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    Gestern startete das Internationale Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm. Wie die 63. Ausgabe des Festivals unter Pandemiebedingungen stattfinden soll.

    Die 63. Ausgabe des Internationalen Leipziger Festivals für Dokumentar- und Animationsfilm (Dok) ist eine historische: Erstmals findet das zweitgrößte Dokumentarfilmfestival Europas in Hy­brid­form statt. Rund 140 Filme werden sowohl in Leipziger Kinos als auch online als Video-on-Demand gezeigt. „Es ist ein Festival unter vollkommen neuen Voraussetzungen, in einer sehr unsicheren Gesamtsituation“, erklärt Pressereferentin Maria Preußner. Eine Vorhersage der Besucher*innenzahlen wagt sie nicht. Zuletzt kamen 48.000 Menschen, um Filme zu schauen, Podiumsdiskussionen zu lauschen und Filmprojekte auf den Weg zu bringen.

    Vom 26. Oktober bis 1. November wagt das Dok nun das Experiment „Filmfestival unter Pande­miebedingungen“. Die dazu­ge­hörigen Variablen: Keine Film­schaffenden vor Ort, kleinere Filmauswahl, reduzierte Sitzplatzkapazitäten. Bereits im April wurde bekannt, dass das Festival 2020 im Mischformat stattfinden wird.
    Mit Hygieneauflagen werden die diesjährigen Dok-Filme im CineStar, in den Passage Kinos, in der Schaubühne Lindenfels, in der Schauburg am Adler, in der Cinémathèque, im Grassi Museum und im Hauptbahnhof gezeigt. Maskenpflicht besteht in Foyers, Toiletten und Gängen, auf dem Sitzplatz nicht.

    Da Filmschaffende dem Festival dieses Jahr fernbleiben werden, wurden Online-Formate erarbeitet, um Gespräche über Filme dennoch möglichzumachen, beispielsweise vorab aufgezeichnete Panels und Live-Schalten, bei denen das Publikum sowohl im Kino als auch online Fragen stellen kann. Da­rüber hinaus werden Grußvideos der Filmcrews und der Jury gezeigt. „Filme brauchen auch in diesem Jahr Festivals als Plattform und Journalist*innen, die sie besprechen“, bekräftigt Pressereferentin Preußner. Angesichts der Einschnitte hoffe das Dok-Team auf das Verständnis der Gäste – und auf deren Besuch, denn das Dok ist auf Ticketverkäufe angewiesen.

    Nicht nur organisatorisch, sondern auch thematisch hat die Pandemie ihren Weg ins Festivalprogramm gefunden. So zeigt eine Produktion namens „E14“ dem Publikum Bilder von den Hinterhöfen und Balkonen Londons während des Lockdowns. „Bless You!“ dokumentiert die eingehenden Hilferufe einer Pandemie-Hotline in St. Petersburg. Dass das Dok eine künstlerische Austragungsplattform ak­tueller gesellschaftlicher De­batten ist, hat es in den letzten Jahren oft bewiesen, beispielsweise mit dem Fokus auf Rechtsextremismus. Auch 2020 wird dem Publikum ein Spiegel vorgehalten. Carsten Raus „Atomkraft Forever“, das seine Weltpremiere feiern wird, hinterfragt den Status Quo der Kernenergie in Europa – nur wenige Wochen, nachdem in Deutschland die Diskussion um potenzielle Endlager neu entflammt ist.

    Titelfoto: Carsten Rau

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