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  • „Die Wünsche und Visionen müssen immer im Vordergrund stehen“

    Der Adelie-Award kürt dieses Jahr wieder die erfolgreichste Unternehmerin in Sachsen. Ein Gespräch mit der Leipzigerin Anke Mai, die durch ihren Mut und Kreativität zu den drei Finalistinnen zählt.

    Die dritte Preisverleihung des sächsischen Preises für Unternehmerinnen findet am 19. März in Dresden statt. Diese Auszeichnung hat das Ziel, mehr Frauen in der Region ihren Wunsch nach Selbstständigkeit und wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu bestärken. Nominiert werden Unternehmerinnen, die mit ihrer Arbeit begeistern und Familie und soziales Engagement mit Erfolg in ihrem Beruf in Einklang bringen können. Drei Finalistinnen stehen fest: Sabine Lottes, die einen Handwerksbetrieb in Kamenz leitet, Doris Bach, die die Görlitzer Brotschmiede ins Leben gerufen hat, und Anke Mai, die mit ihrer Firma „Plan Objekt“ in Leipzig innovative Büroeinrichtungen konzipiert. luhze-Redakteurin Laura Camboni hat sich mit der Leipzigerin Mai zum Gespräch getroffen.

    Was bedeutet Ihnen die Nominierung?

    Für mich bedeutet diese Nominierung eine extreme Wertschätzung als Person, meine Leistungen, für meine Vision, die ich nach draußen trage. Es macht mich einfach unheimlich stolz, nominiert worden zu sein. Damit hätte ich definitiv nicht gerechnet.

     Wie kamen Sie zu Ihrem derzeitigen Beruf?

    Wie die Jungfrau zum Kind. Ich war zu Zeiten der DDR Facharbeiterin für Schreibtechnik aufgrund von mangelnder Berufsauswahl. Über viele Jahre hinweg habe ich als Sekretärin gearbeitet und bin so auf die Büromöbel-Branche gestoßen, von der ich nie wieder so ganz weggekommen bin.

    Woher kam der Mut sich selbstständig zu machen?

    Der Mut kam durch ein großes Anstupsen meines Geschäftspartners René Rösner. Wir haben uns vor 20 Jahren über unsere Arbeit kennengelernt. Er war bereits selbständig, ich habe in einem Fachhandelshaus gearbeitet. Nach einiger Zeit der  Zusammenarbeit hat René mir aufgrund meiner Arbeitsweise und vertriebstechnischen Raffinesse den Vorschlag unterbreitet, als Teilhaberin in seine Firma mit einzusteigen. Das hat sich für mich erst mal sehr verlockend angehört. Denn ich wollte schon immer etwas Eigenständiges machen, aber nichts übers Knie brechen. Da ich allerdings in meiner damaligen Firma glücklich war, brauchte ich noch ein bisschen Zeit, nach einem Jahr der Überlegungen und Planungen haben wir uns 2003 zusammengeschlossen. Das war die beste Entscheidung meines Lebens, die ich bis heute nicht bereue. Mittlerweile ist unser Team gewachsen und wir sind aktuell zu sechst.

    Was macht Ihre Beratungsfirma „Plan Objekteinzigartig?

    Unser Unternehmen ist durch das Qualitätszeichen ‚Quality Office’ (Quality Office ist eine Auszeichnung für eine gute Büro-Einrichtung in der hochwertige Produkte, kompetente Beratung und maßgeschneiderten Services angeboten werden. Nur zertifizierte Produkte, Berater und Unternehmen dürfen das Quality Office Siegel tragen, Anm. d. Red.) zertifiziert. Diese Zertifizierung besitzt lediglich ein weiteres Unternehmen in Ostdeutschland. Innerhalb unseres Unternehmens sind außerdem drei Mitarbeiter für ihre Beratungsqualitäten mit dem ‚Quality Office’ Zertifikat ausgezeichnet. Abgesehen von den Zertifizierungen kümmern wir uns um das „noch bessere“ Büro – für happiness@work. Wir verlassen die ausgetrampelten Pfade der Bürogestaltung und schauen über den Tellerrand hinaus.

