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  • Wer plant besser?

    Sowohl HTWK- als auch Uni-Stura bieten kostenlose Semesterplaner an. Wir haben sie todernst und professionell für euch getestet, um herauszufinden, welcher euch eher zum Erfolg verhilft.

    Das Semester hat angefangen, ihr habt alle langweiligen Einführungsveranstaltungen ertragen, die zweite Vorlesung schon mal übersprungen und höchstens einen der Texte gelesen, die euer etwas zu entspannter Dozent in Moodle gestellt hat. Dabei hattet ihr euch doch zu Anfang des Semesters vorgenommen, dass dieses Jahr sicherlich alles ganz anders wird. Nun, dieser Artikel soll euch kein schlechtes Gewissen machen. Er soll zeigen, welcher Semesterplaner der Katalysator eures intellektuellen und sozialen Erfolgs sein wird: der „Semesterplaner 2018/2019“ des Studierendenrates der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) oder der „mehr Plan für alle 2019/20“ des Student_innenrates der Universität.

    Der erste Eindruck zählt, in der Liebe wie in der Bewertung von Lebensplanungswerkzeugen. Der Uni-Planer ist mit 20 mal 15 Zentimeter ein bisschen breiter und länger als der des HTWK-Stura, dafür jedoch auch etwas dünner. Beide wiegen ungefähr gleich viel, die Auswahl hier ist klar Geschmackssache. Wir sehen dagegen bei der Gestaltungsweise zwei fundamental unterschiedliche Herangehensweisen von HTWK- und Uni-Stura: Während der HTWK-Planer von Türkis langsam zu blau übergeht und sich bambusartige, leicht krumme weiße Linien vertikal über die Vorderseite ziehen, erklärt der Uni-Planer dem*der Betrachter*in von Sekunde Eins an den Krieg. Ein Dinosaurier ist in vollem Galopp, vor seinem Bauch explodiert eine Sonne – oder ein Komet, aber so viel Geschmacklosigkeit wollen wir dem Uni-Stura nicht unterstellen – in deren Mitte die Typografie des Namens keinen Zweifel daran lässt, was das hier ist und wer es gefälligst zu nutzen hat: „mehr PLAN für ALLE“. Auf der Rückseite bietet sich das jeweils gleiche Bild dar. Buchstäblich, im Falle der HTWK, die zusätzlich vermerken, wessen Werk dieser harmonische Zen-Garten von Planer dies ist.

    Sein Konkurrent geht noch einen Schritt weiter als auf der Vorderseite und zoomt auf den Kopf des Dinos, dessen eingefrorenes, aber nichtsdestoweniger furchterregendes Brüllen nun im Profil zu sehen ist. Die Aussage ist klar: Stell dich deinen Ängsten! Selbst wenn wir alle durch einen Asteroiden und/oder eine menschengemachte Klimakatastrophe aussterben, hast du das Potenzial, in ein paar Dutzend Millionen Jahren auf dem Cover eines Druck-Erzeugnisses für die Einteilung von Zeit zu landen. Damit ist der Gewinner dieser Runde eindeutig die Universität. Denn auch wenn der HTWK-Planer vielleicht angenehmer anzusehen ist und eine gewisse Seriosität ausstrahlt, fehlt ihm dieses gewisse Etwas: ein Dino.

    Nun wissen wir aber, dass auch die inneren Werte für eine funktionierende Beziehung wichtig sind. Hier besteht natürlich nicht viel Gestaltungsspielraum, deswegen gibt es auch kaum Unterschiede. Beide nutzen das klassische Montag-bis-Freitag-Schema, lassen Platz für Notizen und tragen bestimmte, leicht willkürlich ausgewählt wirkende Veranstaltungen ein. Der Unterschied, der sofort ins Auge fällt, ist natürlich, dass der HTWK-Stura Zeilen zum Schreiben vorgibt, während der Uni-Stura, Freigeist der er ist, dem*der Nutzer*in freie Hand lässt und eine Art Vakuum erschafft, das nur darauf wartet, von kreativen Theaterwissenschaftsstudierenden gefüllt zu werden.

