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    Die Streikwoche neigt sich ihrem Ende zu. Zur großen Klimademo berichten wir über drei weitere Veranstaltungen im Rahmen der Public Climate School.

    Führung durch den Auwald

    Im Rahmen der Public Climate School führte an diesem Donnerstag Thomas Knorr durch den Auwald. Die kostenlose Führung wurde von Students For Future organisiert. Knorr ist seit 1991 Revierförster im Auwald im Revier Connewitz. Damit betreut er einen Teil des 1.978 Hektar großen Waldgebiets, das der Stadt Leipzig gehört.

    Bei dem Spaziergang erklärte er auf sein Fahrrad gestützt den etwa 20 anwesenden Studierenden, wie der Auwald genutzt wird, welche Herausforderungen durch den Klimawandel entstanden sind und wie sein Konzept von einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes aussieht. Als Stadtwaldgebiet werde der Auwald kaum wirtschaftlich genutzt, dafür aber umso mehr als Naherholungsgebiet der Bewohner*innen von Leipzig. Besonders schwierig seien für den Wald die letzten beiden trockenen Sommer gewesen, die dem Boden und den Bäumen stark zugesetzt hätten. Nachhaltige Nutzung heiße für ihn immer, trotz des großen Bedarfs an Holz die Wälder nicht zu überfordern, wie es etwa in osteuropäischen Ländern der Fall sei.

    Zusätzlich zu Fakten über den Wald bekamen die Studierenden von Revierförster Knorr auch noch ein paar Lebensweisheiten mit auf den Weg, zum Beispiel über die Kindheit im Grünen, seine Beziehung zu Natur, Fleischkonsum oder seine persönliche Lebensphilosophie („Die meisten Leute sterben dumm und im Liegen. Ich will beides nicht.“). Als die Führung beendet war, konnten alle erholt und in dem Wissen zurückfahren, dass auch außerhalb der studentischen Blase Menschen Nachhaltigkeit am Herzen liegt.

    Lisa Bullerdiek

    Das Bild zeigt den Revierförster Thomas Knorr. Er steht vor einer Gruppe von Studierenden auf einem Waldweg und ist auf sein Fahrrad gelehnt.

    Thomas Knorr hatte viel über seinen Wald zu berichten.

    Architects for Future

    Eine Welt ohne Abfall, in der Häuser sich selbst versorgen und positive Auswirkungen auf die Umwelt haben – dies ist die Vision der Cradle to Cradle Denkschule. Zusammen mit den Architects For Future beschäftigt sie sich mit der Zukunft des Bauwesens in Hinsicht auf die Klimakrise und berichteten davon am Mittwoch im Hörsaal 11 am Hauptcampus.

    Die Planungsingenieure Björn Heiden und Tore Waldhausen zeigten am Mittwochmorgen unter dem Titel „Architects for Future – Probleme und Lösungen aus dem Bausektor“ auf, wie weit sich die Auswirkungen der Baubranche auf das Klima erstrecken und wie dagegen angegangen werden kann. Dabei stellten sie die Problematik des Recyclings im Bausektor vor, welche sich mit der Unbenutzbarkeit von Materialien aufgrund von Schadstoffen beschäftigt und wie beim „Downcycling“ Materialien durch schlechte Verarbeitung, unter anderem in Folge der Verklebung von verschiedenen Komponenten, nicht vollständig recycelt werden können. Es wurde erläutert, wie die Abfallaufkommensquote von 53 Prozent in Zukunft durch die Verwendung von Lehm, Stroh und Holz im Bau sowie der Arbeit an zum Großteil recyclebaren Materialien verringert werden soll und wie auch Umweltzertifikate, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausstellt, eine Lösung aufzeigen. Beispiele dafür lassen sich auch in Leipzig finden, wie die Höfe am Brühl, die ein solches Zertifikat bereits haben.

    „Wir müssen nicht nur unseren negativen Fußabdruck minimieren, sondern auch unseren positiven Fußabdruck ausbauen“, erklärte Waldhausen.

