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  • Es werde Licht und es ward Lichtverschmutzung

    Lichtverschmutzung hat viele Auswirkungen auf Umwelt, Pflanzen und Tiere. Der Lichtmasterplan der Stadt Leipzig soll diese bekämpfen, steht aber im Konflikt mit vielen Sicherheitsfragen.

    Licht ist jene Macht, die sich selbst und ihr Gegenteil durchschaubar macht, nach Paramenides, einem vorsokratischen Philosoph. Licht steht für das Sein, das Gute, das Wahre. Damit ist es mächtiger und ethisch besser als sein Gegensatz, das Dunkle. Wider Paramenides erklärter ethischer  Vorherrschaft kann zu viel Licht jedoch vor allem eins sein: umweltschädlich.

    Lichtverschmutzung beschreibt die Aufhellung der Umwelt und des Nachthimmels durch künstliches Licht. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Elektrifizierung von Licht den Alltag der Menschen zu beeinflussen. Bis heute hören wir nicht auf, den Planeten mehr und mehr zu erhellen. Das hat Folgen für das Verhalten von Tieren und Pflanzen.

    Die Abkürzung ALAN steht für Artificial light at night. Grafik: Linda Freitag.

    Zwei Drittel aller Wirbellosen und ein Drittel aller Wirbelarten sind nachtaktiv und werden direkt von einer helleren Umwelt beeinflusst – es kommt zu Verschiebungen von Jagd-, Ruhe- und Reproduktionsphasen. Besonders Insekten sind betroffen. Helle Lampen überstrahlen den Mond, eigentlich zur Orientierung dienend, und die Tiere kreisen endlos um die Lampe.

    Auch Pflanzen reagieren auf künstliches Licht. Die Blütezeit stimmt nicht mehr mit Bestäubern überein oder das Laub wird zu spät abgeworfen. Bei eintretendem Frost wird dann das Pflanzengewebe beschädigt. Außerdem kann künstliches Licht bei Nacht dazu führen, dass Pflanzen  länger „wach“ sind und so mehr CO2 in die Luft abgeben, was unser Klima erhitzt. Das fand eine Studie 2025 für Nordamerika und Europa heraus.

    Die Stadt Leipzig hat sich mit Lichtverschmutzung auseinandergesetzt und entwickelte für 2019 einen „Lichtmasterplan“. Es wurden „Lichtempfindliche Gebiete“ definiert, in denen keine neue Beleuchtung gebaut sondern eher abgebaut werden soll. Auch Bewegungsmelder sollen vermehrt benutzt werden.

    Doch die Umwelt allein ist nicht ausschlaggebend für die städtische Planung von Licht.Vor allem die Punkte Stadtbeleuchtung und Sicherheit werden bedacht. Obwohl im Dokument warmweißes Licht als umweltschonender anerkannt wird, hält Leipzig am kaltweißen Licht für den Promenadenring fest: „Die Lichtfarbe bildet den gewünschten Kontrast zur warmweißen Lichtatmosphäre im Stadtzentrum“. Hier entscheidet sich der Lichtmasterplan für gestalterische Argumente statt für umweltliche.

    Der Aspekt „Sicherheit“ im Lichtmasterplan beschränkt sich auf die Verkehrssicherheit. Dass Licht sicherere Räume in Städten für marginalisiert Gruppen schafft, wurde nicht verschriftlicht.

    In einer Folge des Leipziger Podcast „Sprechen. Hören. Denken.“ über feministische Stadtentwicklung verweist die Sprecherin Judith Rothe auf teils schlecht beleuchtete Wege im Clara-Zetkin-Park. Susann Hänel vom Leipziger Referat für Gleichstellung betont, dass die Themen Sicherheit und Umweltschutz bei städtischer Lichtplanung vereint werden müssen. Ein konkreter Vorschlag ist ebenfalls Bewegungsmelder.

    Bis jetzt ist der Masterplan in Leipzig allenfalls wegweisend. Es wird wohl noch dauern, bis konkrete Richtwerte für Lichtemissionsschutz rechtlich bindend werden. Doch ein erster Schritt ist getan in Richtung der Erkenntnis, dass Licht auch schädlich sein kann und wir Dunkelheit manchmal brauchen. Wie der Theosoph Jakob Böhme sagte: „Die Finsternis ist die größte Feindschaft des Lichts, und ist doch die Ursache, dass das Licht offenbar werde.“

     

    Titelbild: Pexels

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