• Menü
  • Kolumne
  • Mach mal Pause

    Wir tweeten, posten, liken und sharen. Wir sind immer auf dem neuesten Stand. Wir socialisen per WhatsApp und daten via Tinder. Wir sind die Generation Y. Unser Markenzeichen: Wir sind immer online.

    Wer offline ist, verpasst was. Das Smartphone stets in der Tasche, in jeder Sekunde bereit, es zu zücken, wird das Mittagessen für die Story fotografiert, ein Boomerang aus dem Fitnessstudio gemacht oder eine Nachricht beantwortet. Meistens wird einfach nur ziellos durch die Plattformen gescrollt – zur Ablenkung. Ablenkung wovon? Wer mal aufblickt, entdeckt viele leere Blicke auf sich bewegende Bildschirme. Das finde ich beängstigend.

    Klar, ganz raushalten kann man sich aus der digitalen Welt heute kaum noch und das ist auch nicht der Punkt. Kritisch wird’s erst, wenn digitales Verhalten unreflektiert einfach so vollzogen akzeptiert wird. Und wenn ein Abhängigkeitsgefühl zu einem kleinen, eigentlich vollkommen wertlosen Gegenstand entsteht. Das kennt wohl jeder: Diese leichte Panik, die sich ausbreitet, wenn das Smartphone nicht auffindbar ist, einfach nur momentan im Rucksack liegt oder sich in einem anderen Raum befindet. Jemand könnte versuchen, mich zu erreichen. Ich könnte etwas verpassen. Schauen wir dann wieder aufs Display, sind es nur 56 ungelesene Nachrichten aus einem Gruppenchat, in dem fünf Menschen versuchen, gemeinsam einen Kaffee trinken zu gehen.

    Sonntagskolumne

    Im digitalen Zeitalter einfach mal offline gehen – findet Kolumnistin Hanna

    Smartphones sollen unser Leben einfacher machen. Social Media soll uns sozialer machen. Doch das Gegenteil trifft zu: Kommunikation über WhatsApp ist nicht selten alles andere als unkompliziert und durch die ständige Präsenz von sozialen Medien werden wir im analogen Leben unsozial. Ein Arbeitskollege pflegte in der Mittagspause, wenn alle beim Essen nur auf ihr Handy starrten, immer zu sagen: „Man soll die Abwesenden nicht den Anwesenden vorziehen.“  In diesen Momenten habe ich dann einmal höflich gelacht, so als mache er einen Witz, nur um mich dann wieder meinem Facebook Feed zu widmen. Dabei hat er so recht: In einem Raum zu sitzen, gemeinsam zu essen und dabei mit anderen,  Nichtanwesenden, zu kommunizieren, widerspricht schlichtweg einem sozialen Miteinander. In so einer Situation vernachlässige ich beide Parteien: Die Person, die mit mir am Tisch sitzt, weil ich ihr nicht zuhöre oder ihr zumindest nicht meine volle Aufmerksamkeit schenke. Und die Person, mit der ich gerade online kommuniziere, weil ich mich auch auf dieses Gespräch nicht zu 100 Prozent fokussieren kann.

    Das Problem liegt in dem Versuch, immer alles gleichzeitig machen zu wollen: Kochen und nebenbei Netflix, Mensaessen und nebenbei Instagram-Post, WG-Party und nebenbei Snapchat-Story. Mach mal Pause! Leg mal das Smartphone weg und hör zu! Diese Aufforderung geht an uns – an die Generation Y. Wir müssen nicht immer online sein.