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    Das Sportfest „Inklusiv Gewinnt“ fand erstmals in Leipzig statt und zeigte, dass Menschen mit und ohne körperlicher Beeinträchtigung gemeinsam sowie gegeneinander in Wettkämpfen antreten können.

    Im Rahmen der Initiative „Inklusiv Gewinnt“ wurden am 5. Mai auf der Tartanbahn der sportwissenschaftlichen Fakultät neue Maßstäbe für den inklusiven Sport gesetzt. Bei dem innovativen Multi-Sportevent, dessen Premiere unter der Schirmherrschaft von Katarina Witt am 10. September 2023 in Potsdam stattfand, traten Athlet*innen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam an. 

    Das Besondere war, dass auf eine Aufteilung der Teilnehmenden in paralympisch, olympisch, deaflympisch oder Special-olympisch komplett verzichtet wurde. Für eine faire Vergleichbarkeit sorgte ein spezieller Modus: Die Bewertung wurde prozentual von der persönlichen Bestleistung abhängig gemacht. Wenn also jeder sein Bestes gäbe, könnten alle gleichzeitig ins Ziel gelangen. 

    Die zweimalige Olympia-Siegerin Katarina Witt war nicht nur als Schirmherrin und über ihre Stiftung gemeinsam mit der Deutschen Postcode Lotterie Hauptförderin des Events, sondern auch als Zuschauerin vor Ort. Hinterher resümierte sie: „Das Miteinander der Athletinnen und Athleten – auch über die Disziplinen hinweg, hat mich sehr begeistert.“ Sachsens Ministerpräsident Michael Kretzschmar beteiligte sich in diesem Jahr ebenfalls an der Schirmherrschaft und besuchte die Veranstaltung.  

    Der Wettkampf wurde von einem Familienfest begleitet, auf dem viele lokale Initiativen für Inklusion die Möglichkeit bekamen, sich sichtbar zu machen. Auch für das Publikum barrierefrei gestaltet, wurde es seinem Anspruch als inklusives Event gerecht. Die für die einzelnen Disziplinen vorgesehenen Plätze waren durch kurze Wege verbunden, es gab Audiodeskriptionen für Sehbehinderte und die Moderation des Sportjournalisten Torsten Püschel wurde in Gebärdensprache übersetzt.  

    Für den zweimaligen Olympioniken und WM-Medaillen-Gewinner Maik Petzold bedeutete die Teilnahme bei Inklusiv Gewinnt vor allem die Erweiterung des persönlichen Horizonts. „Ich habe während meiner sportlichen Laufbahn ja schon einiges erlebt, aber so ein Konzept, bei dem wirklich alle dabei sein können, kenne ich noch nicht“, gab er zu und war damit wohl nicht allein. Höchste Zeit also, dass sich das ändert.  

    Triathlet Petzold ist nur einer von vielen internationalen Top-Athlet*innen, die bei den verschiedenen Disziplinen antraten. Im Schwimmen starteten unter anderem die Paralympics-Siegerin Elena Semechin und der Olympia-Sieger Florian Wellbrock. Damit die Chancen für alle gleich waren, sprangen die Schwimmer*innen nacheinander ins Becken, abhängig von ihrer Bestzeit. Der erste Durchlauf der Frauen musste wiederholt werden, weil die letzten Starter*innen ihre individuellen Signaltöne durch den tosenden Beifall des Publikums nicht hörten. Als die Zuschauenden gebeten wurden, sich bis zum Start der letzten Athletin mit dem Anfeuern zurückzuhalten, wurde deutlich: Inklusiver Sport funktioniert nur, wenn alle aufeinander Rücksicht nehmen.  

    Gewinner*innen beim Schwimmen wurden Nele Tammert und Dennis Hermann, beide vom SC Riesa aus dem Bereich der Special Olympics. Besonders Tammert überraschte mit ihrer Leistung, da dies ihr allererster Wettkampf war. Hinterher erklärte sie: „Für mich bedeutet Sport vor allem, Spaß zu haben und gemeinschaftlich etwas zu tun.“ 

    Der Paralympics-Sieger Martin Schulz beim Triathlon  Foto: Martin Stein und Paul Fritz

    Beim Triathlon tat sich der Special-Olympics Athlet Moritz Kosmehl auf dem ersten Platz hervor. Der aus Chemnitz stammende Paralympics-Sieger Martin Schulz folgte ihm auf dem zweiten Platz. „Inklusiv gewinnt zeigt, dass alles möglich ist, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam Sport machen können“, sagte Schulz.  

    Sowohl beim Triathlon, den der sehbehinderte Triathlet Lennard Ehrler auf dem Tandem meisterte, als auch beim Sprint wurde die Strecke auf verschiedenste Weise bestritten: Die Gehörlosen-Europameisterin Tessa Lange legte sie zu Fuß zurück, der 14-jährige Amos Donath sprintete im Rollstuhl. Am schnellsten auf den 100 Metern waren Tim Linke und Frances Kreßner, Goldmedaillen-Gewinnerin der Special Olympic World Games 2023.  

    Als zweite leichtathletische Disziplin wurde Kugelstoßen ausgetragen. Hier besiegte die erstplatzierte Kristin Tondorf die Olympia-Teilnehmerin Sara Gambetta sowie den Gehörlosen-Weltmeister Christoph Bischlager.  

    Abschließend fand ein Sitzvolleyball-Turnier mit Spielern aus dem Dresdner SC 1898 sowie dem BV Leipzig statt. Die gemischten Teams lieferten sich ein spannendes und lustiges Match, das auch unter den Zuschauenden viel gute Laune verbreitete. Insgesamt zeichnete sich die Veranstaltung weniger durch sportlichen Ehrgeiz als durch Spaß und Gemeinschaftsgefühl aus. „Bei aller Konkurrenz untereinander, ist das Gemeinsame die große Klammer“, formulierte es Katarina Witt. 

    Aufgrund der Teilnahme so vieler Athlet*innen von internationalem Rang stellt sich die Frage, ob das Konzept auch als Anstoß für Weltmeisterschaften dienen kann. Martin Schulz gibt zu bedenken, dass der spezielle Modus dafür leider noch keine ausreichende Vergleichbarkeit gewehrleisten könne. Sportler*innen mit besonders hohen Bestleistungen könnten den Vorsprung der anderen auf kurzen Distanzen nur schwer einholen. Für nationale Wettbewerbe sei das Konzept aber durchaus Vorbild.  

    In Maik Petzolds Augen störe es nicht, wenn nicht alles hundertprozentig vergleichbar sei. „Wir vermitteln hier mehr als nur den Willen, zu gewinnen. Sportliche Werte und damit auch olympische Werte sind Respekt, Toleranz und Akzeptanz. Genau das wird hier deutlich.“  

    Katarina Witt hofft, dass Inklusiv Gewinnt auch im nächsten Jahr stattfinden kann. „Damit wir weiterhin Barrieren abbauen können und zeigen, wie wichtig inklusiver Sport ist.“ Fest steht, dass am 15. September diesen Jahres in Potsdam das nächste Sportfest geplant ist.  

     

    Titel: Elisa Pechmann

     

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