    Sophie Heinen

    Podiumsdiskussion „Schöne neue Welt – System Change? Lifestyle Change? Visionen und Strategien für die Klimabewegung“

    Einiges kann man den Organisator*innen der Public Climate School vorwerfen, nicht aber, sie würden klein denken. „Wie könnte die nachhaltige Zukunft aussehen?“, „Was steht uns im Weg?“ und „Wie erzeugen wir politischen Wandel?“ waren die drei Fragen, die dem Podium am Mittwochabend im Hörsaalgebäude gestellt wurden, das aus Ruth Kronberg vom Konzeptwerk Neue Ökonomie, Felix Ekardt, Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik und dem Ostasienwissenschaftler Oliver Pye aus Bonn bestand. Kronbergs Zukunftsvision? „Eine ökologische, solidarische und demokratische Gesellschaft“ mit „realer Teilhabe für alle“ und sozialer Gleichheit durch eine radikale Umverteilung innerhalb Deutschlands und global. Die Wirtschaft solle Mensch und Natur in den Mittelpunkt stellen, Privateigentum vergesellschaftet werden.

    Diese Ideen stießen auf starken Widerstand bei dem Forschungsstellenleiter Ekardt. Er betonte, dass man die Klimakrise global lösen müsse und verwies auf das Pariser Abkommen, das eine Erderhitzung von maximal zwei Grad verlangt. Wichtig war ihm außerdem die „Freiheit für die gesamte Menschheit“, die durch Kronbergs Vorschläge gefährdet sei.

    Pye begann mit einer Kritik des sogenannten grünen Kapitalismus, den er in Ostasien besonders in der Rodung von Regenwäldern für den Anbau der Rohstoffe der Biospritproduktion sieht. Grüner Kapitalismus meint dabei, dass das ökonomische System des Kapitalismus nicht durch Aktivismus angegriffen, sondern nur an wirtschaftlichen Stellschrauben innerhalb dieses Systems gedreht wird. Die dafür verantwortlichen Konzerne müssen, laut Pye, zerschlagen werden und das Land an lokale Bauern verteilt werden. Er plädierte zudem für autofreie Städte und eine postkapitalistische Gesellschaft ohne Wachstumszwang, den er, wie Kronberg, als den Auslöser der Klimakrise sieht. Das Hindernis auf dem Weg dorthin sei für ihn klar zu erkennen: „Kapital und Patriarchat“, verkündete er unter großer Zustimmung aus dem Publikum. Viel zu oft meine man mit der Frage „Was können wir gegen die Klimakrise machen?“ eigentlich „Was können wir gegen die Klimakrise kaufen?“ Dieses Denken sei wegen des Kapitalismus in uns verwurzelt.

    Kronberg stimmte diesen Überlegungen im Wesentlichen zu, während Ekardt die Schuld bei der Menschheit als Kollektiv sah, auch wenn er die ärmsten Menschen von der Verantwortung ausnahm. Er betonte, dass innerhalb der letzten 40 Jahre bereits viele Fortschritte im Lebensstandard und in der Gerechtigkeit in den westlichen Ländern gemacht wurden und mahnte, dass viele unserer Sozialhilfeprogramme wie Rente, Arbeitslosengeld und Krankenversicherungen auf stetigem Wachstum basieren. Kronberg und Pye waren sich sowohl in ihrem Widerspruch Ekardt gegenüber als auch in ihrer Lösung weitgehend einig: Soziale und ökonomische Kämpfe seien zu verbinden, Konflikte zwischen Arbeiter*innen und Klimaaktivist*innen zu vermeiden. Pye betonte die Rolle der Gewerkschaften, Kronberg gab jedoch zu bedenken, dass die Gewerkschaften aktuell eher am Erhalt von Arbeitsplätzen als an der Klimakrise interessiert seien. Man müsse nicht vornehmlich die Gewerkschaften überzeugen und einen „Labour Turn“ machen, wie Pye es fordert, sondern auf die Straße gehen und eigene Konzepte entwickeln.

    Jonas Waack

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