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  • Erste Hilfe mit der Funkzelle

    Niclas Stoffregen

    Ruckelfrei und in hoher Auflösung die neusten Ultraschallbilder und EKG-Werte streamen? Das Projekt Momentum nutzt den Mobilfunkstandard 5G, um die ambulanten Erstversorgung zu verbessern.

    Im Notfall muss es schnell gehen. Dabei ist das Funktionieren der Einsatzkräfte und der Technik unerlässlich. Das Forschungsprojekt Momentum (Mobile Medizintechnik für die integrierte Notfallversorgung und Unfallmedizin) der Universität Leipzig macht sich die Vorteile der fünften Mobilfunkgeneration 5G zu eigen, um Daten zwischen den Rettungskräften, dem Krankenwagen und der Klink auszutauschen.

    Der neue Mobilfunkstandard nutzt höhere Frequenzbereiche zur Datenübertragung und soll somit bis zu hundertmal schneller sein als die Vorgängergeneration 4G. Dabei ist es einer einzelnen Funkzelle möglich, Verbindungen mit einer Vielzahl von Geräten aufrechtzuhalten. Ziel des Projekts ist es, mit der Verlässlichkeit und hohen Übertragungsrate von 5G Daten von medizinischen Geräten an den Krankenwagen sowie Daten vom Krankenwagen an die Klinik zu übermitteln. „Jedes Mal, wenn ein Patient in der Notaufnahme in den Schockraum kommt, steht ein Team aus acht bis zehn Menschen bereit, egal ob der Patient einen gebrochenen Arm oder einen schweren Verkehrsunfall hat“, erklärt Thomas Neumuth, Leiter des Projekts und Vizepräsident des Innovationszentrums für Computerassistierte Chirurgie der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig. Durch einen vorherigen Informationsaustausch mit dem Krankenwagen könne die Klinik ein spezialisierteres Team bereitstellen. „Dazu wollen wir die Instrumente der Notaufnahme in den Krankenwagen verlagern, um vor Ort zum Beispiel mit einem Ultraschall schauen zu können, ob der Patient innere Blutungen hat“, erläutert Neumuth.

    Dafür rüsten die Forscher*innen einen Krankenwagen zu einer mobilen 5G-Funkzelle auf. „Für den ersten Kommunikationsabschnitt spannen wir um den Krankenwagen herum ein 5G-Feld auf. Die medizinischen Geräte können so von den Sanitätern zum Patienten mitgenommen werden und weiterhin den Kontakt mit dem Krankenwagen halten“, erklärt Neumuth. Im zweiten Kommunikationsabschnitt sendet der Krankenwagen die Daten an die Klinik, wo ausreichend Rechenkapazität vorhanden ist, um sie auszuwerten. Die Ergebnisse werden anschließend zurück an den Krankenwagen und dann an das Gerät gesendet. Währenddessen kann qualifiziertes Personal in der Klinik die Informationen einsehen und den Sanitäter*innen am Einsatzort Hilfestellung geben.

    In Deutschland endete im Juni die Versteigerung der 5G-Frequenzbereiche. Erst in wenigen Städten gibt es punktuelle 5G-Netzabdeckung. Fraglich ist, wie weit der Netzausbau in den kommenden drei Jahren des Projekts voranschreiten wird. „Eventuell müssen wir für die Übertragung der Informationen zwischen Krankenwagen und Notaufnahme auf das 4G-Netz zurückgreifen“, sagt Neumuth. Herausfordernd wird der Umgang mit Funklöchern, vor allem auf dem Land. Es gelte, sich flexibel an die Situation anzupassen. „Der Krankenwagen sendet dann seine Daten, sobald wieder ein Signal verfügbar ist. Ein weiterer Gedanke ist die Verwendung einer Drohne, die abhebt und das Mobilfunksignal an den Krankenwagen weiterleitet“, erklärt Neumuth.

    Foto: ICCAS

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