in den
1950/60er hat.
Zu seiner Eröffnung zeigte das Französiche Filmfestival Leipzig am 19. November den in den USA im Mai 2025 erschienenen Film Nouvelle Vague des amerikanischen Regisseurs Richard Linklater. Dieser konnte durch Filme, wie School of Rock oder die Before Sunrise Reihe international schon an Aufmerksamkeit gewinnen.
Nouvelle Vague erzählt die Geschichte vom Dreh von Außer Atem von Jean-Luc Godard, der bahnbrechend für die Filmgeneration der Nouvelle Vague war und somit eine große Bedeutung für das Europäische Autor*innen-Kino hat. So war Außer Atem der erste Film Godard´s, dem Expert*innen mit François Truffaut und Claude Chabrol führende Rollen in der jungen französischen Filmszene Ende der 1950er zuschrieben.
In Interviews berichtet Linklater, dass Nouvelle Vague aus seiner Faszination für französische Filmemacher*innen und das Autor*innen-Kino der Nouvelle Vague entstanden sei und er mit dem Film eine Hommage an eben diese Zeit und kulturelle Strömung drehen wollte, die berühmte Intellektuelle, Filmschaffende und Musiker*innen hervorbrachte.
Godard´s Außer Atem legt den Grundstein einer Generation an Regisseur*innen, die mit klassischem Kino bricht. Schnelle Cuts, improvisierte Dialoge, direkte Kameraaufnahmen. Godard wirft in Außer Atem Themen auf, die eine junge Generation in den 1960er Jahren in Frankreich beschäftigen. Es geht um Freiheit, Rebellion, Entfremdung, aber auch um das Gefühl der Orientierungslosigkeit. Über 90 Minuten begleitet Godard den Autodieb Michel durch Paris, der nach dem er einen Polizisten umbringt, seine amerikanische Geliebte Patricia zur Flucht überreden will.
Richard Linklaters Film greift diese stilistischen und thematischen Elemente auf und erschafft so eine Art historische Dokumentation über den Dreh von Außer Atem und damit auch über den Regisseur Jean-Luc Godard, und die Hauptdarsteller*innen Jean Seberg und Jean-Paul Belmondo. Diese Adaption von filmischen Mitteln schafft eine schön anzuschauende Hommage an das europäische Kino der 1950er-1970er.
So wurde der Film auf französisch gedreht und mit französischen Schauspieler*innen besetzt. Wer ihn auf Deutsch oder Englisch sehen will, kann also nur mit Untertiteln vertröstet werden. Der Film ist zudem in schwarz-weiß gedreht und hat das Format 4:3, was zu seinem nostalgischen Look beiträgt.
Richard Linklaters Nouvelle Vague schafft es mit Gefühl die französische Kinowelt der 1950/60er zu portraitieren. Streckenweise zieht der Film sich jedoch, da inhaltlich wenig passiert und die Pointe zur Mitte des Filmes schon deutlich wird. Der Film funktioniert, wie eine Dokumentation zum Drehprozess von Godards Außer Atem, was sich besonders für Menschen eignet, die schon ein grundlegendes Interesse für die im Film behandelte Zeit und Szene haben, aber besonders für alle spannend sein kann, die noch nichts über die Nouvelle Vague wissen und in die Welt der französichen 1950/60er eintauchen wollen.
Wer den Film sehen will, kann dies in Deutschland in Programmkinos ab dem 12. März 2026.
Titelbild: Jean Louis Fernandez
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