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  • Dino-Fieber

    „Fünf Freunde und das Tal der Dinosaurier“ ist der fünfte deutsche Kinofilm um Enid Blytons Fünf Freunde - allerdings wurden die Protagonisten neu besetzt.

    „Wir sind die Fünf Freunde: Julian und Dick, Anne und George und Timmy der Hund. Wir sind die besten Freunde, jaaaaa“, singe ich in Gedanken während ich mich im Kinosessel zurücklehne und einen Schluck Chai-Latte nehme. Die Fünf Freunde waren und sind immer noch meine absoluten Lieblings-Hörspielkassetten. Als der Vorhang sich öffnet, fällt mir ein, dass die Titelmelodie beim Film ja gar nicht die gleiche ist.

    Julian (Marinus Hohmann), Dick (Ron Antony Renzenbrink), Anne (Amelie Lammers), George (Allegra Tinnefeld) und Timmy der Hund stranden wegen einer Autopanne zusammen mit Tante Fanny (Bernadette Heerwagen) in einem Hotel in einer Kleinstadt. Zu allem Überfluss wird Tante Fanny noch von einer fiesen Erkältung heimgesucht, sodass sich die Kinder alleine die Zeit vertreiben müssen. Im örtlichen Naturkundemuseum wird ein Dinosaurierknochen präsentiert, der angeblich in der Gegend gefunden wurde. Die Fünf Freunde treffen auf Marty (Jacob Matschenz), der erzählt, dass der Knochen zu einem ganzen Dinosaurierskelett gehört. Begeistert von der Geschichte melden sie sich zu einer geführten Wanderung an, die am vermuteten Fundort des Skeletts vorbei führen soll. Mit dem Plan sich heimlich auf die Suche nach dem „Tal der Dinosaurier“ zu machen und in einer Gruppe, von denen mindestens einer auch heimlich nach dem Dino-Tal suchen will, beginnt ein neues Abenteuer der Fünf Freunde.

    Dinoknochen begeistert Kleinstadt

    Kurt Weiler (links) will den Ruhm für den Fund des Dinoknochen für sich.

    Die Originalwerke von Autorin Enid Blyton sind um die 70 Jahre alt und wurden auch schon mehrfach für Kino und Fernsehen verfilmt. Da jetzt noch innovativ und überraschend zu sein ist schwer, wohl aber auch nicht der Anspruch des Films. Die Geschichte spielt in Deutschland. Das mag für Fans der Bücher und Hörspiele irritierend sein, denn natürlich fehlt das sonst deutlich spürbare britische Ambiente. Allein schon die Namen (beziehungsweise die Aussprache derer) der Protagonisten sind in Deutschland irgendwie fehl am Platz.

    Dem generellen Trend folgend werden auch Kinder-Detektivgeschichten immer extremer. Die Kinder begehen vorsätzlich Straftaten. Ja, das ist „nur“ ein Film, aber die Geschichte könnte auch ohne diese etwas unlogischen Szenen auskommen. Beispielsweise wird ziemlich zu Beginn eine Karte, die zum Tal der Dinosaurier führen soll, gestohlen und um sie wiederzuerhalten, greifen die Freunde zu einer etwas ungewöhnlichen Verhörmethode, bei der eine komplette Wohnwageneinrichtung zerstört wird. Klar, es ist auch irgendwie witzig, wie der unsympathische Kurt Weiler (Milan Peschel) zu einer Aussage gezwungen wird, aber die fünf Freunde aus Enid Blytons Büchern hätten das anders gelöst. Ein bisschen Spionagearbeit, bei der hin und wieder ein Rucksack heimlich durchsucht wird ist noch im Rahmen, aber Sachbeschädigung und Körperverletzung gehen zu weit, schließlich sind die Kinder etwa neun bis 13 Jahre alt.

    Geheime Karte zum Tal der Dinosauerier

    Die Karte soll zum Tal der Dinosaurier führen. Nun muss sie nur noch entschlüsselt werden.

    Einige Szenen, wie die beiden Wanderungsteilnehmer, die permanent Szenen für ihren YouTube-Kanal drehen, schaffen es, auch für lächelnde große Kinder zu sorgen, erinnern sie uns doch an unsere erwachsenen Verwandten, die gerade die Social-Media-Welt für sich entdeckt haben.

    Der total trottelige und unfähige Polizist fehlt genauso wenig wie die anderen schnell urteilenden Erwachsenen, die nicht bereit sind, dem scheinbar Unmöglichen eine Chance zu geben – Deswegen braucht es ja Kinder-Detektivbanden. Solche Filme sind einfach schön, um die Welt einfach mal wieder durch Kinderaugen zu sehen und sich eventuell auch dabei zu ertappen, wie man sich eher mit den Erwachsenen-Figuren des Films identifiziert. Sobald man das gemerkt hat, sollte man schleunigst auf die Suche nach einem Dinosaurier-Tal gehen und die eigene Abenteurer-Seite wiederentdecken.

    Bonus: Das ist kein Film, in dem à la Disney willkürlich mittendrin gesungen wird.

     

    In den Kinos ab: 15. März 2018

     

    Fotos: Copyright 2017 Constantin Film Verleih GmbH

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