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  • Empathie von beiden Seiten

    Am vergangenen Samstag fand vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Performance gegen patriarchale Gewalt mit den Worten „Un violador en tu camino – der Vergewaltiger bist du“ statt.

    Etwa 100 Frauen führten am vergangenen Samstag eine Performance vor dem Bundesverwaltungsgericht auf, um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. „Der Vergewaltiger bist du“, riefen sie im Gleichschritt, den Zeigefinger anklagend erhoben, und skandierten Parolen gegen patriarchale Unterdrückung und Polizeigewalt.

    Vergewaltigung, Mord und allgemein Gewalt gegen Frauen – „darüber redet in Deutschland niemand“, findet Melisa vom Bündnis Chile in Flammen. Besonders Gewalt innerhalb der Familie werde in der Gesellschaft mit Schweigen begegnet, dabei sei das ein drängendes Thema: 122 Frauen wurden in Deutschland im Jahr 2018 von ihrem Partner getötet, für dasselbe Jahr zählte die Polizei 2753 sexuelle Übergriffe gegen die Partnerin. Ende November hatte Chile in Flammen diese Performance schon einmal am Leipziger Hauptbahnhof organisiert: Damals verbreitete sich die Kunstaktion von Chile ausgehend gerade weltweit, in zahlreichen Städten gingen Frauen in diesem Rahmen auf die Straße. Nachdem der Protest allerdings auch in Leipzig nur auf Spanisch vorgetragen worden war, seien viele deutsche Frauen auf das Bündnis zugekommen, sagt Melisa. Sie hätten den Vorschlag gemacht, die Aktion zu wiederholen: auf Spanisch und auf Deutsch.

    Hanna ist eine der Demonstrantinnen und freut sich, dass der Protest diesmal zweisprachig stattfinden konnte. Sie sieht strukturelle Probleme hinter der Gewalt gegen Frauen, gegen welche die Performance als „Graswurzel-Bewegung“ mobil machen könne. Wie alle Beteiligten ist sie ganz in schwarz gekleidet gekommen, mit einem lilafarbenen Schal und rotem Lippenstift. Schwarz stehe hier für Trauer, lila für den „feministischen Kampf“ und die roten Lippen für die sexuelle Selbstbestimmung, erklärt Melisa die Symbolik. Auch sie freut sich über die spanisch-deutsche Aktion. „Feminismus ist Empathie“, sagt sie, und die habe es hier von beiden Seiten gegeben.

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