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  • Klimastreikwoche in Leipzig hat begonnen

    Die Gruppe Students For Future eröffnete gestern die einwöchige Public Climate School. Gestrige Höhepunkte waren die Studentische Vollversammlung und eine Podiumsdiskussion um Lösungsansätze.

    Etwa 1.200 Studierende fassten gestern Abend während der zweiten diesjährigen Studentischen Vollversammlung den Beschluss, die Klimastreikwoche durchzuführen. Initiiert wurde die Versammlung von der Hochschulgruppe Students For Future (SFF). Die studentische Vollversammlung stellt das höchste studentische Gremium einer Universität dar. Im voll besetzten Auditorium Maximum und über einen Livestream im Augusteum konnten die Studierenden der Universität Leipzig verschiedene Vorträge hören und zum Schluss über die zentralen Forderungen dieser Woche abstimmen. Dabei hatte SFF einen bunten Mix aus verschiedenen Perspektiven zusammengestellt: Von den Aktivistinnen von Fridays For Future, zu einer Wissenschaftlerin, zu einem Bahnfahrer und dem Gewerkschaftsvorsitzenden der Region Westsahara kamen hier Viele zu Wort. Nach dem Input folgte eine längere Diskussion über die Umformulierung einzelner Forderungen. Sie sollten die Universitätsleitung unter anderem direkter zum Handeln auffordern. Mit den entsprechenden Änderungen wurden die Forderungen schließlich verabschiedet.

    Am Montagabend fand zudem die erste von sechs Podiumsdiskussionen der Klimastreikwoche statt. Der Titel der Veranstaltung lautete „Die Hütte brennt – Klimakrise, Politisches Versagen und der Kampf für eine andere Welt“. Zu Wort kamen der Jenaer Soziologe Dennis Eversberg, Heike Wex von Scientists For Future Leipzig sowie SFF-Aktivist Shayli Khozaini. Über Skype wurde Autorin und Journalistin Kathrin Hartmann zugeschaltet. Moderiert wurde die Veranstaltung von SFF-Aktivistin Julia Kaiser.

    Eine globale Perspektive brachte Aktivist Khozaini. Er sprach über Menschen, insbesondere aus dem globalen Süden, die aufgrund ihres Einsatzes für das Klima ermordet wurden. Khozaini problematisierte zudem den Begriff des „menschengemachten Klimawandels“ und verlangte, die verantwortlichen Personen und den kolonialen Kontext konkreter zu betrachten. „Wir sitzen nicht alle im selben Boot“, betonte er. „Es gibt Menschen auf der Welt, deren Boot bereits untergeht.“ Als Zeichen der Solidarität wurden alle Hörsäle für die Dauer der Klimastreikwoche nach Aktivist*innen aus dem globalen Süden benannt.

    „Warum tut sich nichts?“ – mit dieser Frage beschäftigte sich anschließend Soziologe Eversberg. Die Antwort lag für ihn im fossilen Kapitalismus, der auf unendliches Wachstum ausgerichtet sei. Dieses Wachstum, ob „grün“ oder nicht, zerstöre früher oder später die Natur. Es führe kein Weg daran vorbei, politischen Druck für die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu entfalten. „Dabei geht es bereits um das Eingemachte des kapitalistischen Systems, das wird Konflikte geben“, so der Soziologe. Es sei aber unvermeidlich. Noch immer sei es ein Thema von kleinen Gruppen, die Mehrheit der Gesellschaft unterstütze einen Transformationsprozess überhaupt nicht.

    Kathrin Hartmann referierte anschließend über Greenwashing. Der Begriff bezeichnet den Versuch von Firmen oder anderen Institutionen, sich beispielsweise durch Geldspenden oder ökologische PR-Maßnahmen öffentlich als umweltfreundlich zu profilieren. Sie hat im vergangenen Jahr das Buch „Die Grüne Lüge“ veröffentlicht, in dem sie kritisiert, dass Konzerne den Diskurs entpolitisieren und tatsächliche ökologische Veränderungen verhindern und verlangsamen. „Diese Konzerne wollen am allermeisten, dass alles bleibt wie es ist“, erklärte Hartmann.

    Am Dienstag- und Mittwochabend finden weitere Podiumsdiskussionen statt, unter anderem zum Thema Öffentlicher Personennahverkehr.

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