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  • Schwere Bagger treffen auf schwere Musik

    Das Full Force Festival ist endlich wieder zurück und für diejenigen von euch, die es dieses Jahr nicht geschafft haben, gibt es von den luhze-Redakteuren Johanna und Dennis ein paar Impressionen.

    Sonntagmittag, 14 Uhr und ungefähr 30 Grad Außentemperatur – wir erreichen Ferropolis und dürfen am Einlass erstmal eine 1,5-Liter-Flasche Wasser exen, die man, wie zu erwarten war, nicht auf das Gelände mitnehmen darf. Nach langer Pandemie-Zwangspause öffnet die sogenannte „Stadt aus Stahl“ endlich wieder ihre Pforten für uns und weitere 20.000 Besucher des diesjährigen Full Force Festivals.

    Fünf eindrucksvolle Stahlriesen weisen uns den Weg auf das Gelände des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus, welches nach seiner Schließung zum Veranstaltungsareal umfunktioniert wurde. Die Kulisse, bestehend aus besagten alten DDR-Baggern, umgeben von einer Container-Landschaft, könnte nicht passender sein.

    Das entsprechend von Winston McCall, dem Sänger der australischen Metalcore-Band Parkway Drive, einst als „The most metal place on earth!“ betitelte Festival zieht mit seinem vielversprechenden Line-up wieder Metal-Fans aus allen Ecken des Landes auf genau diesen Platz.

    Ostdeutschlands größte Veranstaltungsreihe für Metal, Hardcore und Punk begeistert die Fans der metallisch-harten Musik inzwischen seit 1994 mit einer fulminanten Mischung aus Szenegrößen und Newcomern. Es verwundert daher kaum, dass in den vergangenen Jahren neben Motörhead und Marilyn Manson schon Rammstein und Iron Maiden auf den Bühnen zu sehen waren. Und auch in diesem Jahr hat der Veranstalter einen erstklassigen Timetable erstellt, der ähnlich voll ist wie einige der Festivalbesucher an diesem dritten Tag.

    Die zwei Jahre Auszeit scheinen gerade in Bezug auf das Line-up wenig geschadet zu haben.  Vorfreude, schönste Freude – Auf der langen Liste an Bands, auf die man, durch Corona verschuldet, gleich zwei Jahre länger warten durfte, finden sich Größen wie Heaven Shall Burn, The Ghost Inside und Bullet for my Valentine.

    Was das Full Force Festival ausmacht, ist die abwechslungsreiche Mischung aus Metal-Genres. Deutlich wird diese ausgewogene Variationsbreite bei einem Blick auf den Time-Table. Unser Sonntags-Ausflug startet mit der kanadischen Hardcore-Band Get the Shot und führt uns gleich im Anschluss zum Konzert der britischen Mathcore-Band Rolo Tomassi, bei der die Sängerin Eva Spence uns mit sowohl klarem Gesang, als auch harten Screams umhaut.

    Um den vielen Acts Platz zu bieten, gesellte sich zu den bis 2019 nur drei Bühnen, der Mad Max Stage, der Medusa-Stage und der Hardbowl-Stage, in diesem Jahr eine weitere, die Backyard-Stage, hinzu. Diese inmitten einer Container-Landschaft gelegene kleine Bühne ermöglicht die notwendigen Kapazitäten für mittelgroße und ein paar Nachwuchs-Bands. Will man eine größtmögliche Anzahl von Bands erleben, kommt man deshalb allerdings nicht darum herum, nach fast jedem Konzert die Location zu wechseln und zur nächsten Bühne zu hetzen. Da bleibt praktisch keine Zeit für eine Abkühlung im angrenzenden See, aber naja, wir sind ja nicht zum Baden auf dem Gelände unterwegs. Statt ins kühle Nass gibt es für uns daher den Sprung in den ein oder anderen staubigen Moshpit, der sich während der Konzerte kreisförmig vor den Bühnen bildet und zum ekstatischen Abgehen einlädt.

