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  • Der gradlinige Weg eines Helden

    Oft zeigen schlimme Ereignisse erst wie viel Stärke tatsächlich in einem Menschen stecken kann. Der Film „Stronger“ geht dabei mit großem Beispiel voran.

    Es ist die Geschichte des gut gelaunten Sunnyboys Jeff Bauman (Jake Gyllenhaal), der dazu entschlossen ist, seine Ex-Freundin Erin (Tatiana Maslany) zurück zu gewinnen. Sie ist Marathon-Läuferin und nimmt am Bostoner Marathon 2013 teil. Zwei Bomben explodieren unmittelbar hintereinander an der Ziellinie, wo Jeff wartet. Ein Terroranschlag. Die Geschichte des Filmes beruht auf den wahren Gegebenheiten, über die Jeff Bauman sogar ein gleichnamiges Buch verfasst hat.

    Eins vorweg: Der Terroranschlag steht bei diesem Film nicht im Vordergrund. „Stronger“ erzählt wie ein Mann, der zur falschen Zeit am falschen Ort war, sich trotz zwei verlorener Beine zurück ins Leben kämpft. Er schafft es nach dem Aufwachen im Krankenhaus den Attentäter zu identifizieren und liefert den ermittelnden Beamten den entscheidenden Hinweis. Doch während alle jubeln, dass er gefasst ist, beginnt Jeffs wirklicher Alptraum.

    Alle feiern ihn als Held. Geben ihm den Namen „Boston strong“. Fahnenschwenken, Fernsehauftritte, Jeff tut, was ihm gesagt wird. Doch trotz der neuen Annäherung mit seiner Ex-Freundin ist er nicht glücklich. Er will kein Held sein. Und niemand scheint das zu begreifen.

    Jeffs Familie erscheint auf den ersten Blick vielleicht unsympathisch. Und oft schüttelte ich den Kopf: „Was machen die da nur?“ Doch letztendlich wird eine starke Familie dargestellt. Sie sind nicht einfach, vielleicht auch nicht immer sensibel genug, doch dadurch sehr menschlich.

    Das ist es auch, was den Film zu etwas Besonderem macht. Der Film zeigt, wie Menschen sich in einer Extremsituation mit nie zuvor dagewesenen Problemen auseinandersetzen. Jeff verliert trotz aller Widrigkeiten nie seinen Humor. Als er im Krankenhaus aufwacht und ihm der Verlust seiner Beine erklärt wird, schreibt er auf einem Zettel auf, er sei nun genau wie „Leutnant Dan“ aus „Forrest Gump“. Doch neben diesen Momenten, in denen man schmunzeln möchte, zeigt der Film auch viele ungeschönte Dinge. Die Schmerzen, die auf der Leinwand verkörpert werden, sind unheimlich gut spürbar und nachvollziehbar.

    Der Film ist ehrlich, wahrhaftig. Und nicht nur einmal brannten mir die Tränen in den Augen. Wer Dramen liebt und tiefgründige Gefühle sehen möchte, ist mit diesem Film sehr gut beraten. Für dieses Meisterwerk hätte Gyllenhaal einen Oscar verdient.

     

    In den Kinos ab: 19 April 2018

     

    Foto: Copyright Metropolitan FilmExport