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  • „Ich will Leipzig noch weiter entwickeln“

    Am 2. Februar findet die Oberbürgermeister*innenwahl statt. Wir haben allen Kandidierenden die gleichen Fragen gestellt, heute antwortet der amtierende SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung.

    Burkhard Jung ist seit 2006 Oberbürgermeister. Der SPD-Kandidat wurde am 7. März 1958 geboren und arbeitete bis zu seinem Amtsantritt als Lehrer.

    Warum wollen Sie Oberbürgermeister werden?

    Wir haben das Unglaubliche geschafft. Nach einer Zeit des Schrumpfens wächst Leipzig wieder, die Arbeitslosigkeit ist unter sechs Prozent und wir werden international beachtet. Dabei soll es aber nicht bleiben. Ich will Leipzig noch weiter entwickeln: zur lebenswertesten Stadt Deutschlands.

    Was ist das Beste an Leipzig? Was mögen Sie an Leipzig nicht?

    Das Beste an Leipzig ist die Tradition einer freien, vielfältigen, weltoffenen Bürgerstadt: von Hochkultur bis Clubkultur, Nato und Gewandhaus, Wirtschaft, Architektur – überall ist das zu sehen. Was mag ich nicht? An der Internationalität müssen wir noch weiter arbeiten.

    Was ist Ihre primäre Aufgabe als Oberbürgermeister?

    Das Gesamte im Blick haben, nach innen nach gemeinsam entwickelten strategischen Zielen steuern und nach außen repräsentieren und vertreten. Das Amt ist durch die Direktwahl mit einer hohen Legitimation ausgestattet. Die braucht es auch, um die Doppelrolle als Verwaltungschef und als Vorsitzender des Stadtrates auszufüllen.

    Welche Rolle sollen in den nächsten sieben Jahren Studierende in Leipzig spielen?

    Ganz viele: Sie sollen sich weiter in Leipzig ausprobieren, bilden, hier leben, lieben und feiern, arbeiten und Firmen gründen. Die CDU wollte die Zahl der Studierenden in Leipzig massiv begrenzen. Dagegen haben wir uns gemeinsam mit den Hochschulen erfolgreich gewehrt und das im Koalitionsvertrag festgeschrieben. Junge, gut ausgebildete Menschen sind das Beste, was uns passieren kann!

    Was ist das drängendste Problem in Leipzig?

    Wir müssen die Herausforderungen Wohnen, Mobilität und Klimawandel bewältigen. Ich will, dass Leipzig eine Stadt bleibt, in der es sich jede und jeder leisten kann, zu leben. Eine Stadt, die nicht im Verkehr erstickt und die einen attraktiven öffentlichen Raum bietet.

    Wie wollen Sie dem Klimawandel als Oberbürgermeister begegnen?

    Mit dem Ausstieg aus der Braunkohle und der Förderung nachhaltiger Mobilitätsangebote wollen wir unseren CO2-Ausstoß verringern. Bis 2023 steigt Leipzig aus der Braunkohle aus und setzt auf modernste Zukunftstechnologien. Wir arbeiten an den Adaptionsstrategien an den Klimawandel. Kaltschneisen müssen etwa bei künftigen Bebauungen bedacht werden, Fassaden und Dächer können viel stärker begrünt werden. Mein Ehrgeiz ist, zunächst die Stadtverwaltung klimaneutral auszurichten. Bis 2050 will ich für die gesamte Stadt die Klimaneutralität erreichen.

    Was sind Ihre Pläne für den ÖPNV?

    Bus und Bahn sind das Rückgrat der Mobilität in Leipzig. Darum wollen wir bis 2030 über 1 Milliarde Euro in unseren Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) investieren. Wir werden Verkehr neu denken, neue Linien schaffen, neue Busse und Bahnen anschaffen und die Umwelt entlasten. Schon bald werden die ersten wasserstoffangetriebenen Fahrzeuge auf unseren Straßen unterwegs sein. Mit Wasserstoff – erzeugt in Leipzig!

    Sind Sie für die Einführung eines 365 Euro-Tickets?

    Mein Ziel ist: Schon 2021 führen wir das 365-Euro-Ticket ein. Für einen Euro am Tag sind wir dann in Leipzig mit Bus und Bahn unterwegs. Mit einem attraktiven ÖPNV können wir die Verkehrsbelastung reduzieren, den Wirtschaftsverkehr fördern und die Lebensqualität steigern. Dabei ist vollkommen klar, dass parallel massive Investitionen in Qualität und Infrastruktur nötig sind.