    Während wir auf den Headliner des Tages, Heaven Shall Burn, eine Metalcore-Band aus Thüringen, warten, dürfen wir unter anderem Bands wie Crossfaith und Imminence genießen. Letztere, extra aus Schweden angereiste, Band sorgt in der prallen Mittagshitze bei Metalcore gepaart mit dem klassischen Klang einer Violine für Gänsehaut-Momente. Und auch die Mitglieder der japanischen Formation Crossfaith können uns mit der Verbindung von Hardcore-Metal und elektronischer Tanzmusik in ihren Bann ziehen.

    Imminence Band mit Headbanging und Geige

    Die schwedische Metalcore-Gruppe Imminence ziehen die Fans auf der Mad Max-Bühne in ihren Bann.

    Eigentlich gewinnen wir so ziemlich jeder auftretenden Band etwas ab oder können den Hype um sie zumindest nachvollziehen. Einzig Boysetfire entfachen etwas weniger Begeisterung bei uns. Klar ist es cool, dass die Jungs sich nicht nur in ihren Songs, sondern auch auf der Bühne für Menschenrechte stark machen, jedoch hätten wir auf eine extra lange, ins Mikrofon genuschelte Ansprache verzichten und auf ein paar härtere Klänge setzen können, auf die wir wiederum vergeblich warten. Heaven Shall Burn, eine Formation, die inzwischen schon 27 Jahre Jahre die Metal-Gemeinschaft mit ihrer Musik bereichern, setzen sich zwar in einem ähnlichen Ausmaß wie Boysetfire politisch ein, verzichten aber darauf, den Fans unnötig lange von ihrem Engagement zu erzählen, und liefern lieber musikalisch ab. Das Festival ist für sie praktisch ein Heimspiel, denn diesem haben sie eigenen Aussagen zufolge einen Großteil ihrer Bekanntheit zu verdanken. Wen wundert es da, dass die Jungs eine Show bieten, die an ein transzendentales Ereignis grenzt und in der Setlist alte Klassiker mit neuen Werken vereint. In den letzten knapp 1,5 Konzertstunden kommt somit jeder Besucher auf seine Kosten.

    Die euphorisierte Menge wird mit dem Scooter-Track „One, Always Hardcore“ auf das Motto der Heaven Shall Burn-Show eingestimmt. Gerade die bekannten Songs der Band „Black Tears“ und „Endzeit“ sorgen dafür, dass die Stimmung unter den Anwesenden wahrlich eskaliert. Diejenigen, die sich nach der Pandemie-Pause wieder in die Moshpits trauen, genießen die Töne umgeben von einer pulsierenden und tobenden Masse mit Blick auf die Feuershow der Bühne. Bei all den aufkommenden Glücksgefühlen ist Sänger Marcus Bischoff dann sogar gewillt, sein Hemd auszuziehen, was vom Publikum unter tobendem Beifall angeheizt wird.

    Crowdsurfing

    Ein paar Mutige lassen sich beim sogenannten Crowdsurfing durch die Menschenmenge tragen.

    „Es geht hier nicht um Geschwindigkeit, aber den ganzen Song will ich Bewegung. Lauf! Lauft! Lauft!“, schreit er ins Mikrofon und animiert die Fans dazu, einen sogenannten Circle Pit zu bilden und sich während des gesamten Songs „Behind A Wall Of Silence” in eine Richtung im Kreis zu bewegen. Eine Art Wirbelsturm entsteht, die Luft wird brennend heiß und die Band feuert das Ganze im wahrsten Sinne des Wortes mit ihren Flammenwerfern weiter an. Für alle Besucher, die nach der ganzen Aktion noch immer nicht genug haben oder an diesem Abend noch nicht abreisen wollen, gibt es gleich im Anschluss noch eine dreistündige Aftershow-Party, bevor das Festival letztlich endet.

    Keine zwölf Stunden nach unserer Ankunft sitzen wir ziemlich erschöpft wieder im Auto auf dem Weg zurück nach Leipzig und haben größten Respekt vor allen, die hier ganze drei Tage in der Hitze geschrien, getobt und gemoshed oder sich mutig beim Crowdsurfen in die Menge gestürzt haben.

    Fotos: Privat

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