• Kultur
  • „Das ist nice – und was ist sonst noch so passiert“

    Pia Benthin

    35 Stopps hat die Britz-California-Tour 2019 der Berliner Band Von Wegen Lisbeth. Unter anderem machte sie am Sonntagabend im Leipziger Haus Auensee Halt.

    Zwischen Bremen und München spielte die Band Von Wegen Lisbeth am 27. Oktober im ausverkauften Haus Auensee. Dass es eines der letzten Konzerte der Tour war und die Berliner schon seit Mai durch Deutschland, Österreich und die Schweiz fahren, merkte man ihnen nicht an. Bis auf zwei Konzerte waren alle ausverkauft und das, obwohl in manchen Städten zwei Termine angeboten wurden.

    Gegründet hat sich die Formation 2006 unter dem Namen Fluchtweg. Zwei Namenswechsel später spielen sie keinen Hardcore-Punk mehr. Sänger Matthias „Matze“ Rohde beschrieb den Von-Wegen-Lisbeth-Stil beim Konzert in Leipzig schlicht als Pop. Dass sich die Musik aber deutlich von den Charts abhebt, hat viele Gründe, zum einen die teils sehr skurrilen Texte und zum anderen Musikinstrumente abseits von Schlagzeug und Gitarre. So findet sich auf der Bühne unter anderen ein Kinderglockenspiel.

    Politisch wird es auch durchaus mal bei Von Wegen Lisbeth. Im Morgenmagazin des ZDF sorgte vor allem auf Twitter ein „FCK-AFD“ Sticker auf dem Keyboard von Robert Tischer vor ein paar Monaten für Aufregung und auch im Lied „Alexa gib mir mein Geld zurück!“ findet man das klare Statement „Und warum ist die AfD immer noch da, Obwohl ich heut‘ beim Yoga war?“. Am Tag des Auftrittes in Leipzig wurde in Thüringen ein neuer Landtag gewählt, während des Konzerts waren noch keine Prognosen bekannt. Trotzdem machte Rohe auch hier eine Ansage gegen die AfD und für die Demokratie. An dem Abend gab es zudem auch Info-Stände, unter anderem von der Seebrücke.

    Trotz Öffnen des oberen Rangs war das Haus Auensee restlos ausverkauft – 3.600 Menschen passen in die Location.

    Das letzte Mal waren sie vor zwei Jahren in Leipzig, erzählte Sänger Rohde zwischen zwei Liedern. Damals noch im Täubchenthal, mit nur halb so vielen Menschen. Da hätten die Karten aber auch nur die Hälfte gekostet, heißt es von ihm. Dafür würden sie an diesem Abend doppelt so lang spielen, so bleibe der Wert der Lieder gleich. Sie hätten das mal ausgerechnet: der Titel „30 Segways, ein Ferrari“ sei genau 1,22 Euro wert. Die Menge lachte. Auch wenn sie seit ihrem Durchbruch 2016 nun Locations wie das Haus Auensee füllen, wirkten die Berliner immer noch, als hätten sie Spaß an dem was sie tun.

    Vorband in Leipzig war die Gruppe Blond, bestehend aus Johann Bonitz und den zwei Schwestern Nina und Lotta Kummer. Blond war auch schon Vorband von Annenmaykantereit, genauso wie 2014 noch Von Wegen Lisbeth. Seit dem ersten Lied wurde im Haus Auensee gut eingeheizt, während es sich vor allem im Innenraum unten füllte. Auf dem Rang wurden die Seiten geöffnet, unten blieb es recht voll und nah an der Bühne auch recht stickig. Platz zum Tanzen blieb da nur ganz hinten. Circa zwei Stunden lang spielten Von Wegen Lisbeth Lieder von ihrem zwei Alben „Grande“ und sweetlilly93@hotmail.com“, aber auch ältere Lieder waren dabei. Songtechnisch blieben keine Wünsche offen, von „Chérie“ bis „Sushi“ spielte die Band wirklich jeden ihrer Hits. Zum Abschied gab es dann noch ein Cover zusammen mit Blond: „Nur ein Wort“ von Wir Sind Helden.

    Nächstes Jahr geht Von Wegen Lisbeth gleich wieder auf Tour, ein Konzert in Leipzig gibt es aber leider nicht. Mehr von und über die Band findet ihr in der November-Ausgabe. Denn luhze-Redakteur Hagen Küsters hat Matthias „Matze“ Rohde (Gesang und Gitarre), den Gitarristen Doz Zschäbitz und Robert Tischer (Synthesizer und Percussion) vor dem Konzert zum Interview getroffen.

    Titelbild: Nils Lucas

    Verwandte Artikel

    Das geht beim Dok 2019

    Heute startet das 62. Leipziger Dokumentar- und Animationsfilmfestival Dok. Eine Woche lang zeigen die Kinos der Stadt Einreichungen aus 63 Ländern. Wir stellen euch die Besonderheiten 2019 vor.

    Film | 28. Oktober 2019

    Jazz ist auch Musik

    Zwei alte Männer fragen sich bei einer Podiumsdiskussion der Leipziger Jazztage nach der Zukunft des Jazz. Am gleichen Abend antwortet ihnen Mette Henriette musikalisch.

    Kultur | 22. Oktober 2019