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  • „Grundschul-Abitur“ um jeden Preis

    In „Frau Müller muss weg“ eskaliert ein Elternabend zu einem gehässigen Kleinkrieg.

    Frau Müller muss weg! Soviel steht fest, als sich eine Gesandtschaft besorgter Eltern zu einem außerplanmäßigen Termin mit der Klassenlehrerin Frau Müller zusammenfindet. Weil die Noten schlecht sind und am Schuljahresende die Entscheidung fällt, ob die Kinder den Sprung aufs Gymnasium schaffen, sind die Eltern fest entschlossen, mit der Absetzung der Lehrerin zu retten, was noch zu retten ist – koste es, was es wolle! Doch Frau Müller spielt da so nicht mit und schließlich ist sie es, die kein Blatt vor den Mund nimmt und schonungslos mit den Eltern und ihren Kindern abrechnet. Es beginnt eine Schuldzuweisung und eine gegenseitige Zerfleischung. Es geht schließlich um die Kinder. Vor allem um das eigene.

    Mit seinem neuen Film Frau Müller muss weg verwandelt Regisseur Sönke Wortmann eine Grundschule in eine Kampfarena elterlicher Eitelkeiten. Basierend auf dem erfolgreichen Theaterstück von Lutz Hübner ist diese perfekt abgestimmte Komödie eine bittersüße Abrechnung mit dem deutschen Bildungssystem. Je mehr der Elternabend aus dem Ruder läuft, desto weiter zieht der Film thematisch seine Kreise: Am Ende heißt es Ost gegen West, Moralismus der Arbeitslosen gegen Pragmatismus der Arbeitenden, schulschwänzende Kinder gegen Mobbing-Opfer.

    Die Handlung lebt von den aufgeregten Eltern, die nicht unterschiedlicher hätten sein können. Da gibt es Jessica (Anke Engelke), die knallharte Geschäftsfrau im Hosenanzug, die immer das Kommando hat und sich von niemandem etwas sagen lässt. Patrick und Marina (Ken Duken, Mina Tander), das aus dem Westen zugezogene Ehepaar, dessen Sohn als „Wessi-Arsch“ beschimpft und ausgegrenzt wird. Wolf (Justus von Dohnányi) ist ein arbeitsloser Hausmann, passiv-aggressiv und bemitleidet sich am liebsten selbst. Und schließlich noch Katja (Alwara Höfels), die als Mutter des Klassenbesten nur aus Solidaritätsgründen mit dabei ist und die anderen mit ihrer Neutralität gewaltig nervt. Das gemischte Quintett sieht sich nun Frau Müller (Garbiela Maria Schmiede) gegenüber, die mächtig am Vorwurf zu schlucken hat, sie hätte weder die Klasse noch den Lehrstoff im Griff. Im Laufe des Films stellt sich immer mehr heraus, dass das Verhalten und die Leistungen der Kinder nicht mehr sind als Projektionsflächen für elterliches Versagen. Doch dass man sich vielleicht an die eigene Nase fassen müsste, statt bequem die Schule und die Lehrer zu verurteilen, sieht keiner der Eltern ein. Schließlich beginnt ein erbitterter Kampf, der in einer Prügelei endet, die Kastanienmännchen zerstört und krampfhaft aufrecht gehaltene Vorbildrollen ruiniert. Lutz Hübners Text hat schon im Theaterstück überzeugt und wird nun noch durch einen großartigen Cast und kreative Regie-Einfälle ergänzt. „Frau Müller muss weg“ ist ein Plädoyer für den häufig herabgewürdigten Lehrerberuf („Sie ist eine Irre, die gute Noten gibt – mehr kann man von einem Lehrer heutzutage nicht verlangen!“) und dessen ethisch-moralische Grundhaltung. Fazit: Ein gehaltvoller und sehenswerter Film! Ein Muss für alle, die jemals in der Schule waren oder sind, eine Meinung zum deutschen Schulsystem haben oder einfach mal wieder eine gute deutsche Komödie sehen wollen

    Kinostart am 15. Januar

    Verleih und Foto: Constantin Film

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