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  • Love Me Like I Do

    Erst vor ein paar Tagen sah ich ihn wieder: Einen der unvermeidlichen Jodel-Posts mit dem Hashtag #friendzone.

    Oder war es #gefriendzoned? Wie auch immer – ich war genervt. Vom inflationären Gebrauch dieses Begriffs und von der ständigen Diskussion über diese Zone der Freundschaft, die doch so nett klingt und es für viele überhaupt nicht ist. Aber es gibt etwas, das mich noch viel mehr stört.

    Wusstet ihr, dass sich die Anfänge des Ausdrucks „Friendzone“ bis zur siebten Episode der ersten Friends-Staffel (aus dem Jahr 1994!) zurückverfolgen lassen? Inzwischen ist der Begriff ein ganzes mentales Konzept und Grundlage zahlreicher Memes geworden. Wikipedia zufolge handelt es sich bei der Friendzone um „eine rein platonische Beziehung zwischen zwei Personen, in der sich eine Person eine romantische oder sexuelle Beziehung wünscht, die andere aber nicht”. Oder in anderen Worte: Es ist die Zone, in der man feststeckt, wenn man den Sprung von Freundschaft zu Beziehung vergeigt hat.

    Und da ist sie auch schon, diese Sache, die mich jedes Mal stört, wenn ich das Wort Friendzone lese oder höre: Die unumstößliche negative Konnotation. In der Friendzone zu landen, gilt als Versagen, als Albtraum, als Einzug ins platonische Fegefeuer. Das finde ich sehr schade, denn es würdigt das Konzept der Freundschaft herab und ordnet es einer Liebesbeziehung unter. Als ob eine schlechte Beziehung irgendwie erstrebenswerter wäre als eine gute Freundschaft.

    In der Friendzone kann es auch ganz schön sein

    Kolumnistin Luise findet es schade, dass die Friendzone als Albtraum gilt.

    Die Bewertung des Friendzone-Konzeptes muss sich ändern. Um das klarzustellen: Es ist bewundernswert und mutig, jemandem seine Gefühle zu gestehen. Entsprechend demütigend und erniedrigend ist es, wenn der andere diese nicht erwidert. Unerwiderte Liebe enttäuscht nun mal, das verstehe ich zu tausend Prozent. Aber trotzdem darf die Friendzone nicht als Möglichkeit der Schuldzuweisung missbraucht werden. In besagten Jodel-Posts spüre ich nämlich oft eine unterschwellige Aggression: Wie kann sie es wagen, sich nur einen Kumpel zu wünschen? Wieso hat er nicht die Höflichkeit, meine Gefühle zu erwidern? Schon das empfinde ich als Anmaßung – immerhin kann es ja ab und zu mal vorkommen, dass Menschen nicht zueinander passen.

    Ich habe selbst noch nie in der Friendzone gesteckt oder jemanden hinein verwiesen – zumindest glaube ich das. Trotzdem habe ich meist den Eindruck, dass der Hinweis auf den freundschaftlichen Charakter einer Beziehung als unfairer und feiger Korb verstanden wird. Das ist irgendwo nachvollziehbar. Ein „ich mag dich sehr, sehe dich aber eher als Freund“ tut weh und verletzt den eigenen Stolz. Aber trotzdem bleibt es doch die freundlichste Absage, die man bekommen kann. Denn neben einem gewissen Egoismus, weil man die Person nicht komplett aus seinem Leben verlieren möchte, entsteht dieser Satz eben auch aus Höflichkeit und Respekt vor den Gefühlen des anderen. Mal ehrlich: Was sind denn die Alternativen? Wie soll man jemandem sagen, dass man dessen Zuneigung nicht erwidert, ohne Gefühle zu verletzen? Das ist fast unmöglich. Unerwiderte Liebe ist doof und „gefriendzoned“ zu werden ebenso, aber wenigstens ist das ehrlich – zumindest dann, wenn man Freundschaft als liebevolle Beziehung zwischen Menschen sieht und nicht als Mittel zum Zweck. Sollte eigentlich kein Problem sein. Und wenn die Karten dann einmal offen liegen, ist doch sowieso alles gut. Dann ist man nämlich entweder in einer Beziehung, in einer tiefen Freundschaft oder raus aus einer oberflächlichen. Auf jeden Fall aber nicht mehr in der euch so verhassten Friendzone.

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