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  • „Das sind Alltagsbeobachtungen“

    Von Wegen Lisbeth machte auf ihrer Tour Mitte Oktober Halt in Leipzig. Vor ihrem ausverkauften Konzert im Haus Auensee traf luhze-Redakteur Hagen Küsters drei der fünf Bandmitglieder zum Interview.

    Im Mai veröffentlichte die Berliner Band Von Wegen Lisbeth ihr zwei­tes Album „sweetlilly­93@hot­mail.com“. Zeit­gleich ging es auf große Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Matthias „Matze“ Rohde (Gesang und Gitarre), Doz Zschäbitz (Gitarre) und Robert Tischer (Synthesizer und Percussion) haben sich kurz vor ihrem Konzert in Leipzig unseren Fragen gestellt.

    luhze: Ihr kennt euch bereits seit der Schulzeit und habt erst unter dem Namen Fluchtweg, dann als Harry Hurtig und letztlich als Von Wegen Lisbeth Musik gemacht. Wie kam es zu dieser Metamorphose?

    Doz: Wir haben alle angefangen Musik zu machen, ohne die Instrumente wirklich spielen zu können. Das heißt, wir haben früher sogar untereinander die Instrumente gewechselt, weil nicht klar war, wer was und wie gut spielen kann. Dadurch haben wir dilettantisch das gemacht, was wir konnten. Und natürlich auch das, was uns damals an Musik gefallen hat. Über die Jahre hat sich das dann geändert.
    Matze: Also wir konnten früher absolut gar nichts!

    Robert: Deshalb haben wir anfangs Punkrock gemacht (lacht).

    Wie würdet ihr eure heutige Musik beschreiben?

    Matze: Als Popmusik – ich würde es einfach bei diesem ganz großen Begriff belassen. Eine genauere De­fini­tion sollen dann lieber andere Leute übernehmen. Ich finde es ganz komisch, jemandem unsere eigene Musik zu erklären.

    Gibt es denn musikalische Vorbilder oder Einflüsse, die eure Art und Weise, Musik zu machen, geprägt haben?

    Matze: Dadurch, dass wir alle unterschiedliche Musik hören, kann man das gar nicht so genau sagen.

    Robert: Da bringt jeder so sein Ding mit rein.

    Matze: Wir können uns nicht auf einen Künstler oder eine Band einigen, bei der jetzt alle sagen, die haben uns total geprägt.

    Wie kommen eure Texte zustande?

    Matze: Das sind Alltagsbeobachtungen. Ich greife meistens einen Satz oder ein Bild auf, das ich gut finde, und dann mach ich dazu einen Text.

    Doz: Es gibt auch mehr politische Themen, die wir im zweiten Album verarbeiten, die vielleicht vorher noch nicht so krass Thema waren in Berlin. Beispielsweise, dass man umzieht und merkt, wie schwierig der Wohnungsmarkt ist und das Problem dahinter erkennt. (Die Band thematisiert unter anderem die Gentrifizierung in ihrem Song „Westkreuz“, Anm. d. Red.).

    In einem Interview mit Zeitjung (2016) habt ihr erwähnt, dass ihr „Musik mit Haltung“ macht, „aber keine politische Band“ seid. Wie sieht denn eure Haltung aus?

    Robert: Unsere politische Haltung war schon immer gegen die AfD oder die NPD. Daran hat sich nichts geändert!

    Matze: Wir haben alle, obwohl wir in Berlin leben und mit unserem Freundeskreis in so einer krassen Blase stecken, den Rechts­­­ruck gespürt. Daran kommt man einfach nicht vorbei. Un­se­re Texte kritisieren aber nicht nur die AfD, sondern richten sich auch an Leute wie uns, die in dieser Blase leben und nichts tun.

    Robert, Matze, luhze-Redakteur Hagen und Doz (v.l.n.r.) beim Interview

    Ihr befindet euch seit Mai auf der Britz-California-Tour. Am 9. November ist euer Tourfinale in Berlin, ehe es 2020 mit Open Airs, Festivals wie dem Hurricane sowie im Herbst mit dem zweiten Teil der Tour weitergeht. Ihr seid dann fast zwei Jahre zusammen unterwegs. Braucht ihr danach erst einmal eine Pause, musikalisch und auch generell?

    Robert: Tatsächlich machen wir bereits nach dem Tourfinale eine Pause. Die haben wir auch schon sehr lange im Vorfeld geplant. Nach dem ständigen Rhythmus, den man als Band hat, brauchen wir einfach mal eine längere Auszeit. Die wird uns glaube ich ganz guttun, um auch mal andere Dinge zu erleben, über die man dann wieder Songs schreiben kann.

    Einige von euch befinden sich mitten im Studium. Man könn­te meinen, dass ihr diese Doppelbelastung gar nicht nötig habt.

    Matze: Ich studiere Sound, also thematisch gar nicht so weit weg von dem, was ich sowieso mache. Aber tatsächlich war ich auch schon zwei Jahre nicht mehr da (lacht).

    Doz: Ich habe Freie Kunst studiert. Das ist nicht eins zu eins das, was ich jetzt mache, aber man konnte kreativ arbeiten und ganz frei entscheiden, was man macht. Da war es nicht schlimm, wenn man mal einige Monate nicht da war.

    Auf den sozialen Medien folgt ihr unter anderem Kraftklub, AnnenMayKantereit und den Giant Rooks. Wie ist das Verhältnis untereinander? Habt ihr auch privat Kontakt?

    Matze: Also mit AnnenMayKantereit sind wir befreundet, die treffen wir auch privat. Die Giant Rooks sehen wir auch ständig, weil die im Bandraum nebenan sind. Und Kraftklub haben uns mal als Vorband mitgenommen, die mögen wir auf jeden Fall auch.

     

    Fotos: Hanna Lohoff

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