    Sind Sie für einen zweiten City-Tunnel, der Ost und West verbindet?

    Ich kann mir einen zweiten Tunnel grundsätzlich gut vorstellen. Das ist aber Zukunftsmusik. Ich bin trotzdem klar dafür, jetzt ernsthaft zu prüfen, ob und wie ein zweiter Tunnel möglich ist und die Voraussetzungen für einen Bau in der Zukunft zu schaffen. Die Erfahrungen mit dem ersten Tunnel sind einfach zu gut – ein großer Teil der Region ist an Leipzig herangerückt.

    Was sollte im Jahr 2040 das primäre Fortbewegungsmittel in Leipzig sein?

    Gute Verkehrskonzepte vereinbaren Bus, Bahn, Auto, Rad, Fußgänger und die Umwelt mit Lebensqualität in der Stadt. Ich will nicht verbieten, sondern anbieten. Mit mir soll es keine Fahrverbote geben, aber viele gute Angebote, damit das Auto auch mal stehen bleiben kann oder es gar kein eigenes braucht, um in der Stadt mobil zu sein.

    Woher sollte Leipzig Strom und Fernwärme beziehen?

    Von den umweltfreundlichen und konkurrenzfähigen Angeboten unserer Stadtwerke.

    Was sind Ihre Pläne, um den steigenden Mieten in Leipzig zu begegnen?

    Wohnen ist ein Grundrecht und muss bezahlbar sein. Ich habe ein Bündnis für bezahlbares Wohnen ins Leben gerufen und hole die Akteure an meinen Tisch: die Immobilienwirtschaft, die Wohnungsgenossenschaften, unsere städtische Wohnungsbaugesellschaft LWB, Wissenschaftler, den Mieterverein und das Bündnis Stadt für alle. Gemeinsam treffen wir Vereinbarungen, damit die Mieten für jeden bezahlbar bleiben. Wir müssen günstiger bauen und für die, die Hilfe brauchen, wollen wir bis 2027 10.000 Sozialwohnungen mit besonders fairen Mieten bauen.

    Welche Aufgabe sollte der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft in der Entwicklung des Leipziger Wohnungsmarkts zukommen?

    Die LWB ist unsere 100-prozentige Tochter, über die wir direkt im Markt steuern können. Sie hält einen großen Bestand mit günstigen Bestandsmieten und dämpft damit den Mietanstieg. Sie baut Sozialwohnungen und Kitas. Zusammen mit den Leipziger Wohnungsgenossenschaften haben wir ein mächtiges Pfund.

    Was werden Sie gegen Wohnungslosigkeit tun?

    Gegen Wohnungslosigkeit setzen wir ein Bündel an Maßnahmen ein, von Wohnungsnotfallhilfe bei drohender Wohnungslosigkeit, Beratung und Streetwork, Notunterbringung, bis zu Übernachtungseinrichtungen und Tagestreffs. Jeder kann aber selbst entscheiden, ob er die Hilfe annehmen will.

    Wie stehen Sie zu der neuen SoKo Linx?

    Polizei ist eine Aufgabe des Landes und ich wünsche der Staatsregierung – natürlich! – viel Erfolg dabei, Straftäter ausfindig zu machen und vor Gericht zu stellen. Ich fordere seit Jahren wieder mehr sichtbare Polizei und auch präventive Angebote der Polizei. Wann haben Sie das letzte Mal einen Polizisten gesehen, der vor Ort ansprechbar ist, bevor Probleme eskalieren? Was nicht geht: Einen ganzen Stadtteil oder eine ganze Stadt unter Generalverdacht stellen.

    Gibt es eine Stadt, die Leipzig als Vorbild dienen könnte?

    Es gibt hier und da schöne Anregungen – das Vorbild fürs Lichtfest habe ich zum Beispiel in unserer Partnerstadt Lyon erlebt. Aber Leipzig ist in seiner Gesamtheit einzigartig. Mit der Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt sind wir übrigens international Vorbild im Bereich der integrierten Stadtentwicklung.

    Welche*n Kandidat*in halten Sie – außer sich selbst – für den*die beste*n?

    Das fällt mir wirklich schwer zu beantworten. Am ehesten wäre das ein Mix aus Riekewald, Krefft und Gemkow.

    Was ist Ihre größte Stärke gegenüber den anderen Kandidierenden?

    Darf ich das Ihnen und Ihren Leserinnen und Lesern zur Beurteilung überlassen?

     

    Foto: Stadt Leipzig

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