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  • Fortschritt und Stillstand auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz

    Die Stadt gestaltet den Wilhelm-Leuschner-Platz mit Projekten von Forschungszentren bis Grünflächen neu. Manche davon machen Fortschritte, andere lassen sich Zeit.

    Die ersten hochbaulichen Maßnahmen des 2023 beschlossene Bebauungsplan des Wilhelm-Leuschner-Platz werden seit 2025 umgesetzt. Gleichzeitig müssen Teile des Projektes laut MDR Aufgrund des am 15. September verhängten Investitionsstops nun doch auf Eis gelegt werden. darunter die Musikschule, die Volkshochschule und die Markthalle.

    Bereits begonnene Projekte seien jedoch nicht betroffen. Dazu zählt das Naturkundemuseums, für das bereits im vergangenen Jahr Vorbereitungen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz begonnen und die Finanzierung bewilligt wurde. Ebenfalls gesichert ist die Finanzierung des Forschungsgebäudes Global Hub, dessen Baufortschritt im November mit einem Richtfest gewürdigt wurde. Laut der Universität Leipzig wird das Zentrum vom Bund und Land Sachsen finanziert und sich der Globalisierungsforschung widmen. Dort sollen Wissenschaftler*innen ab 2027 „globale Dynamiken und die damit verbundenen weltweiten Krisenphänomene“ untersuchen. Beteiligte Einrichtungen von der Universität sind unter anderem das Religionswissenschaftliche Institut, das Institut für Afrikastudien und das Global and European Studies Institute.

    Auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz soll auch neuer Wohnraum geschaffen werden. „Abhängig von den Wohnungs- und Haushaltsgrößen ist damit zu rechnen, dass etwa 400 bis 500 Menschen zukünftig hier ihr Zuhause finden werden“, so das Stadtplanungsamt. Weitere Projekte sind ein Neubau für die Juristische Fakultät der Universität Leipzig, das außeruniversitäre Forschungsinstitut Leibniz-Institut für Länderkunde, ein Forum Recht und ein Freiheits- und Einheitsdenkmal. „Der Wilhelm-Leuschner-Platz wird in den kommenden zehn Jahren einen ganz wesentlichen Entwicklungsimpuls für das Leipziger Stadtzentrum und die Südvorstadt leisten und nach mehr als 80 Jahren Brachen- und Parkplatzdasein seine natürliche Funktion als stadträumliches Bindeglied zurückerhalten“, resümiert das Stadtplanungsamt.

    Beim westlichen Teil des Wilhelm-Leuschner-Platzes entschied sich der Stadtrat gegen eine Bebauung. Zur Nutzung dieser Freifläche wurden 2024 Umfragen und Projekte zur Kinder- und Jugendbeteiligung durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen den ausdrücklichen Wunsch vieler Bürger*innen nach mehr Grün. Die Planung der Freiflächengestaltung begann im letzten Jahr und orientiert sich am Entwurf „Ökotopia“ des Ateliers Loidl, der eine umfassende Begrünung vorsieht.

    Dennoch wurde die Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platz aus ökologischen Gründen von Initiativen wie Ökolöwe Leipzig oder Stadtnatur scharf kritisiert. In einer Pressemitteilung zu einem Demoaufruf schrieb die Initiative Stadtnatur im März 2024, der Wilhelm-Leuschner-Platz sei ein Beispiel für Greenwashing, „indem eine Neuversiegelung von insgesamt mehr als 1,7 Hektar, der Verlust von über 160 mehr als 60 Jahre alten Bäumen sowie der Verlust von mindestens 17 Brutvogelarten auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz angeblich durch eine Freiflächengestaltung zum Hotspot der Artenvielfalt wird.“

    Auf eine Anfrage von luhze antwortete das Stadtplanungsamt: „Das Stadtzentrum und die zentralen Einrichtungen haben natürliche Erweiterungsbedarfe, die im Zentrum angesiedelt werden sollten.“ So strebe man eine Stadt der kurzen Wege an, was auch aus ökologischen Gründen richtig sei. Die Begrünung des westlichen Teils des Platzes sei eine wesentliche Entscheidung des Stadtrats für mehr Grün.

     

    Titelbild: Jonas Böhme

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