    Außerdem werden dort nach jedem zweiten Monat einige Seiten Information eingeworfen, wie Werbung bei einem Youtube-Video oder – die Langzeitstudierenden werden sich erinnern – damals im Fernsehen. Diese Seiten sind gespickt mit Informationen, die im Studium hilfreich sein können, aber letztlich irrelevant, weil sie sich sowieso niemand durchliest. Sie sind nur störend, wenn man im Januar schon etwas für Februar eintragen möchte und dann erstmal gezwungen ist, ein paar Seiten über das Referat für Hochschulpolitik zu überblättern. Klarer Punkt an den HTWK-Stura, der so schlau ist und diese Infos auf Anfang und Ende des Planers verteilt. Game on.

    Der Uni-Planer bekommt einen Extrapunkt dafür, dass es Sudokus gibt – der ihnen jedoch sofort wieder abgezogen wird, weil keines davon einen von drei Sternen Schwierigkeitsgrad hat, sondern entweder zwei oder drei. Wenn ich in der Vorlesung gelangweilt durch meinen Planer blättere, will ich doch nicht auch noch an einem mittelschweren Denkspiel scheitern und mich vollends wie ein Versager fühlen! Neben Sudoku gibt es auch noch „Vier Gewinnt“ und „Schiffe Versenken“. Das ist der einzige logische Schritt nach dem genialen Dino-Cover. Wenn ich die attraktive Person im Café erstmal mit meinem extrem coolen prähistorische-Mördermaschine-Planer beeindruckt habe, kann ich sie gleich zu einer Runde „Vier Gewinnt“ herausfordern und so das Eis brechen. Der erste Schritt zur großen Liebe, dem Uni-Stura sei Dank.

    Als Connaisseur mir aufgezwungener Sparkassen-Werbung darf der Rezensent natürlich nicht die kommerziell motivierten Hinweise auf das Angebot der Bank für Studierende ignorieren, die sich – wie könnte es anders sein – in beiden Planern finden. Der interessante Unterschied ist der jeweilige Slogan. Im HTWK-Planer möchte die Sparkasse mit „Durchstarten ist einfach“ wohl die genialen Ingenieur*innen und Wirtschaftswissenschaftler*innen der Zukunft anziehen, stellt klar dar, welche Vorteile dieses spezielle Konto bietet und warum du durch das „Studi-Goodie“ Freiräume erhältst. Es gibt sogar einen QR-Code. Der Slogan im Uni-Planer? „Finanzen im Griff ist einfach.“ Die Zielgruppe hier sind eindeutig verplante Geisteswissenschaftler*innen, die ihre Finanzen absolut nicht im Griff haben. Die einzige Aussage auf der Seite ist dementsprechend auch „25 Euro Startguthaben“ und der Hinweis, dass diese immerhin fast drei veganen Premium-Mensa-Gerichte einmalig pro Person ausgezahlt werden, ihr Schlingel – um zu paraphrasieren.

    Der letzte Vergleichspunkt soll die Bindung sein. Der Uni-Planer ist klebegebunden und lässt sich deswegen nie ganz aufschlagen. Außerdem kann man ihn nicht mal eben offen liegen lassen, er schnappt sofort zu – sicherlich, um beim Dino-Thema konsequent zu bleiben. Der HTWK-Planer besitzt dagegen eine Eins-A-Ringbindung dank derer immer genau die Seite offen ist und bleibt, die man gerade braucht. Ringbindung sieht aber auch viel schlechter aus, ein weiterer Punkt, den die HTWK wegen des fehlenden Swags verliert.

    Der klare Gewinner des Vergleichs ist also der Planer des Uni-Stura, der mit Dino-Design, Ansporn zur Kreativität und Potenzial für die große Liebe die fiese Sparkassen-Anzeige aufwiegt und die schnöde bessere Funktionalität des HTWK-Planers aussticht. Sicher, die Ringbindung und Linien machen das Eintragen und Organisieren einfacher und man wird nicht von kompakten, sicherlich relevanten Beschreibungen der Stura-Referate beim Planen aufgehalten. Aber will ich wirklich so dringend produktiver, ergo uncooler sein? Da versage ich doch lieber im Sudoku.

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