    Es ist so, dass in 80 Prozent der Unternehmen nicht ergonomische Büroeinrichtungen bestehen. Das bedeutet, es gibt viele Einflussfaktoren – beziehungsweise viele Störfaktoren – die verhindern, dass ich motiviert und gesund arbeiten kann, mein Leistungspotential voll entfalten kann und die Unternehmenskultur leben kann. Daher besteht für uns ein Büro aus mehr als nur Wand, Tisch und Stuhl. Vielmehr soll es am Arbeitsplatz um den Menschen und seine Arbeitsaufgaben gehen. Denn das Umfeld beeinflusst die Arbeitsmoral und Arbeitsleistungsfähigkeit maßgeblich.

    Was ist Ihr Tipp für einen idealen Arbeitsplatz für Studierende außerhalb von Bibliotheken?

    Ein sehr wichtiger Aspekt ist Blendung und Reflektion. Der Schreibtisch sollte nah am Fenster positioniert sein, am besten seitlich und niemals frontal. Denn für Ihre Augen und persönliches Wohlbefinden kann das sehr schädlich sein, weil sich das Auge immer auf den hellsten Hintergrund fokussiert. In dem Fall ist Tageslicht der hellste Hintergrund. Das heißt, wenn der Rechner frontal am Fenster steht versucht das Auge immer nach hinten zu fokussieren anstatt auf den Rechner. Das führt zu brennenden und/oder tränenden Augen, die weiter Kopfschmerzen und skeletöse Schmerzen verursachen können. Ein anderer sehr wichtiger Aspekt ist die Anpassung von Schreibtisch und Schreibtischstuhl auf die Körpermaße des Nutzers, um Zwangshaltungen beim Arbeiten und folgend skelettöse und muskulöse Beschwerden zu verhindern.

     Haben Sie Tipps, wie man eine gute Work-Life Balance schaffen kann?

    Mein Beruf ist meine Berufung. Mittlerweile habe ich gelernt, auch nach einem Arbeitstag abzuschalten. Für mich kommt die Balance von ganz alleine, weil ich mir bewusst Auszeiten nehme, sei es Sport, Meditation oder Wellness. Und wie schaffe ich das? Ich will es einfach.

    Ich weiß, dass ich meine Arbeit nur richtig gut mache, wenn ich nicht gestresst, genervt oder überarbeitet bin. Ich habe auch das große Glück, dass mich meine Familie und speziell mein Sohn tagtäglich unterstützen und mir zu Gründungszeiten der Firma viel Rückhalt gegeben haben.

    Was ist ihr Rat an junge Frauen, die auch Ambitionen haben, im Berufsleben Führungspositionen zu besetzen oder den Wunsch haben, sich selbständig zu machen?

    Es bedarf eine ordentliche Portion an Durchhaltevermögen. Bei dem ersten Stolperstein, der einem in den Weg gelegt wird, darf natürlich nicht sofort aufgegeben werden. Die Wünsche und Visionen sollten immer im Vordergrund stehen. Leider ist es meistens die eigene Angst, die einen blockiert. Da ist es gut zu wissen, dass 80 Prozent aller Ängste Illusionen sind. Wenn ich mich aber tatsächlich auf mein Ziel fokussiere, einen Funken Risikobereitschaft zeige und mutig bin, heißt es einfach nur Machen und Dranbleiben. Manchmal hilft tatsächlich weniger Nachdenken, um Ideen nicht zu „zerdenken“. Kurz:. Hinfallen, Aufstehen, Krone richten und weitermachen.

    Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat Anfang letzter Woche einen Gesetzentwurf vorgelegt, um den Frauenanteil in Vorständen von Börsenunternehmen zu erhöhen. Was halten Sie von einer verpflichtenden Frauen-Quote für Vorstände großer Unternehmen?

    Ich finde Pflicht in diesem Fall etwas Schlechtes, weil Druck Gegendruck erzeugt. Natürlich wäre es schön, wenn wir ein ausgewogenes Verhältnis hätten, aber zu welchem Preis?

    Wenn das Unternehmen freiwillig keine Frauen einstellt und das Problem eine gesetzliche Verpflichtung lösen soll, frage ich mich, wie dann der Umgang mit Frauen in Führungspositionen in Unternehmen aussehen wird. Sind diese dann eine genötigte Akzeptanz, weil es das Gesetz so vorschreibt? Das wiederum finde ich definitiv nicht gut.

     

    Titelfoto: privat

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