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  • „Wo geht’s hier zum Führerbunker?“

    „Er ist wieder da“ erweckt Adolf Hitler wieder zum Leben.

    Was wäre, wenn…? Das ist eine provokante Frage, die bereits in vielen Filmen den Plot getragen hat. Was wäre, wenn man seine eigenen Träume kontrollieren könnte? Was wäre, wenn ein Mensch allein auf dem Mars stranden würde? Was wäre, wenn man seine vergangenen Entscheidungen verändern könnte? Wie in „Inception“, „Der Marsianer“ und „Butterfly Effect“ nahm auch Autor Timur Vermes ein fiktives Szenario als Ausgangslage seiner Geschichte. Der daraus entstandene Roman hielt sich über 20 Wochen auf den Bestsellerlisten und verkaufte sich über zwei Millionen Mal. Die Rede ist von der Erfolgssatire „Er ist wieder da“, die 2012 erschien. Die gleichnamige Verfilmung wird nun ab 08. Oktober in den Kinos anlaufen.

    Der Buch- und Filmtitel fasst auch ganz gut die Handlung zusammen: Er ist wieder da – der Führer. Knapp 70 Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang erwacht Adolf Hitler (Oliver Masucci) im Berlin der Gegenwart. Ohne Krieg, ohne Partei. Unter der Regierung von Angela Merkel, die mit der Flüchtlingskrise zu kämpfen hat, startet er genau das, wobei er 1945 unterbrochen wurde: dem Aufbau einer Weltherrschaft. Doch als er den Fernsehreporter Felix (Felix Busch) trifft, nutzt dieser ihn aus, um seine eingeschlafene Karriere anzuheizen. So rutscht der Führer in das Programm eines Privatsenders und startet eine Karriere im Fernsehen. Denn das Volk hält ihn für einen politisch nicht ganz korrekten Comedian und macht ihn zum gefeierten TV- und Youtube-Star. Und das, obwohl sich Adolf Hitler seit 1945 innerlich und äußerlich um keinen Deut verändert hat.

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    Produzent Christoph Müller beschreibt die Romanvorlage als ein „erfolgreiches, spektakuläres und anarchisches Buch“. Doch wie bringt man solche 400 Buchseiten auf die Leinwand, geschrieben aus der Sicht Adolf Hitlers und erschwert durch die schier unmögliche Prämisse des Stoffes? „Er ist wieder da“ ist keine Romanverfilmung im üblichen Sinne. Neben dem eigentlichen Handlungsstrang enthält der Film auch Mockumentary-Elemente, also fiktionale Dokumentarstücke. In diesen begegnet Hauptdarsteller Oliver Masucci in seiner Rolle als Adolf Hitler auch dem kleinen Mann auf der Straße, unterhält sich mit Kleintierzüchtern, Jungpolitikern und Neonazis. Diese Szenen versprechen ihre Authentizität vor allem durch möglichst „spontane und natürliche“ Dialoge und die Aufnahme mit einer flexiblen Handkamera. Da letzteres aber auf den gesamten Film zutrifft, verschwindet der Dokumentaranschein ein wenig.

    Ein großer Pluspunkt des Films ist, dass er von einer Dämonisierung absieht. Hitler wird weder als Monster noch als Inkarnation des Bösen dargestellt, sondern zeigt vielmehr seine charmanten und höflichen Seiten. Erst gegen Ende des Films blitzen Größenwahn und Irrsinn durch. Viel erschreckender jedoch sind manch Aussagen der auf der Straße Befragten. Ohne auf die mitlaufende Kamera zu achten, schimpfen sie auf die deutsche Demokratie und den Ausländerzustrom – gegenüber Adolf Hitler, wohlgemerkt. Bei dem Mann mit glattem Scheitel und Lippenbärtchen sehen sie sich endlich bestätigt, unterstützt er doch ihren Wunsch nach einer starken Hand in der Politik. Makabere Situation. Der begeisterte Hitlergruß und Aussagen wie „Wenn Sie der echte Hitler wären, würde ich schon alles tun, was Sie mir sagen“ gehen unter die Haut und beantworten auf unschöne Weise die Frage, ob Hitler heutzutage eine Chance in der Politik hätte.

    „Er ist wieder da“ ist keine Persiflage, keine Satire und keine Polit-Comedy. Es ist vielmehr irgendwas dazwischen. Es ist ein Film, der auf tiefste Weise verstört und das Lachen im Hals stecken bleiben lässt.

     

    Ab 8. Oktober im Kino

     

    Foto und Filmverleih: Constantin Film

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