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  • Disneys Versuch eines Kriegsfilms

    Eine junge Frau kämpft in der kaiserlichen Armee wider alten Traditionen und rettet so China. Die mäßig beeindruckende Neuauflage kommt an den alten Disney-Klassiker „Mulan“ bei Weitem nicht heran.

    Neuverfilmungen alter Disney-Klassiker sind mittlerweile fester Bestandteil der aktuellen Kino Blockbuster. Nach „König der Löwen“, „Alice im Wunderland“ und „Die Schöne und das Biest“ war es nur eine Frage der Zeit, bis auch „Mulan“ ein Remake bekommen würde.

    Die Handlung der Geschichte hat sich im Vergleich zum Original nicht wirklich  verändert. Hua Mulan (Liu Yifei) ist die Tochter einer chinesischen Familie, die eines Tages heiraten muss, um dem Haus Hua Ehre zu bringen. Sie tut sich jedoch schwer mit dieser Erwartungshaltung. Als Böri Khan (Jason Scott Lee) China mit seinem Heer angreift und der Kaiser aus jeder Familie einen Soldaten für seine Armee fordert, wird die Situation jedoch schlagartig ernst. Mulans Vater (Tzi Ma), alt und verwundet durch frühere Kriege, will dennoch seine Pflicht erfüllen. Mulan entscheidet seinen Platz einzunehmen und getarnt als Mann in der Armee zu kämpfen.

    Viele eingeschworene Fans, mich eingeschlossen, sahen eine Realverfilmung des Disneyfilms von 1998 mit einiger Skepsis. Von allen Filmen war es „Mulan“, der mich am meisten prägte. Die Geschichte einer jungen Frau, die ihr eigenes Leben riskiert um ihren Vater zu retten, um das Richtige zu tun, beeindruckte mich als kleines Kind sehr. Doch es ist nicht nur die Geschichte, die das Original so erfolgreich macht. Es ist die wundervolle Musik von Disney-Genie Alan Menken, der Humor, unterstützt im Deutschen von Otto Waalkes, und die einnehmenden Zeichnungen, die mich in ein ganz anderes, mir unbekanntes Land entführten.

    Unerkannt kämpft Hua Mulan (Liu Yifei) in der chinesischen Armee.

    Das Remake ist jedoch keine Kopie des Filmes von 1998. Die Story bleibt zwar anfangs gleich, weicht anschließend dennoch hier und dort ab. Das, was diese Version der Geschichte leider vollkommen einbüßt, ist der Humor. Es gibt nur wenige Momente, in denen man sich zu einem Schmunzeln hinreißen lassen kann, da der beliebte animierte Drache Mushu (von Waalkes gesprochen) rausgestrichen wurde. Der Film ist vermutlich die bisher ernsthafteste Neuauflage aus dem Hause Disney. Das verwundert nicht wirklich, denn ohne die Witze, die peppigen Musical-Einlagen, die leider gänzlich fehlen, was bleibt dann noch?

    Eine Mischung aus Drama und Kriegsfilm, die den Fokus auf die Entwicklung von Mulan und ganz leicht auch auf den wunden Punkt der Rolle von Frauen legt. Es steht keine großartige Liebesgeschichte im Vordergrund, sondern der Kampf um China und um den Platz einer jungen Frau im Leben. Anders, als im Original zeichnet sich Mulan im Remake nicht nur durch Klugheit und Mut aus, sondern auch durch außergewöhnliche fast schon magische Fähigkeiten.

    Herausragend präsentiert der Film neben einigen Mängeln jedoch eine Farbenvielfalt, die ihresgleichen sucht, trotz der harten Kriegsthematik. Chinas Landschaft erstrahlte noch nie so schön in einem amerikanischen Hollywoodfilm. Was Disney bereits in früheren Live-Action-Remakes gezeigt hat, wird auch bei „Mulan“ fort geführt.

    Wie es Tradition ist, sucht Mulan eine Heiratsvermittlerin auf, um ihrer Familie Ehre zu bringen.

    Die zahlreichen Action- und Kampfszenen sind wie alle visuellen Effekte dem hohen Kinostandard angepasst und eine wahre Hommage an die Martial-Arts-Filme aus Asien. Leider verfällt der Film in solchen Szenen oft auch in übertriebene Slow-Motion, die die Dynamik des Filmes ab und an stört. Es gibt einige Änderungen bei den Charakteren und auch in der finalen Handlung, die ein wenig befremdlich wirken auf den ersten Blick, da sie vom Original abweichen.

    Hervorzuheben ist zuletzt aber natürlich die gelungene Darstellung der Vater-Tochter-Beziehung, die auch im Original einen überaus wichtigen Platz einnimmt. Beide Schauspieler zeigen sich hier sehr wandelbar und die Verbindung zwischen ihnen schafft es mühelos eine Gänsehaut auf die Arme der Zuschauer zu zaubern.

    Schlussendlich ist „Mulan“ nicht die beste Neuverfilmung von Disney. Es gibt offensichtliche Schwächen, die gerade eingefleischte Fans abschrecken wird. Aber es ist dennoch ein sehenswerter Film, weil die Geschichte nach all der Zeit immer noch eine inspirierende und fesselnde ist. Und gerade im Bezug auf die Rolle der Frau aktueller denn je.

    Ab 4. September auf Disney Plus

    Fotos: Disney Enterprises

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