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  • „Der Hochschulabschluss ist nicht alles“

    Anfang April steigt die Innovations- und Digitalagentur Ida in Leipzig in das operative Geschäft ein und soll technische Erneuerungen des MDR zukünftig schneller vorantreiben. Wie soll das gelingen?

    Das gemeinsame Tochterunternehmen von MDR und ZDF-digital Ida soll dabei helfen, digitale Technologien, Tools und Produkte oder auch Inhalte zu verbessern und ein Ankerpunkt für digitale Talente sein. Darüber hinaus ist Ida verantwortlich ein innovatives Netzwerk zu spinnen, um den MDR in seiner Entwicklung weiter anzukurbeln und zu ergänzen. Luhze-Redakteurin Laura Camboni spricht mit dem designierten Geschäftsführer Matthias Montag darüber, welche Rolle Ida zukünftig für die digitale Weiterentwicklung des MDR und der Gesellschaft spielen wird.

    luhze: Welche Gründe stehen hinter der Gründung der Digitalagentur?
    Montag: Der MDR steckt seit einigen Jahren in einem Veränderungsprozess. Wir planen Programm und Mediathek gemeinsam, fördern intern Innovationen, überarbeiten mobile Apps, fokussieren Entwicklungen auf die Nutzer. Aber wir merken auch, dass diese Veränderungen nicht ausreichen, um der voranschreitenden digitalen Geschwindigkeit und Komplexität gerecht zu werden. Deswegen ist die Überlegung entstanden, eine Einheit ähnlich eines unternehmerischen Startups, das schneller, agiler und flexibler arbeiten kann, zu gründen.

    Ida wird in zwei Städten vertreten sein – Leipzig und Erfurt. Dabei soll Leipzig als Hauptsitz fungieren. Warum? 
    Ein Grund ist der hohe Anteil an technologischen Aufgaben, um die sich ida kümmern wird, die an die technische Infrastruktur des MDR in Leipzig optimal angebunden werden müssen. Der zweite Grund ist, dass der Standort Leipzig ein tolle Stadt und attraktiver Arbeitsort ist und uns entsprechend mit jungen Talenten versorgen wird.

    Wie kamen Sie zu ihrer Rolle als Geschäftsführer?
    Ich habe einen bunten Werdegang hinter mir und vor meiner Zeit beim MDR für große Häuser wie Bertelsmann/RTL gearbeitet und auch selbst gegründet. Seit 2013 bin ich Teil des MDR. Dort habe ich mich in den letzten sieben Jahren um diverse digitale Themen gekümmert. Mit Blick auf meinen Werdegang hat mir der MDR die Führung der neuen Digitalagentur anvertraut.

    Mein Job wird erst mal sein, ein Team zu finden, das als solches funktioniert. Ein Unternehmen ist nicht eine einzelne Person. Ich möchte gemeinsam ein Ambiente schaffen, in dem zeitgemäßes Arbeiten möglich ist und coole Ideen entstehen können. Es soll um Rollen und Verantwortung, aber nicht um Titel und Rang gehen. Denn es geht vielmehr darum mit Spaß, Fantasie und vielen guten Ideen Produkte und Innovationen zu starten.

    Aus Presseberichten geht hervor, dass Ida einen „starken Impuls für Ostdeutschland setzen möchte.“ Was ist damit gemeint?
    Ich würde es nicht auf „Ostdeutschland“ beziehen. So denke ich nicht. Wir wollen zwar Impulse in den MDR und in unsere Gesellschaft senden, aber das geht nicht, ohne dass wir uns stetig am Markt messen um aktuelle Entwicklungen und Trends zu beobachten. Deswegen geht es mir darum, dass wir als Unternehmen Anlaufpunkt und Anknüpfungspunkt sind und zusätzlich für einen Know-how-Transfer stehen. Anders formuliert: Ida will eine Rolle spielen. Denn das was wir machen werden, wird eine Wirkung auf journalistische Produkte und technologische Entwicklungen haben.

    Wenn wir über digitale Talente reden, dann können wir das nicht auf den Osten Deutschlands beschränken, sondern wir müssen übergreifend europäisch, wenn nicht sogar global denken.

    Ida soll neue Möglichkeiten im digitalen Journalismus schaffen. Wie kann ich mir das vorstellen?
    Ich glaube, dass wir als MDR noch viele Möglichkeiten haben, die Digitalisierung und digitale Erzählformate voranzutreiben, zum Beispiel mit immersiven Darstellungsformen wie Augmented Reality (eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, Anm. d. Red.) oder Virtual Reality (eine computergestützte Darstellung einer künstlichen Welt ist, die an die reelle Welt angelehnt sein kann, Anm. d. Red.). Ich sehe auch durchaus Möglichkeiten, Ideen für Erzählformen von jungen neuen medialen Ausspielwegen, weiterzuentwickeln. Stichwort: Multimediales Storytelling.

    Welche Kernaufgaben und Kompetenzen müssen zukünftige Mitarbeiter erfüllen?
    Wir werden fünf Tätigkeitsgebiete haben: digitale-technische Services, Innovationsmanagement, Storytelling, Dialogmanagement und Verbreitungsmanagement. Mir geht es aber weniger um die Job-Profile, sondern ich würde gern anders denken und darauf schauen was die Talente und Skills von den einzelnen Menschen sind und wie man diese gewinnbringend im Unternehmen miteinbeziehen kann. Also was kann jemand in ein Unternehmen einbringen, von dem wir jetzt im Moment noch gar nicht das Gefühl haben, dass das eine klare Stellenausschreibung ist. Es geht mir primär darum wie die Menschen Ida bereichern und voranbringen können.

    Wir suchen Menschen mit einer hohen Affinität für Technologie und Verbreitungsthemen im digitalen Raum. Wir wollen Experten ausbilden, die unsere Auftraggeber wie den MDR bestmöglich unterstützen können. Wir wollen außerdem Nachwuchstalente fördern, zum Beispiel als Praxispartner für Studierende. Dennoch ist der Hochschulabschluss nicht alles. Für mich sind die Fähigkeiten der Menschen wichtig und wie sie mit ihren Talenten das Team bereichern können.

    Was werden die Herausforderungen der Digitalagentur sein und wie planen Sie diesen zu begegnen?
    Die erste große Herausforderung wird tatsächlich das Finden von Talenten sein, denn wir sind nicht die einzigen am Markt. Die zweite Herausforderung wird die Sicherstellung eines kontinuierlichen Lernprozesses. Denn unser Job wird sein, permanente Innovationen zu liefern und dafür müssen wir stetig lernen und offen für Neues sein.

     

    Titelfoto: Jens Beulich

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